„Zahlen waren schon immer meine Welt“

Ensdorf · Heute feiert Hartwin Faust, seit 2012 Bürgermeister der Gemeinde Ensdorf, seinen 60. Geburtstag. SZ-Mitarbeiterin Carolin Merkel sprach mit dem Verwaltungschef, den es privat nach 44 Jahren in Ensdorf ins benachbarte Hülzweiler zog. Doch, das versichert er, er ist und bleibt ein waschechter Ensdorfer, mit Wohnsitz knapp hinter der Grenze.

 Der Ensdorfer Bürgermeister Hartwin Faust feiert heute seinen 60. Geburtstag.

Der Ensdorfer Bürgermeister Hartwin Faust feiert heute seinen 60. Geburtstag.

Foto: Carolin Merkel

Herr Faust, wie erlebten Sie Ihre Kindheit?

Hartwin Faust : Ich war das Nesthäkchen, hatte zwei ältere Brüder und eine ältere Schwester. Dennoch war ich nicht überbehütet - es gab damals keine Helikoptermütter. Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie und habe miterlebt, was es heißt zu sparen, ehe man sich etwas kaufen kann. Das habe ich für mich privat, aber auch als Chef der Verwaltung beibehalten. Ich könnte mir etwa nicht vorstellen, auf Pump zu verreisen. Und auch jetzt, wo wir uns in der Gemeinde unseren Herzenswunsch, den Kreisel und die Umgestaltung der Ortsmitte, erfüllen können, haben wir auf dem Weg dahin eisern gespart - und tun dies auch weiter. Das geht aber nur, muss ich betonen, mit einem Gemeinderat, wie wir ihn haben - und dafür bin ich dankbar.

Wollten Sie schon immer Bürgermeister werden?

Faust: Mit diesem Gedanken habe ich nie gespielt. Ich habe nach der Volksschule das Gymnasium am Stadtgarten besucht, bin nach der mittleren Reife zur Ausbildung als Finanzbeamter im mittleren Dienst zum Finanzamt nach Saarlouis. Zahlen waren schon immer meine Welt, der Beruf hat mir viel Spaß gemacht. Dennoch merkte ich, dass ich mit den Aussichten dort nicht zufrieden bin, habe in der Abendschule Fachabitur gemacht. In dieser Zeit habe ich übrigens für ein halbes Jahr meinen Arbeitgeber gewechselt, war bei der Gemeinde Schwalbach beschäftigt. Als Ensdorf 1982 wieder selbstständig wurde, habe ich dort den Aufstieg in den gehobenen Dienst angefangen, wurde 1991 Hauptamtsleiter. Die Frage, ob ich kandidieren wolle, kam für mich völlig überraschend. Zwar war klar, dass, als Monika Bachmann zur Ministerin ernannt wurde und die Position des Landrats frei wurde, mein Vorgänger kandidieren würde. Aber dass die Parteifreunde mich auserkoren hatten, hat mich überrascht. Es war eine anstrengende Zeit, Wahlkampf geht an die Substanz. Da war ich froh, dass ich von meinen Parteikollegen so gut unterstützt wurde.

Hauptamtsleiter oder Bürgermeister - wo fühlen Sie sich wohler?

Faust: Als Hauptamtsleiter habe ich mich immer in der zweiten Reihe gesehen, eine anspruchsvolle Aufgabe. Als Bürgermeister genieße ich es, sehr viel Kontakt zu den Bürgern zu haben. Immer, wenn uns irgendetwas in Ensdorf zum Wohle und Freude der Bürger gelingt, und seien es die Osterhasen im Kreisel oder der Weihnachtsmarkt im Park, der gut ankommt, dann freue ich mich, für die Bürger etwas Gutes getan zu haben. Es ist eine anstrengende und zeitintensive, aber auch sehr schöne Aufgabe.

Sie sind politisch in der CDU aktiv - rückblickend eine gute Entscheidung?

Faust: Ich bin bereits seit 1977 Mitglied in der CDU , war vorher in der Jungen Union. Ich habe mich bereits im jugendlichen Alter politisch orientiert, und die Politik der CDU hat mich am meisten überzeugt. Das tut sie auch heute noch, wenn auch nicht immer in allen Punkten. Doch ich sehe mich ganz klar als christlich und demokratisch.

Was ist Ihr Wunsch zum Geburtstag - persönlich, aber auch für Ihre Gemeinde?

Faust: Als Privatperson sage ich ganz klar, ich habe alles, was ich brauche. Und auch für die Verwaltung muss ich sagen, es zeichnet uns doch aus, dass wir die Kunst beherrschen, mit wenig Geld viel zu machen. Das ist förderlich für die Bescheidenheit. Wer viel Geld hat, macht auch viel Blödsinn. Auch hier bin ich froh, dass mich der Gemeinderat in diesem Sinn unterstützt.

Hartwin Faust ganz anders - wie hätte Ihr Leben auch aussehen können - gab es gar Träume von Übersee?

Faust: Ich kann mir nicht vorstellen, dass mich ein Leben in einem anderen Land oder gar in den USA gereizt hätte. Aber in eine deutsche Großstadt zu gehen, etwa nach München, das hätte ich mir durchaus vorstellen können. Allerdings ist da meine Frau doch eher eine Saarländerin mit Heimathaftung. Und heute muss ich sagen, es ist gut so. Wenn ich mal Zeit habe, nehme ich mein Fahrrad und fahre an der Saar entlang, es ist so schön im Saarland.

Die Zahl 60 - bereitet Ihnen das Angst?

Faust: Auf gar keinen Fall. Ich habe auch schon die 50 als Beginn eines neuen Jahrzehnts in meinem Leben gesehen. Am Anfang eines Jahrzehnts kann man gar nicht sagen, was einen die kommenden Jahre erwartet. Nun beginnt das Jahrzehnt bei dem ich, vom zeitlichen Aspekt Norbert Blüm zitieren darf: "Die Rente ist sicher!"

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