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Es gibt einen Besucherdienst in Kirche St. Ludwig in Saarlouis

Ansprechende Kirche : Sie geben Antwort, wenn man sie fragt

Noch ist es ein zaghaftes Pflänzchen. In Saarlouis begleiten Pfarrangehörige den Besuch der katholischen Stadtkirche. Sie üben sich vor allem in - Zurückhaltung.

Nein, sie können nicht mal so tun, als sei ich ein Besucher, sie können mir nicht zeigen, wie so eine typische erste Ansprache in dieser Kirche erfolgt: Weil es keine gebe, sagen die Männer und Frauen, die den immer noch neuen Besucherdienst in der Pfarrkirche St. Ludwig in Saarlouis anbieten. „Wir sprechen niemanden an“, klärt Anna Maria Galletto auf. Aber sie geben Antwort, wenn sie gefragt werden. Darin besteht der Besucherdienst, den sich derzeit zwölf Mitglieder der katholischen Pfarrei St. Ludwig teilen.

Die Einrichtung war, wie das üblich ist, ein Beschluss des Pfarrgemeinderates, und den hat, auch wie üblich, ein Einzelner angeregt. In diesem Fall Hans-Werner Linsler, der Vorsitzende des Gremiums. Er hat einen solchen Besucherdienst bei den Heilig-Rock-Tagen im Trierer Dom kennen gelernt.

Für den Besuchsdienst braucht es wenig Handwerkszeug. Zum einen haben sie alle ein bisschen nachgelesen über dieses Kirchengebäude, seine Geschichte, seine Ausstattung. Da bleibt mancher Besucher hängen, und das rechtfertigt auch die pure Besichtigung als Grund eines Besuchs. Bis heute bringt der Neubau des Schiffs und des Altarraumes aus Beton, begonnen vor genau vor 50 Jahren vom Architekten Gottfried Böhm, die Gemüter in Wallung, aus Ablehnung ebenso wie aus Begeisterung. Hanni Comtesse gehört zu zweiten Gruppe. „Ich liebe diese Kirche. Ich bin oft hier, ich komme seit 40 Jahren.“ Darum macht sie auch mit beim Besuchsdienst. Auch Mia Sonnenschein, eine Küsterin, ist „selbst oft in dieser Kirche“ sie folgt nun einem „Bedürfnis, mich im Gespräch Fragen zu stellen.“

Besucher fragen auch nach den auffälligen Fenstern. Ernst Alt hat sie geschaffen. Sie sprechen von Leid, immer wieder tauchen Dornen („Saarlouiser Dornenpassion“) auf,  ausgehend von einer Reliquie der Dornenkrone: Sie wurde bei der verspäteten Konsekration des Neubaus 2003 in den Altar eingelassen. Diese Reliquie wiederum wird in Verbindung gebracht mit der Beziehung des Patrons der Pfarrei, Ludwig IX. Vor einem dieser Fenster, „Die Nachtigall und die Rose“ nach einem Märchen von Oscar Wilde, verweilt Gertrud Kölb besonders gern. Warum? „Mir gefällt, wie mit einer eigentlich nicht religiösen Motivsprache eine religiöse Aussage gemacht wird.“

Für andere in der Gruppe ist die Marienstatue das Lieblings-Teil der Ausstattung. „Die meisten Besucher dieser Kirche zieht es auch dorthin“, beobachtet Galletto. Was die Rede wieder auf das Handwerkszeug für den Besuchsdienst bringt. Seelsorgliche Fragen, Glaubensfragen, Sorgen: Darüber wollen manche Besucher auch sprechen, und auch da gibt das Team Auskunft, soweit das halt geht. Da sprechen sie dann als „lebendige Kirche“ in der steinernen, wie Kooperator Christian Müller sagt, geben Auskunft auch über ihren Glauben.

Wie eine Zahnspange: An dieses neue Gesicht  von St. Ludwig  wird man sich gewöhnen. Foto: Bodwing

Darum geht es ihnen letztlich, um persönliche Begegnung, nicht um Tourismus. Es hilft, dass die meisten im Besucher-Team ohnehin in kirchlichen Gremien engagiert sind. Zudem trifft sich das Team regelmäßig zum Austausch.

Derzeit wird der Besucherdienst zwei Stunden in der Woche angeboten. Immer zwei Team-Mitglieder gemeinsam. Es könnte öfter sein, das Team hofft auf Verstärkung.

Wie aber geht das alles, wenn das Team die Besucher gar nicht anspricht? „Wir sind in der Kirche, sitzen am Infotisch ganz hinten, jeder hat ein Namensschild“, sagt Hans Blaß. „Ein Blickkontakt, ein Guten Tag, eine Frage, ob man uns ansprechen könne, so beginnen Besucher die Gespräche.“

Fenster aus der „Saarlouiser Dornenpassion“ von Ernst Alt in St. Ludwig in Saarlouis. Foto: rup/Ruppenthal

Kontakt: Pfarrbüro, Tel. (0 68 31) 40 187