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Schlüssel: Jobs und flexible Kitas

Schlüssel: Jobs und flexible Kitas

Lebach. Beide, Thomas Hartz (CDU, Bürgermeister von Ensdorf) und Patrik Lauer (SPD, Bürgermeister von Nalbach) stecken mitten im Wahlkampf, der kurz, aber heftig ist. Beide Landratskandidaten stellen sich drei Diskussionen mit der Saarbrücker Zeitung. Auftakt war am Donnerstag in der mit 400 Leuten voll besetzten Lebacher Stadthalle

Lebach. Beide, Thomas Hartz (CDU, Bürgermeister von Ensdorf) und Patrik Lauer (SPD, Bürgermeister von Nalbach) stecken mitten im Wahlkampf, der kurz, aber heftig ist. Beide Landratskandidaten stellen sich drei Diskussionen mit der Saarbrücker Zeitung. Auftakt war am Donnerstag in der mit 400 Leuten voll besetzten Lebacher Stadthalle.Selten zielten die beiden Kontrahenten direkt aufeinander: So, wie bei der Seniorenpolitik. Hartz berichtete von einem Herren, die sich im Alter fürs Wohnen in Ensdorf entschieden habe. Weil er dort eine Wohnung mit Bushaltestelle vor der Tür bekommen habe. Lauer: "Ob sich Seniorenpolitik allein von der Bushaltestelle vor der Tür abhängig machen lässt, weiß ich nicht."

Der eher geringe gestalterische Spielraum eines Landrates, begrenzt von Kreistag, Bürgermeistern und Pflichtaufgaben, verhinderte beim Thema des ersten Duells, der Sozialpolitik des Kreises, allzu starke Kontraste. Die von den Kommunen zum Kreis gewanderten Sozialämter und die Jugendhilfe stehen da im Zentrum. Rund drei Viertel seines 200-Millionen-Etats verwendet der Kreis für Sozialaufgaben.

Wie von den hohen Kosten für Jugendhilfe runterkommen?, fragte der Moderator, SZ-Regionalleiter Mathias Winters. Hartz: "Es geht doch darum, Menschen zu helfen. In der Jugendhilfe kann man doch nicht immer bloß von Kosten reden. Ich kann das nicht mehr hören." Jugendhilfe sei Hilfe zur Selbsthilfe, damit junge Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen könnten "und künftig nicht mehr angewiesen sind auf staatliche Leistungen".

Lauer unterstrich: Zwei Drittel der Kosten der Jugendhilfe entfielen auf die reguläre Finanzierung von Leistungen wie Kindergärten und Krippen. "In Kindergärten erreicht der Deckungsgrad 25 Prozent", den Rest bezahle die öffentliche Hand. Nur ein Drittel der Jugendhilfe-Mittel aber entfalle auf das, was in der Öffentlichkeit unter dem Begriff verstanden werde: auf Hilfen zur Erziehung. "Das sind im Kreis 19 Millionen Euro." Dieser Betrag könne nur "auf einem langen Weg verringert werden", nämlich durch Investitionen in Betreuung in Kindertagesstätten und Schulen.

Lauer wie Hartz betrachten neue Arbeitsplätze als Königsweg, um Kosten im Sozialbereich zu sparen. Hartz sieht dafür "enorme Möglichkeiten im Landkreis". Lauer hielt fest, der Kreis Saarlouis sei industriell geprägt: "Das bedeutet nicht nur viele Arbeitsplätze, sondern gut bezahlte Arbeitsplätze". Wichtig, denn die Beschäftigten sollten ja auch von ihrer Arbeit leben können.

Hanne Wendorf aus Dillingen fragte, was Lauer und Hartz zur besseren Vereinbarkeit von Schule und Beruf tun wollten. Beide sagten an: Es brauche mehr Standorte für Kindergärten nach dem Vorbild der "Kita Kinderland" in Saarwellingen. In dieser Kreiseinrichtung ist Kinderbetreuung länger und flexibler möglich als in den meisten anderen Kindergärten. Für Lauer gar eine "Leitinvestition des Kreises, für mich die einzige der letzten Jahre".

Komplette Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden wird nach Auffassung beider Politiker nicht bis 2014 erreicht sein. Das sieht eine UN-Konvention eigentlich so vor. Lauer wie Hartz forderten einen längerfristigen "Fahrplan". Lauer: Müssten die Kommunen Barrierefreiheit definitiv bis 2014 umsetzen, "fliegt uns der Laden finanziell um die Ohren".

Beim Thema Seniorenpolitik betonte Hartz, ein neuer Landrat fange in der Seniorenarbeit des Kreises "nicht bei Null" an. Gerade in den Kommunen "wird richtig gute Seniorenarbeit gemacht". Lauer dagegen: "Eine wahrnehmbare Seniorenarbeit des Kreises ist nicht mehr feststellbar." Er empfahl eine "Wiederbelebung der Leitstelle Älterwerden" und ein Modellprojekt zum Leben mehrerer Generationen in einer Wohnsiedlung. Jung und Alt könnten in vielen Bereichen von ihren Fähigkeit profitieren. Zum Beispiel indem Ältere die Pflegekräfte entlasten helfen. Oder Lern-Patenschaften für Schüler übernehmen. Lauer: "Nicht jeder Ältere findet seine Erfüllung im Shoppen oder der Briefmarkensammlung."

Vera Müller aus Lebach fand es nicht gut, dass auf Nalbacher Seite gleich am Rand der Knorscheider Bebauung Windräder entstehen. Wer vermitteln könne. Lauer: Nalbach stehe zwar hinter dem Projekt, habe aber nichts mitzureden. Das Land habe das Gelände als Fläche für Windenergie ausgewiesen. Hartz konnte den Konflikt nachvollziehen, aber: Irgendwoher müsse Energie kommen. Bei Windenergie fehle es an genügend Aufklärung, um Akzeptanz zu finden. Hartz wandte sich gegen eine "Verhinderungstaktik an allen Stellen."

Zwei Duelle werden folgen, eins in Dillingen (12. Januar), eins in Saarlouis (16. Januar).