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Wald und Gewerbegebiet
Ensdorfer Grüne wollen Wald erhalten

Ensdorf. Eine Flyer-Aktion soll auf die geplante Rodung zugunsten des Gewerbegebiets Auf der Haid aufmerksam machen.

Arbeitsplätze kosten Wald. So sieht es in der Gemeinde Ensdorf aus, wenn die Planung zur Erweiterung des Gewerbegebietes Auf der Haid umgesetzt wird. Nicht einverstanden mit diesem Verlust an Natur sind die Grünen in Ensdorf. Sie kämpfen mit Flyern und Infostand darum, den Wald zu bewahren. Damit wandte sich der Vorsitzende des Grünen-Ortsverbandes, Thorsten Comtesse, an unsere Zeitung. Bislang gebe es um die 120 Unterschriften gegen die Waldvernichtung am Schwalbacher Berg, hieß es auf Nachfrage. Das sei Mischwald mit Eichen, Nadelhölzern und auch Sträuchern. Diese Bäume seien um die 50 Jahre alt.


Der umstrittene Bereich liegt südlich der L 139, zwischen Ensdorf und Schwalbach. Er schließt sich östlich an das Gewerbegebiet Auf der Haid an. Falle der Wald, steige die Belastung mit Lärm und Schadstoffen, betonen die Grünen. Und es gebe nur zwei Möglichkeiten der Zufahrt: aus Ensdorf Mitte über Am Schwalbacher Berg oder aus Schwalbach-Griesborn über die Viermännerwohung. „Betroffen wären der komplette Schwalbacher Berg in Ensdorf mit den Nebenstraßen und die Ensdorfer Straße in Schwalbach mit zusätzlichem Lkw-Verkehr.“ Darüber hinaus sei das Waldstück ein Wildwechsel. „Wenn die Verbindung zwischen Hasenberg und Rosselwald zerschnitten wird, werden möglicherweise die Wildschweine verstärkt nachts in die Gärten gehen.“ Davon wären nach Ansicht der Grünen direkt die Häuser der Viermännerwohnung betroffen und auf der anderen Seite der Wertstoffhof.

Seit Anfang 2018 „plant die Gemeinde Ensdorf die Abholzung einer zirka 2000 Quadratmeter großen Waldfläche“, teilte Comtesse mit. Im Flächennutzungsplan sei das gefährdete Gebiet für ein zukünftiges Landschaftsschutzgebiet gekennzeichnet und für Ausgleichsmaßnahmen ausgewiesen. Aber die Verwaltung und die anderen Parteien ignorierten das. Als Alternative verweisen die Ensdorfer Grünen auf das Kraftwerksgelände an der Saar. Das sei auch als Gewerbegebiet ausgewiesen.



Auf Anfrage teilte das Bauamt mit, „es wird angestrebt, das vorhandene Gewerbegebiet in östlicher Richtung entlang der L139 um ungefähr 5400 Quadaratmeter zu erweitern“. Das solle bereits ansässigen Gewerbebetrieben eine Ausweitung ermöglichen. Dafür müsse der bestehende Bebauungsplan von 1979 erweitert werden, parallel erfordere es eine Teiländerung des Flächennutzungsplans. Denn Teile der Erweiterungsfläche liegen in einer Zone, die dargestellt ist als geplante Fläche für Wald, für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft sowie für die Neuordnung eines Landschaftsschutzgebietes.

In den kommenden Wochen sollen Bauausschuss sowie Gemeinderat die Einleitung eines Verfahrens zur „zweiten Erweiterung des Gewerbegebiets An der Schwalbacher Straße“ mit parallel dazu verlaufender Teiländerung des Flächennutzungsplanes beschließen. Im Laufe des Verfahrens werde erarbeitet, welche ökologischen Ausgleichsmaßnahmen wie und wo vorzusehen sind. Das enthalte auch weitere mögliche Einflussfaktoren wie Verkehr und Wasserhaltung.

Die Grünen wollen den Schwalbacher Berg als ökologische Ausgleichsfläche und CO-2-Speicher erhalten. Ihre Bürgerinformation zielt darauf ab, dass die Menschen vor Ort „im Planungsverfahren ihre Rechte geltend machen können“.

(az)