Kinderglück in Kriegszeiten

Alte Menschen, die in ein Heim umziehen, bringen oft Lieblingsfotos aus ihrem langen Leben mit. Darüber erzählen sie in der SZ-Serie. Heute: Margareta Schwarz. Sie lebt im Seniorenhaus St. Augustin in Ensdorf.

 Margareta Schwarz lebt heute im Seniorenhaus St. Augustin in Ensdorf. Foto: Hartmann Jenal
Margareta Schwarz lebt heute im Seniorenhaus St. Augustin in Ensdorf. Foto: Hartmann Jenal Foto: Hartmann Jenal

Margareta Schwarz ist Jahrgang 1916, wird am 4. Dezember 100 Jahre alt. Und dieses Jahrhundert hat die Seniorin, die im Seniorenhaus St. Augustin in Ensdorf lebt, ausschließlich in ihrer Heimatgemeinde verbracht. Auch das Foto, das sie uns zeigt, ist in Ensdorf aufgenommen, genauer gesagt im Hof der Bäckerei ihrer Eltern.

Zu sehen sind darauf zwei lustige kleine Buben in einem Kinderwagen. Damals konnten die beiden Kinder nicht wissen, dass sie das gleiche Schicksal ereilen würde. Denn nicht nur Margaretas Mann Josef, der Vater von Gerd, links auf dem Foto, sondern auch Gerhard Heinrichs Vater, der Bruder von Margareta Schwarz, ist im Krieg gefallen. Früh ist sie Witwe geworden, war mit ihrem Sohn Gerd aber zum Glück nicht allein.

"Ich war sehr froh, dass ich bei meinen Eltern unterkommen konnte. Sie hatten die Bäckerei, ich half, wo ich konnte, der Laden entwickelte sich zur Anlaufstelle für die Familie", erinnert sie sich. Auch nach dem Tod der Eltern hat sie den Laden, inzwischen als Lebensmittelgeschäft, weitergeführt. "Mit 71 Jahren habe ich dann, als die ersten großen Einkaufsmärkte kamen, geschlossen. Das hat sich einfach nicht mehr rentiert", erzählt sie.

Vor allem die beiden Cousins Gerd und Gerhard, beide Jahrgang 1940, haben, wie sie erzählt, in der Bäckerei eine richtig unbeschwerte Kinderzeit genossen. "Leider zog meine Schwägerin nach Roden um, Gerhard kam dort zur Schule". Doch das Verhältnis zu ihrem Neffen, der so keck in die Kamera schaut, ist bis heute innig. Regelmäßig besucht der 76-jährige seine Tante in der Einrichtung in Ensdorf . "Ich habe nicht mehr geheiratet, war immer für die Kinder da, vielleicht sind sie deshalb heute gut zu mir", sagt Margareta Schwarz.

Tränen steigen ihr in die Augen, wenn sie von ihrem Sohn Gerd erzählt. "Wissen sie, es ist traurig, wenn einem der Mann genommen wird. Aber wenn das einzige Kind stirbt, das ist das schlimmste, was passieren kann", sagt sie. Ihr Sohn ist im Alter von 55 Jahren im Jahr 1996 ganz plötzlich gestorben. "Das war ein echtes Schicksalsjahr, denn auch meine Schwester ist in dem Jahr mit 75 Jahren gestorben", erzählt sie.

Ganz stolz ist sie übrigens auf ihren Ausblick aus dem Zimmerfenster direkt auf die Bergehalde. "Warten sie, ich habe ein Foto, da ist die Kipp noch ganz klein", sagt sie und kramt ein Foto heraus, das sie als junges Mädchen mit ihren Freundinnen vor der noch sehr überschaubaren Bergehalde Ende der 1930erJahre zeigt - eine echte Ensdorferin eben.