Mann aus Ensdorf baut Tropfsteinhöhle à la Ludwig II.

Wie im Märchenschloss : Ein Stückchen Märchenschloss in Ensdorf

Der 63 Jahre alte Harald Schneider ist ein König-Ludwig-Fan durch und durch. Wer ihn besucht, erlebt es hautnah.

Schon seit mehr als einem Jahrzehnt baut der frühere Bergmann Harald Schneider an seinem Traum. Der Traum ist, so viel wie möglich von dem sagenumwobenen Bayernkönig Ludwig II. in seinem Ensdorfer Anwesen zu adaptieren. Vieles hat er schon um- und angebaut, auch unsere Zeitung berichtete ausführlich davon. Prachtvoll sieht das Haus von Rosi und Harald Schneider in Ensdorf aus, mit den kunstvoll umrandeten Fenstern, dem prächtigen Blumenschmuck vor dem Gebäude, und – ganz besonders beeindruckend – das Trompe-l’œil (die illusionistische Malerei) eines haushohen Theatervorhanges, der links und rechts das Gebäude begrenzt.

Nun hat Harald Schneider einen weiteren Schritt in Richtung Vollendung des Gesamtkunstwerkes „Märchenschloss“ abgeschlossen. Über drei Stockwerke hat er in mehreren Monaten intensiver „Knoddelawet“ eine Art Tropfsteinhöhle gebaut. Zwar stehen oder hängen weder Stalagmiten noch Stalaktiten herum, „da kämen wir ja die Treppe nicht mehr rauf“, aber das Material stimmt, Muschelkalk.

Tagelang ist er in der lothringischen und Saarlouiser Gaulandschaft umhergewandert, mit Hammer und Handfeger, um die passenden Findlinge auszugraben, am besten noch mit versteinerten Fossilien.

Wenn für die Steine der richtige Platz im Treppenhaus gefunden war, wurden sie befestigt, teilweise geklebt. Die schwereren Brocken schraubte Schneider an die Wand. Vorbild für sein neuestes Unterfangen war, wie sollte es auch anders sein, die künstliche Tropfsteinhöhle im Schloss Neuschwanstein von König Ludwig II. Der Bühnenbildner August Dirigl schuf diese wundersame Welt im Auftrag seines Königs, die farbig beleuchtet werden konnte. Auch Schneiders „Tropfsteinhöhle“ wird bunt beleuchtet, blau, rot und grün im Wechsel.

Noch ist Harald Schneider nicht am Ende seines Projektes. Aber, das hat der 63 Jahre alte König-Ludwig-Kenner jetzt verkündet, der übrigens vor Jahr und Tag die 500 Kilometer von Ensdorf bis zum Schloss Neuschwanstein wanderte: Nach der Vollendung des Nachbaus des „Königshaus am Schachen“ im Wettersteingebirge soll dann doch Schluss sein: „Man wird ja nicht jünger.“ Das ambitionierte Projekt ist demnach baulicher Höhe- und Schlusspunkt einer ganz besonderen Hinwendung zum „Märchenkönig“ Ludwig II. mit seinen Schlössern und Burgen, die das Bayerische Königreich fast in den Ruin getrieben haben. So weit lässt es Schneider natürlich nicht kommen, „vorher schreitet meine Rosi ein“.

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