Kostenpflichtiger Inhalt: Rathaussturm : Die Bürgermeister hatten keine Chance

In Lebach, Ensdorf, Bous und Nalbach haben die Narren die Macht übernommen und die Köpfe der Verwaltung in Urlaub geschickt.

Erst seit wenigen Monaten im Amt, ist Ensdorf Bürgermeister Jörg Wilhelmy seinen Rathausschlüssel auch schon wieder los. Nur kurz war am Fetten Donnerstag die Gegenwehr des neuen Gemeindechefs. Nachdem bereits um elf Uhr die närrischen Astronautenscharen des Ensdorfer Kinderhortes unter Leitung von Jugendpfleger Wolfgang Portz mit Blaulicht der Polizei sowie den Pauken und Trompeten des Fanfarenzuges Ensdorf angerückt waren, flüchtete er sich mit seinen Verteidigern aus dem Rathaus und dem Gemeinderat auf den Balkon, gab sich dann aber nach einem kurzen Wortgefecht schnell geschlagen. Freiwillig verließ er bereits elf Minuten nach 11 Uhr 11 das Rathaus, um sich von den kleinen Faasebozen die Rakete auf den Buckel schnallen zu lassen, mit der er zum Mond geschossen werden sollte. Diese verfehlte aber anscheinend ihr Ziel, denn er schlug nur wenige Minuten später im benachbarten Bergmannsheim auf, wo noch lange der erste Rathaussturm seit Jahren gebührend gefeiert wurde. Hier sorgten nicht nur das Musik-Duo „Fire-Light“, sondern auch die „Country-Liners“ und die Line-Dance-Gruppe des Kneippvereins Ensdorf, Karin Montag mit ihrem Narrengruß sowie die Betreuer des Seniorenhauses St. Augustin mit ihrem Senioren-Lambada für beste Stimmung.

Noch einmal gaben Oberst Meyer und Major Kränzke letzte Anweisungen an ihre Kameraden. Traditionell, erklärte Meyer, eigentlich in Zweibrücken stationiert, sind die Mitglieder der Bundeswehr in Lebach dafür zuständig, dass die Narren am Fetten Donnerstag keinen Zugang zum Rathaus erhalten. Sehr professionell wirkten die Herren und Damen mit ihren Stöcken und Holzgewehren allerdings nicht. „Wir werden in diesem Jahr ganz dicht stehen und nicht weichen. Wenn allerdings die Kindergarde kommt, dann garantiere ich für nichts“, verriet der Oberst kurz vor dem Eintreffen des feindlichen Narrenlagers. Von hoch oben aus beobachtete derweil Bürgermeister Klauspeter Brill das Geschehen. „Ihr Narre, was wolle ihr dann schon wieder hier?“, fragte er in die angriffswütige Masse aus Prinzenpaaren, Gardemädchen und Lebacher Narrenvolk. Alles gute Zureden der Vertreter des CVL, Harald Winter und Benjamin Kiepurning, schien nichts zu nutzen, nach zwei vergeblichen Stürmen durch den Elferrat und die Funken gab es für die Narren kein Halten mehr, der Angriff der Kinder unter lauten „Wir stürmen das Rathaus“ Rufen schlug schließlich die Wachen in die Flucht. Schnell waren die Handschellen angelegt, Bürgermeister Brill ergab sich schließlich gerne und den Schlüssel an das Prinzenpaar. „Das do macht kenn Sinn, die Kass ist leer, kein Geld mehr für einen Kasten Bier ist drin“, verkündete er. Doch Prinzenpaar Patricia I. und Peter III. sowie das Kinderprinzenpaar Fabienne I. und Tim I. übernahmen schunkelnd und singend die Macht. Mitgebracht hatten die Tollitäten ihre ganz eigenen Regeln, nach denen das Leben in Lebach bis Aschermittwoch von Konfetti und Da Je bestimmt wird. Zur Sicherheit hatte Prinz Peter einen Helm mitgebracht, denn das Rathaus, daraus machte auch Brill keinen Hehl, hätte eine Rundumkur verdient. Vielleicht, so seine Hoffnung, schaffen dies ja die Narren und an Aschermittwoch „strahlt und glänzt unser Rathaus in Gold!“

