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Gut gelaunt auf die nächste Etappe

Gut gelaunt auf die nächste Etappe

Im Organigramm des Landesrechnungshofs steht es schon: "Direktor beim RH Hartz". Ab 1. August beginnt Thomas Hartz diese Tätigkeit. Am 31. Juli endet der noch aktuelle Abschnitt seines Berufslebens: 16 Jahre Bürgermeister von Ensdorf.

Saarlouis. Ob er auf eine Tasse Kaffee in der Redaktion vorbeischauen möge? Die SZ würde ganz gerne mit ihm die vergangenen 16 Jahre als Bürgermeister in Ensdorf Revue passieren lassen und ein wenig über die Zukunft plaudern. Die Antwort von Thomas Hartz am Telefon ist typisch: "Es dürfen auch zwei Tassen sein."Also kommt er am Montagmorgen in die Saarlouiser Adlerstraße. Pünktlich natürlich, das war immer so. Hartz ist gut gelaunt - wie sich herausstellen wird, liegt das nicht nur daran, dass er Urlaub hat. "Ich freue mich auf die neue Aufgabe", sagt er. Klar, was soll er anderes sagen. Doch nein, es klingt überhaupt nicht nach Schönreden.

"Seit elf Monaten war mir klar, dass der 31. Juli mein letzter Tag als Ensdorfer Bürgermeister sein würde", erzählt er. Es hatte eigentlich der Posten des Landrats werden sollen danach, was bekanntlich nicht geklappt hat. Doch der 54-Jährige Jurist beteuert: "Ich habe kein Risiko gesehen." Dass er ab 1. August dieses Jahres arbeitslos werden würde, daran hat er keinem Gedanken verschwendet. Als Anwalt hätte er auch als Selbstständiger arbeiten können.

Doch jetzt fügt sich alles zu Hartz' großer Zufriedenheit. Er wird Leiter einer Abteilung (von fünf) des Landesrechnungshofs, Titel: Direktor am Rechnungshof, und damit eines von fünf Mitgliedern des Kollegiums aus Präsident, Vizepräsident und den drei Direktoren. Freimütig gesteht Hartz ein, dass er sich früher nicht pausenlos mit dem Tun und Lassen des Rechnungshofs beschäftigt hat. Städte und Gemeinden haben mit dieser Behörde kaum zu tun, deren Aufgaben Prüfung und Beratung der Landesregierung sowie Berichterstattung sind. Aber als er sich nun mit der Arbeit des Rechnungshofs vertraut gemacht hat, wuchsen der Reiz an der Aufgabe und die Vorfreude.

"Ernsthaft", entgegnet er dem ein wenig fragenden Blick. Die Ungebundenheit reizt ihn, zugegeben auch, dass er wie als Bürgermeister sein eigener Chef bleibt. Daran ändert das Kollegialprinzip nichts. Und das Gestalten? "Im Sinne von verbessern und ändern - ja", sagt Hartz. Der Rechnungshof habe zwar keine direkte Entscheidungskompetenz, seine Ratschläge, Tipps und Vorschläge hätten allerdings Gewicht. Nein, so spricht nicht einer, der sich saure Trauben süß redet.

Er weiß es außerdem zu schätzen, dass er mit über 50 Jahren die Chance hat, etwas Neues zu machen. "Ich bin danach gefragt worden, ob ich das Amt des Bürgermeisters mit Wehmut aufgebe", sagt Hartz. "ich habe geantwortet: nein. Und ich bleibe dabei. 16 erfüllte Jahre, da empfinde ich Dankbarkeit, keine Wehmut."

Der Übergang ist wie gemalt. 16 Jahre Bürgermeister in Ensdorf. Was waren - bitte spontan gesagt - die drei wichtigsten Dinge? Mit guten Mitarbeitern erreicht und der Gemeinde eine Vorreiterrolle gegeben betrifft die ersten beiden: Nachmittagsbetreuung für Schulkinder und die Fortentwicklung von einer Grünschnittsammelstelle zum Vorzeige-Wertstoffzentrum gemeinsam mit Bous und Schwalbach. Drittens: Ortsumgehung und Querspange, die zwar nicht die Gemeinde gebaut hat, zu deren Realisierung aber viel Hartz'scher Einsatz beigetragen hat. Richtig behagt ihm die Frage aber nicht: "16 Jahre lassen sich nicht auf drei Punkte reduzieren." Zugestanden, Ergänzung frei: "Es muss sicherlich nicht nur in Ensdorf darum gehen, die Infrastruktur so gut wie möglich zu erhalten. Schule, Turn- und Sporthalle, Schwimmbad - ich bin stolz, dass wir das geschafft haben."

Was hat nicht geklappt? "Der Kraftwerk-Neubau. Ich war bekanntlich dafür", erzählt Hartz. "Aber es war gut, die Bevölkerung befragt zu haben, und deren Entscheidung gegen den Neubau habe ich akzeptiert." Würde er heute etwas anders machen? Hartz schmunzelt tiefgründig. Er erinnert sich an hitzige Diskussionen auch in diesem Redaktionsbüro. "Ja", sagt er, "ich würde mich bei der RWE früher und stärker dafür einsetzen, die Bevölkerung in den Prozess einzubinden." Punkt zwei auf der Negativliste ist das Einkaufszentrum: "Ich wünschte, das hätte gebaut werden dürfen." Doch schon fallen ihm demgegenüber Nachträge für die Habenseite ein: Standort für Ruhland-Kallenborn zu werden oder (Hartz: "beachte, als schwarzer Bürgermeister mit der Awo") die Awo-Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.

 Thomas Hartz zu Gast in der Redaktion. Fotos: Heike Theobald
Thomas Hartz zu Gast in der Redaktion. Fotos: Heike Theobald

Hartz wird nach der Frage nach Projekten, die noch laufen und durchaus seine Handschrift tragen - etwa Krippe, Hochwasserschutzkonzept, Folgenutzung Bergwerk und Halde - einen Notizzettel hervorziehen. Ob er was vergessen hat? "Es gab eine Menge Sachen, da denkt man heute kaum noch dran, weil sie sich durchgesetzt haben. Wir waren zum Beispiel früh dran mit dem Bürgerbüro, das einmal am Samstag geöffnet wurde." Auf dem Zettel stehen noch einige Punkte. Aber: "Ich werde hier wie bei der Amtseinführung von meinem Nachfolger Hartwin Faust die Redezeit nicht überziehen." Typisch Hartz.