Jubilarehrung: Seit 5075 Jahren in der Gewerkschaft

Jubilarehrung : Seit 5075 Jahren in der Gewerkschaft

Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie ehrte langjährige Mitglieder. „Der Bergbau geht, aber die RAG bleibt.“

Den aktiven Bergbau gibt es nicht mehr an der Saar. Doch er lebt weiter in Form von Menschen, die mit ihm das Land prägten.

Am Samstagabend trafen sich Mitglieder der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, IG BCE, in Ensdorf zur Ehrung langjähriger Mitglieder. Dazu gehört beispielsweise Wilhelm Spanier, der 75 Jahre Gewerkschaftsmitglied ist und vor Kurzem seinen 90. Geburtstag in einem Altenheim feierte. Er wurde dort von Vertretern der IG BCE gratuliert und geehrt. Zwei Mitglieder sind seit 70 Jahren dabei und waren aber am Samstag ebenfalls verhindert. Zwei andere starben wenige Tage vor dem Termin.

Für 25 Jahre Mitgliedschaft standen zehn Personen zur Ehrung an, für 40 Jahre waren es 78, 18 für 50 Jahre und neun für 60 Jahre. Insgesamt addierten sich die Jubilare auf 5075 Jahre IG BCE-Mitgliedschaft, rechnete der Vorsitzende, Martin Becker, vor.

Es „ist längst nicht mehr so selbstverständlich, in einer Gewerkschaft zu sein“, sagte Heiko Metzger vom Bezirk Saarbrücken. Aber die IG BCE sei weiterhin die stärkste Gewerkschaft in ihrer Branche. „Vier von fünf Betriebsräten sind Mitglieder der IG BCE.“ Auch dazu hätten die Jubilare „ganz maßgeblich“ beigetragen.

Es sei immer um wichtige Themen für die Menschen gegangen. Ob Rente, ob Arbeitsbedingungen oder bessere Krankenversicherung. Für die Zukunft gehe es beispielsweise um Fragen der sozialverträglichen Arbeit in Zeiten der Industrie 4.0.

Große Sorge bereite ihm, dass „die integrative Kraft der Volksparteien“ verloren gehe, sagte Metzger. Den Folgen „müssen wir entschieden entgegentreten“. Seine persönliche Meinung: „Dieses braune Gesindel brauchen wir in unserem Land nicht.“ Dafür bekam er viel Applaus.

Von der Politik erwartete Metzger Überblick und Weitsicht. Deshalb gelte es, „Druck zu machen für eine Klimapolitik der Vernunft.“ Bislang fehlt hier nach seiner Meinung ein schlüssiges Konzept unter anderem für erneuerbare Energie und Speichertechnologie. Das Klimapaket der Koalition sei noch „nicht ausreichend“.

 Der ehemalige saarländische Ministerpräsident Reinhard Klimmt umriss noch einmal die Geschichte und Bedeutung des Bergbaus an der Saar. „Das Saarland ohne Kohle und Stahl gäbe es nicht.“ Die Zeugnisse des Bergbaus „müssen wir achten und pflegen“. „Der Bergbau geht, aber die RAG bleibt“, versicherte Uwe Penth, Zentralbereichsleiter der RAG. Sie arbeite an Strukturwandel und Zukunftsfähigkeit der Region. Diesen Aspekt griff Ensdorfs Bürgermeister Jörg Wilhelmy in seinem Grußwort auf. Nach Schließung von Duhamel und Kraftwerk stehe Ensdorf sinnbildhaft für den Strukturwandel an der Saar. Hierzu müsse man gemeinsam in Berlin Fördermittel für das Projekt Duhamel-Park einfordern.

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