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Waldameise sorgt für Diskussionen

Waldameise sorgt für Diskussionen

Der Ensdorfer Gemeinderat hat den Bebauungsplan Neubaugebiet Ensdorf Süd II beschlossen. Dennoch gab es sechs Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Tags zuvor hatte das Thema den Bauausschuss passiert.

Nicht leicht machten es sich die Mitglieder des Ensdorfer Gemeinderates, einen Beschluss zum Bebauungsplan Neubaugebiet Ensdorf Süd II zu fassen. Die Zeit drängt, betonte Bürgermeister Hartwin Faust (CDU ). Nachdem das Thema erst einen Tag zuvor den Bauausschuss passiert hatte, sollte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht zur Billigung und Offenlegung der Pläne geben.

Doch ausgerechnet ein kleines Tier machte dem Rat die Entscheidung schwer. Entgegen der Ausführungen des vom Planungsbüro Kern beauftragten Gutachters, der im Sommer keine roten Waldameisen auf dem 0,6 Hektar großen Waldstreifen feststellen konnte, trat die SPD-Fraktion den Gegenbeweis an. Zwar konnte auch Adrienne Blaes vom Umweltamt die schützenswerten Tiere nicht auf dem Gelände finden und bezweifelte zudem, dass ein eventueller Bestand als K.o.-Kriterium ausreiche, doch erklärte sie unabhängig davon, dass sie es für bedauerlich halte, diesen Streifen zu opfern. Dem schloss sich Karl-Heinz Burger (SPD ) an. Er sieht den seit mehr als 40 Jahren gewachsenen Waldstreifen als erhaltenswert und bedauerte, dass man bei den Beratungen zur Planung von Ensdorf Süd II mehrfach nicht auf seinen Hinweis eingegangen war.

Fotos sollen Ameisen zeigen

Zur Gemeinderatssitzung hatte Burger Meiko Balthasar, Naturschutzbeauftragter der Gemeinde, mitgebracht. Dieser war, wie er erläuterte, am Nachmittag in dem Waldstück unterwegs und konnte, wie er mit Fotos belegte, Tiere entdecken. "Ich habe zwei Ameisenhaufen entdeckt, einige Tiere sind auch draußen gewesen", führte er aus. Auch er appellierte als Naturschutzbeauftragter an die Verwaltung, den Grünstreifen, in dem es eine Artenvielfalt gebe, zu erhalten.

Für Manfred Altmaier (CDU ) stellte sich der Nachweis der roten Waldameise eher als weiterer Versuch dar, das Neubaugebiet zu torpedieren. "Die SPD hat ein grundsätzliches Problem, ist gegen alles, aber bei Einweihungsfeiern steht sie dann in der ersten Reihe", erklärte er. Parteikollege Hermann-Josef Flesch nahm die Schärfe aus der Diskussion und erklärte: "Überall, wo Baumaßnahmen stattfinden, gibt es Gewinner und Verlierer. Sollte die rote Waldameise vorkommen, was in einem weiteren Gutachten zu klären ist, so müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden", erklärte er. Thomas Wilhelm (Die Grünen) regte an, den Grünstreifen in Gemeindebesitz zu bringen und die Artenvielfalt zu schützen. Karl-Heinz Burger betonte in Richtung CDU-Fraktion, dass die SPD absolut nichts gegen das Baugebiet habe und der Erhalt des Grünstreifens lediglich ein paar wenige Bauplätze betreffe. Um in der Sache, nämlich einen Beschluss zum Bebauungsplan zu fassen, weiterzukommen, versammelte Bürgermeister Faust in einer Sitzungsunterbrechung die Fraktionsvorsitzenden zu einem kurzen Kolloquium.

Schließlich verkündete er, dass der Gemeinderat einen Beschluss unter Vorbehalt eines weiteren Gutachtens fassen werde, dem konnten sich die Mehrheit bei sechs Gegenstimmen und drei Enthaltungen anschließen.