"Man muss mit der Jugend gehen"

"Man muss mit der Jugend gehen"

Ensdorf. Zwischen Armut zur Flüchtlingszeit während den Weltkriegen, der Arbeit als Friseurin in Güsten, luftigen Fahrten im Motorradbeiwagen und dem Genuss von Reisen an die geliebte Mosel oder von Konzerten André Rieus: Zu ihrem 101. Geburtstag am heutigen Dienstag schwelgt Erna Müller in Erinnerungen an die Hochs und Tiefs ihres langen Lebens

Ensdorf. Zwischen Armut zur Flüchtlingszeit während den Weltkriegen, der Arbeit als Friseurin in Güsten, luftigen Fahrten im Motorradbeiwagen und dem Genuss von Reisen an die geliebte Mosel oder von Konzerten André Rieus: Zu ihrem 101. Geburtstag am heutigen Dienstag schwelgt Erna Müller in Erinnerungen an die Hochs und Tiefs ihres langen Lebens. Die Wahl-Ensdorferin war 1950 ins Saarland gekommen und bereichert ihre Familie dort dank ihres guten Erinnerungsvermögens bis heute mit Anekdoten aus all ihren Lebensphasen.

Vor allem für ihren Urenkel Timon ist sie etwas Besonderes: Der 14-Jährige hat jetzt zwei Urgroßmütter, die das 101. Lebensjahr vollendet haben: Margarethe Kleinschmidt, Timons Urgroßmutter mütterlicherseits, hatte am 26. Juli ihren 101. Geburtstag gefeiert. Sie lebt seit 1951 in Südafrika. "In meiner Klasse bin ich der Einzige, der überhaupt noch eine Urgroßmutter hat", sagt er.

Noch immer ist Erna Müller Mitglied der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und der SPD, und sie unterstützt Hilfsprojekte für bedürftige Kinder.

Auch ihr engster Kreis ist ihr wichtig: "Sie gibt viele weise Ratschläge und nützliche Tipps", erzählt Siegfried Both, der 53-jährige Enkel. Auch Timon hat festgestellt: "Sie hat meistens Recht." Einen Generationenkonflikt gibt es in der Familie nicht: "Sie ist sehr modern, geht stets mit der Zeit und sehnt sich nicht nach Vergangenem", stellt Schwiegersohn Werner Both fest. "Ich will mich nicht isolieren, sondern mich der Gesellschaft anschließen", bestätigt Erna Müller, "man muss mit der Jugend gehen, vor allem mit deren Einsichten."

"Ich bin sehr glücklich mit meiner Familie", sagt Erna Müller, die sich zu Hause gut aufgehoben und wohl fühlt, obgleich sie seit sieben Jahren verwitwet ist, nachdem ihr Mann im Alter von 89 Jahren verstorben war.

Wie ist es, wenn man die meisten gleichaltrigen Nachbarn und Bekannten überlebt? "Traurig, aber man muss sich eben damit abfinden", lautet Erna Müllers Antwort - offenbar ein Rezept, um zufrieden alt zu werden. kj