Auch die Macht in Bous ist am Fetten Donnerstag am Nachmittag in Narrenhand gefallen. Bürgermeister Stefan Louis hatte sich bereits mittags im Cowboy-Gewand mit seinen Western-Mädels in den Petri-Hof geflüchtet. Aber genau darauf hatten die vereinigten Narrenscharen der KG Hampitania sowie aus den Bouser Kitas nur gewartet: Trotz Baustellen und neuer Wegführung sammelten sie sich an der Schule, um dann gemeinsam zum Versteck von Obercowboy Stefan Louis zu marschieren. Angeführt von Elferrat und Garden riefen die Kinderprinzenpaare Muhamed I. und Milana I. aus dem Kinderhaus, Hajdar I. und Michalina I. aus der Freiwilligen Ganztagsschule sowie Milan I. und Ida I. aus dem Kindergarten St. Raphael, unterstützt und angetrieben vom Hampitania-Regentenpaar Jürgen I. und Susanne I. und deren Soldaten zum Sturm auf den Petrihof. Da nutzten Bürgermeister Louis weder Colt noch Karateausbildung etwas, die Kapitulation war der einzige Ausweg. Zusammen mit den Siegern feierte er anschließend die Machtübernahme durch die närrischen Heerscharen.

Hoch oben vom Nalbacher Rathaus verteidigte Scheich Peter Lehnert sein Rathaus vor der angerückten Narrenschar vom Heimat und Verkehrsverein Litermont nebst Gemeindegarde und dem KV Faasendbozen Nalbach. Foto: lx
Seine Rede rettet Bürgermeister Jörg Wilhelmy auch nicht. Bis Aschermittwoch hat er im Ensdorfer Rathaus nichts mehr zu melden. Foto: Ruppenthal
Lebachs Bürgermeister Klauspeter Brill wurden von den Gardemädchen schnell die Handschellen angelegt. Foto: Carolin Merkel. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Cowboy und Karate-Kid Stefan Louis (mit nicht wirklich überzeugendem Sheriffstern) ist clever genug, sich der Narrenschar zu er- und den Bouser Rathausschlüssel zu übergeben. Foto: Ruppenthal

Die Gegenwehr war heftig. Hoch oben vom Rathaus in Nalbach wehrte der Rathaus-Scheich Peter Lehnert hartnäckig die wortreichen Angriffe der angerückten Narrenschar vom Heimat und Verkehrsverein (HVV) Litermont nebst Gemeindegarde und Nalbacher Faasendbozen lange ab. „Ich bin Kuweite unn nit Pleite“, rief der Scheich auf die Narrenschar herab. Wortführer der Narren war Carsten Gall vom HVV, der seine Forderungen dem Scheich entgegenrief. Zwar sei man froh, dass endlich wieder ein Rathaussturm stattfinde, jedoch zur falschen Zeit. „Wir wollen einen Rathaussturm zur närrischen Zeit um 11.11 Uhr und nicht zum Schichtwechsel bei Ford und auf der Hütt‘“, so Gall unter dem Applaus der Narren. Den Scheich hoch droben kümmert’s nicht. Stattdessen versucht er das Volk mit Kamellen zu bestechen. Auch die Forderung nach einem Festplatz ohne Auflagen für die Vereine oder erweiterte Öffnungszeiten für den Nalbacher Turnverein, schmettert er gesanglich ab und fragt lauthals: „Wer soll das bezahlen?“ Das Volk solle gefälligst sein Öl kaufen und nicht mit Elektroautos herumfahren. „Ihr Umweltdeppen!“, schimpft Scheich Lehnert von den Rathausmauern. Und weiter: „Ich will nimme sparen, ich will einen Harem!“ Das reichte. Der nicht so reiche Scheich wurde schließlich von den angerückten Narren abgeführt, die nun bis Aschermittwoch das Zepter im Rathaus schwingen werden.