Hundehalter missachten Leinenzwang und Wildtiere sterben

Hunde töten Wildtiere : Freilaufende Hunde töten Rehe in Ensdorf

„Die Leinenpflicht muss eingehalten werden!“ Dazu fordert der Naturschutzbeauftragte von Ensdorf dringend alle Hundehalter auf.

An Ostersonntag wurde eine trächtige Rehgeiß in Ensdorf an der B 51 Anschlussstelle Kraftwerk/Stöckerweg aus der Saaraue heraus gehetzt und auf der Straße tot gebissen. Mit der Rehgeiß starben ihre zwei ungeborenen Kitze, die Ende Mai auf die Welt gekommen wären.

Auf dieses grausige Ereignis kommt Meiko Balthasar, Naturschutzbeauftragter der Gemeinde Ensdorf, jetzt in einer Pressemitteilung zurück. Um solche Vorkommnisse zu verhindern, gilt abseits von festen Wegen während der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit im Saarland eine allgemeine Leinenpflicht. „Leider ignorieren etliche Hundehalter diese Leinenpflicht, die zum Schutz der Wildtiere erlassen wurde“, beklagt Balthasar, weil ihr Hund „so was ja nicht macht“, wie viele Hundehalter überzeugt sind.

„Wenn ich uneinsichtige Hundehalter höflich auf die Leinenpflicht hinweise, ernte ich meist ein ignorierendes Schulterzucken und die Antwort ‚Mein Hund hört‘“, berichtet der Naturschutzbeauftragte. „Dabei blenden die Hundebesitzer aus, dass ein Hund ein Raubtier ist, mit dem der angeborene Jagdtrieb bei Anblick oder dem Geruch von Wildtieren durchgehen kann.“ Auch kleine Hunde, die Rehen nicht gefährlich werden können, müssen an die Leine. Diese können die Gelege und die Brut von bodenbrütenden (Wasser-)Vögeln ganz einfach zerstören.

Der oben beschriebene Vorfall ist nicht der erste dieser Art. Bereits vor einigen Wochen wurde in diesem Bereich ein von einem Hund tot gebissenes Reh gefunden. Im damaligen Fall konnte der Hundebesitzer nicht ermittelt werden. Anders bei dem Vorfall an Ostersonntag. Ein aufmerksamer anderer Hundebesitzer beobachtete den Vorfall und konnte Fotos machen, so dass die Polizei den Hundebesitzer ermitteln konnte. Auf diesen wartet nun ein Strafverfahren wegen schwerer Wilderei und ein hohes Bußgeld wegen Verstoßes gegen die Leinenpflicht. Hinzu kommt, dass das Ordnungsamt in solchen Fällen eine permanente Leinen- und Maulkorbpflicht auferlegt.

Balthasar: „Wenn zwei solcher Fälle bekannt werden, möchte ich über die Dunkelziffer nicht spekulieren. Auffallend ist auch, dass in den letzten Wochen dort an der B 51 mehrere Rehe tot gefahren wurden, was in diesem Bereich unüblich ist. Es ist zwar auch Spekulation, aber ich bin davon überzeugt, dass diese Rehe von frei laufenden Hunden aufgestöbert wurden, ihr Heil in der Flucht suchten und überfahren wurden.“ Hunde wildern oft unbemerkt von ihren Besitzer. „Der war ja nur mal kurz weg im Gestrüpp“, lautet dann oft die Ausrede der Hundebesitzer.

So auch am Abend des 4. Mai. Ein anderer Hundehalter beobachtete dabei, wie eine trächtige Rehgeiß von zwei Hunden über die Wiese an der Schleuse in Ensdorf gehetzt wurde. Es gelang ihm glücklicherweise, die Hunde zu vertreiben, indem er entschlossen dazwischen ging. Ansonsten hätten die Hunde spätestens am für die trächtige Rehgeiß unüberwindlichen Kraftwerkszaun diese erreicht. Die Hundehalterinnen, die sich mehrere hundert Meter entfernt auf dem Leinpfad befanden, hatten die Hunde „nur mal kurz los gemacht…“, in der Überzeugung „Der tut ja nix“. Beide erwartet nun auch ein Bußgeld.

Balthasar unterstreicht es doppelt: Paragraph 33 (2) des saarländischen Jagdgesetzes legt fest, dass vom 1. März bis 30. Juni zum Schutz der Wildtiere während deren Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit Hunde außerhalb eingefriedeter, das heißt eingezäunter Flächen, angeleint sein müssen, es sei denn, dass sie den Bereich des Weges zuverlässig nicht verlassen.

„Das Wort ‚zuverlässig‘ ist der Knackpunkt bei dieser Regelung“ weiß der Ensdorfer Naturschutzbeauftragte, „weil das bei den manchen unangeleinten Hunden nicht funktioniert.“ Die vom Gesetzgeber festgelegte Leinenpflicht sei zwar gut gemeint, sei aber „ein zahnloser Papiertiger“. Die meisten Hundebesitzer haben Verständnis dafür und respektieren die Leinenpflicht, einige wenige aber ignorieren sie. Balthasar: „Und die müssen in der Regel auch nicht mit Konsequenzen rechnen, da die Leinenpflicht von den Behörden nicht überwacht und Verstöße auch kaum geahndet werden.“ Theoretisch könne zwar eine Anzeige beim Landesamt für Umwelt und Arbeitssicherheit erstattet werden, aber hierfür müssten zuerst einmal die Personalien der Hundebesitzer festgestellt werden. Und dann dauere es mehrere Monate bis das Landesamt ein Bußgeld verhängt.

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