Land erobert ohne Feldzug

Über 160 Jahre alt war die Grenze zwischen Ensdorf und Saarlouis im Areal um die Grube Ensdorf mit dem Schacht Duhamel. Die wird jetzt neu gezogen – ganz friedlich und von beiden Kommunen bejubelt.

Grenzen verändern? Das hat gerade in dieser Region und angesichts der saarländischen Geschichte keinen guten Klang. Wer an neue Grenzen denkt, muss an Kriege denken, an Sieger und Besiegte. Ober sollte es doch andere Beispiele geben? Eine neue Definition von benachbarten Stadt- und Gemeindegebieten, ohne dass ein Schuss gefallen ist, und vor allem mit zwei Beteiligten, die auf der Siegerseite stehen?

Ensdorf und Saarlouis schreiben jetzt eine solche Geschichte. Die beiden Sieger sind Saarlouis' Oberbürgermeister Roland Henz und Ensdorfs Bürgermeister Hartwin Faust . Nicht als Feldherren mussten sie sich hervortun. Sie haben sich zusammengesetzt, wie Faust sagt, "erfreulich einvernehmlich" miteinander gesprochen und die "beste Lösung für beide Seiten" gefunden. Henz nennt den Vorgang "ein Paradebeispiel interkommunaler Zusammenarbeit", "genauso ist es", bestätigt Faust.
Als wären es Brückenköpfe

Der bisherige, seit über 160 Jahren gültige Grenzverlauf zwischen Ensdorf und Saarlouis an der Saar Höhe Lisdorf und südwestlich Fraulautern zur Grube Ensdorf ließe beide Kommunen jeweils stückweise in das Gebiet der anderen hineinragen, als hätten einst Strategen Brückenköpfe einrichten wollen. Das hat, wie beide Seiten versichern, im Falle von baurechtlich erforderlichen Abstimmungen nie zu Streit geführt. Aber das ist angesichts zweier wichtiger Projekte der Punkt: Immer war es nötig, sich abzustimmen.

Für Saarlouis ist es der Ostring, der deutliche Verkehrsentlastung für alle umliegenden Orte, besonders für Fraulautern, und einen Lückenschluss der überörtlichen Anbindung an die Autobahn A 8 über die B 51 bringen soll. Für Ensdorf ist die Entwicklung einer Folgenutzung des Bergwerks Saar, also der Grube Ensdorf mit dem Schacht Duhamel.

Faust und Henz sagen es übereinstimmend: Stets ist es gelungen, Fragen des Baurechts einvernehmlich zu klären. Aber der große Vorteil der veränderten Grenzen ist, dass beide ihre Projekte eigenständig entwickeln können, ohne bei jedem Schritt beide Verwaltungen, beide Bauausschüsse und beide Räte beteiligen zu müssen.
Eineinviertel Großer Markt

Und in welchen Dimensionen bewegt sich der Gebietstausch? 62 149 Quadratmeter gehen an Saarlouis (wovon übrigens fast die Hälfte Wasserfläche der Saar ist). 49 387 Quadratmeter gehen an Ensdorf, das mit der zahlenmäßigen Differenz gut leben kann, weil es sich bei den Duhamel-Teilstücken um hochwertige Gewerbefläche handelt. Zum Vergleich sei statt der viel zitierten Fußballfelder passender der Große Markt in Saarlouis herangezogen: Der hat 10 000 Quadratmeter. Ensdorf verliert also unterm Strich gut eineinviertel Großen Markt Gemeindegebiet.

Nein, kein Verlieren hier wie dort, versichern Faust und Henz ihren Gremien. "Ich hoffe, in zwei Jahren gibt es die ersten Ansiedlungen", sagt Ensdorfs Bürgermeister zur Duhamel-Entwicklung. Wer dort hinfährt, soll dafür möglichst bald den neuen Ostring benutzen können.