| 20:35 Uhr

Glückauf im Wandel
RAG will auf die Saarländer zugehen

Auf dem Podium ging Uwe Penth, RAG-Regionalbeauftragter Saar, auch auf die Grubenwasser-Problematik ein.
Auf dem Podium ging Uwe Penth, RAG-Regionalbeauftragter Saar, auch auf die Grubenwasser-Problematik ein. FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Ensdorf. Zu einem Dialog über die Nachbergbau-Ära im Saarland hatte die RAG in ihre Ensdorfer Repräsentanz eingeladen.

„Glückauf im Wandel – Die Natur kehrt zurück“, unter diesem Motto hatte die RAG 120 Gäste in die RAG-Repräsentanz nach Ensdorf eingeladen. Im Mittelpunkt des Abends stand dabei ein Dialog zur Nachbergbau-Ära im Saarland. Für den angekündigten Umweltminister Reinhold Jost hatte sich kurzfristig Umwelt-Staatssekretär Roland Krämer auf den Weg gemacht.


Zur Einstimmung gab es zunächst einen kurzen Film. Die Protagonisten: Das Saarpolygon und die Wassergärten – die größten Wandlungen, die im Saarland bisher auf RAG-Gelände nach dem Ende des Bergbaus im Jahr 2012 passiert sind.

Offiziell begrüßt wurden die Zuhörer von Uwe Penth, RAG-Regionalbeauftragter Saar. Er betonte, dass zu den Aufgaben des Konzerns auch die Verantwortung beim Thema Grubenwasserhaltung gehöre. Derzeit, erläuterte er, werden an fünf Standorten 18 Millionen Kubikmeter Wasser über Tage gepumpt. „Ökologisch und ökonomisch ist das ohne Prüfung der Notwendigkeit im Hinblick auf die nachfolgenden Generationen nicht vertretbar“, sagte er. Gerne, betonte er, werde die RAG auf die Saarländer zugehen, im Bereich Grubenwasser ebenso wie im Bereich der Folgenutzung der Flächen nach dem Bergbauende.



Dass das auf ganz unterschiedliche Weise passieren kann, erläuterte Markus Masuth, Vorsitzender der Geschäftsführung der RAG Montan Immobilien. Von der Ansiedlung neuer Gewerbeflächen über die Wohnbebauung und der Nutzung für Wind- und Solaranlagen sei auch die Renaturierung ein wichtiges Feld, sagte Masuth.

Für Ulrich Heintz, Geschäftsführer der LIK Nord, zugleich Landesvorsitzender des Nabu, zeigt sich, wie er erläuterte, an vielen Stellen die Vereinbarkeit von ehemaliger Industriefläche und Naturschutz. Wobei, das ließ er nicht unerwähnt, sowohl der Faktor Zufall als auch immer wieder Eingriffe in die Natur wichtig seien, die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. Das „Erbe des Bergbaus“, sagte er, nehme er gerne an. Der entstandene Artenreichtum und die Ansiedlung ganz besonderer Arten, die sich neu entstehende Lebensräume erobern, seien nur zwei Argumente.

Gar nicht so schlecht stehe das Saarland da, betonte Roland Krämer anschließend in seinem Vortrag. Mit der Nachnutzung ehemaliger Flächen für Tourismus oder Naturschutz sei man einen guten Schritt weitergekommen. „Wir dürfen bei all dem nicht vergessen, es handelt sich bei uns immer um Kulturlandschaften, die durch den Eingriff des Menschen entstanden sind“, sagte er in Ensdorf.

Die Veränderung in der Herangehensweise erläuterte Rudolf Krumm, Prokurist der RAG Montan Immobilen. So habe man in den 1990er Jahren sich noch verpflichtet, die Flächen zu begrünen. „Davon ist man abgekommen. Denn gerade auf den kargen, grauen Halden haben sich Sonnenanbeter und Hungerkünstler ihren Lebensraum erobert“, sagte er. Bei einer Sanierung, ergänzte Martin Strauß, Geschäftsführer der Landschaftsagentur Plus, sei sein Team immer gefordert, genau hinzuschauen und eventuelle Umsiedlungen vorzunehmen.

Einen Einblick in die Planungen der LIK Nord hatte Heintz mitgebracht, ein Beweidungsprojekt, der Erhalt „phantastischer Wiesen“, all das sei möglich. Auch auf dem Gelände der Grube Duhamel, sagte Krumm, habe man viel vor. So sollen Unternehmen angesiedelt und Arbeitsplätze geschaffen werden. Es gilt, 75 Hektar Fläche mit Halde und Absinkweiher zu entwickeln.

Michael Friemel vom Saarländischen Rundfunk, der den Dialog moderierte, hatte eine, wie er sagte „verrückte“ Idee auf der Halde in Ensdorf gefunden. Den Ensdorfer Sonnenflöz, der bereits seit 1968 von Bergleuten, die sich dem Weinbau als Hobby verschrieben haben, angebaut wird, gab es bei der Veranstaltung in kleinen Schlückchen zu probieren.

Weitere Informationen zum Thema Nachbergbau an der Saar gibt es in der RAG-Repräsentanz an der Saar in der Provinzialstraße 1 in Ensdorf. Hier ist außerdem täglich die Ausstellung „Bergbau – Unser Erbe“ von 10 bis 16 Uhr zu sehen.

(cim)