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| 21:15 Uhr

Kraftwerk
Gestern Abend floss der letzte Strom

Ein historischer Tag, der 20. Dezember 2017: Letzte Schicht beim Kraftwerk Ensdorf. Gestern Abend ging eine Ära zu Ende.
Ein historischer Tag, der 20. Dezember 2017: Letzte Schicht beim Kraftwerk Ensdorf. Gestern Abend ging eine Ära zu Ende. FOTO: Ruppenthal
Ensdorf. Kohlekraftwerk Ensdorf wurde nach mehr als 50 Jahren stillgelegt – Gewerbebetriebe sollen auf dem Gelände angesiedelt werden. Von Carolin Merkel

Eine mehr als 50 Jahre währende Tradition ging gestern Abend eher still zu Ende. Auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung erklärte der Vorstand der VSE, dass in Anbetracht der Tatsache, dass die Stilllegung des Kraftwerks Ensdorf so kurz vor Weihnachten für die Mitarbeiter eine sehr emotionale Sache sei, wolle man an diesem Abend keine Presse zulassen.

Das erste Kraftwerk am Standort Ensdorf wurde 1961 von der VSE mit zwei Blöcken gebaut, ein weiterer Block folgte im Jahr 1972. Am 23. November 2006 wurde vom Betreiber bekannt gegeben, am Standort Ensdorf einen Steinkohlen­doppelblock mit einer elektrischen Leistung von 1600 Megawatt zu errichten. Für die Realisierung waren Investitionen von rund zwei Milliarden Euro vorgesehen. Die Inbetriebnahme sollte im Jahr 2012 erfolgen.

Schnell gründete sich die „Initiative Bürger für Klima- und Umweltschutz“, die massive Auswirkungen für die Umwelt der ganzen Region befürchtete. Der Widerstand wurde von vielen Seiten unterstützt. Erst kürzlich in der Ensdorfer Gemeinderatssitzung, als Vorstand Gabriël Clemens über die Fortentwicklung des Geländes zu einem Energie- und Ressourcenzentrum informierte, betonte er, dass man aus dem Scheitern 2007 gelernt hätte, es nur mit den Bürgern ginge. Er informierte in dieser Sitzung auch darüber, dass am 20.Dezember um 20 Uhr das Kraftwerk vom Netz gehen würde.

Die Pläne zur Stilllegung veröffentlichte die VSE erstmals am 14. Juni 2017. Damit verbunden, sagte Kraftwerksdirektor Dr. Klaus Blug in einer Gemeinderatssitzung im Juni, seien rund 100 Schicksale. Mit Bedauern, erklärte Ensdorfs Bürgermeister Hartwin Faust gestern auf telefonische Anfrage, nimmt die Gemeinde Ensdorf zur Kenntnis, dass die Stromerzeugung am Kraftwerkstandort Ensdorf eingestellt wird. „Das Kraftwerk und das Bergwerk Ensdorf waren jahrzehntelang Wahrzeichen des Gewerbestandortes Ensdorf und haben jahrzehntelang mit ihren Gewerbesteuern zur Entwicklung des Wohnortes mit all seinen Freizeitmöglichkeiten beigetragen.“, erklärte er.

Wenngleich die Motive für die Schließung des Kraftwerkes nachvollziehbar seien, verliere Ensdorf einen Teil seiner Identität. „Besonders denken wir an die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die sich jetzt an einem neuen Arbeitsplatz neu orientieren müssen, aber vor allem an diejenigen, die mit der Schließung des Kraftwerkes ihren Arbeitsplatz verlieren und denen nichts Neues angeboten werden kann“, sagte Faust. Für ihn ist es daher um so wichtiger, dass die Pläne des VSE-Vorstandes und der Gemeinde Ensdorf, auf der Fläche des Kraftwerkes neue Gewerbebetriebe anzusiedeln, schnellstmöglich realisiert werden. „Mit den dann neu geschaffenen Arbeitsplätzen kann vielleicht auch den jetzt durch die Schließung Betroffenen geholfen werden“, erklärte er.