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Gemeinderat Ensdorf spricht sich für Öffnung des Freibades aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Freibad Ensdorf : Öffnen oder Nichtöffnen? Und wie überhaupt?

Der Gemeinderat Ensdorf kam zur Sondersitzung zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt: Das Freibad 2020 noch öffnen oder nicht? Eine schwere Entscheidung.

Die richtige Abwägung „ist für uns alle ein Dilemma“, machte Bürgermeister Jörg Wilhelmy in der Gemeinderatssitzung in Ensdorf deutlich. Nur ein Punkt war Thema der öffentlichen Sitzung in der Großsporthalle: Wird das Ensdorfer Freibad noch geöffnet oder fällt die Saison 2020 komplett aus?

Mit zwei Metern Abstand saßen die Ratsmitglieder, der Bürgermeister mit Verwaltungspersonal sowie insgesamt 54 Bürger auf nummerierten Plätzen. Eine Öffnung des Ensdorfer Freibades hänge grundsätzlich davon ab, ob das Land grünes Licht gebe, erklärte Wilhelmy. Doch „im Hintergrund hält sich die Landesregierung äußerst bedeckt“. Grundlegende Aspekte seien abgestimmt. Die beruhten auf Überlegungen der saarländischen Städte und Gemeinden mit Bädern, unter Federführung der Stadt Neunkirchen. Aber Details gebe es noch nicht, erklärte Wilhelmy.

Seriös geschätzt rechnet die Gemeinde bei einer Öffnung mit rund 30 000 Euro zusätzlichen Kosten im Vergleich zur normalen Saison. Denn ein spezielles Hygiene- und Reinigungskonzept mit Abstandregelungen wäre erforderlich. Dazu kämen Security und ein besonderes Online-Ticket-System. Für Besucher ohne Internet soll es auch Tickets an der Kasse geben. Trotzdem muss dann der Deckel bei „700 Badesuchern zeitgleich“ geschlossen werden. Das soll mit getrennten Badezeiten gelingen. Beispielsweise Frühschwimmen, mittags für Familien und später Abendschwimmen. Nach jedem dieser Besucherblöcke muss intensiv gereinigt und desinfiziert werden. Mit dieser Regelung, ergänzte später Thomas Wilhelm, Grüne, könnten täglich „1400 bis 2000 Leute durch das Bad durchkommen“.

„Für die Saison 2020 waren 85 000 Euro Einnahmen geplant“, stellte Wilhelmy dar. Aber grundsätzlich ist es ein Defizitgeschäft, das im Schnitt „rund 250 000 Euro Miese pro Jahr“ verursacht. Dazu käme für 2020 eine kürzere Öffnungszeit mit weniger Einnahmen.

Als Hintergrund für die kurzfristige Gemeinderatssitzung zur Freibadöffnung nannte Wilhelmy Beratungen im Bauausschuss. Aber auch den zunehmenden Druck durch Bäderöffnungen in anderen Bundesländern. Soll das Ensdorfer Bad aufmachen, braucht es besondere Vorbereitungen. Der Grund sind Hebungen unter dem Beckenboden. Deshalb bleibt dort beständig Wasser als Gegengewicht drin. Das wird vor Saisonbeginn abgepumpt, dann folgt teilweise ein neuer Anstrich und die komplette Füllung mit frischem Wasser.

„Wenn alles gut geht“, sagte Wilhelmy, könnte „am 1. Juli, allerspätestens zum Ferienbeginn“ geöffnet werden. Sollte das Bad nicht an den Start gehen, seien Auswirkungen für die Zukunft zu befürchten. Dass es dann heißen könne, es habe ja nichts geschadet, dass es zu war. Doch das Bad sei Teil der Daseinsvorsorge. Außerdem „würden wir mit einer Nichtöffnung die Kapazitäten der umliegenden Bäder erheblich belasten“. Als Bürgermeister wolle er dieses Bad erhalten: „Deswegen sage ich, dieses Bad soll an den Markt, wenn wir von der Landesregierung grünes Licht bekommen.“ Das quittierte ein Großteil der Zuhörer mit kräftigem Applaus.

Ebenso die klare Position des SPD-Vorsitzenden Christoph Lauer. Seine Fraktion sei in die Sitzung gegangen, „mit der Absicht, das Bad öffnen zu wollen“. Um „den Bürgern wenigstens ein Stück Freiheit“ zurückzugeben.

Dass von der Landesregierung grünes Licht fehlt, bedauerte Grünen-Fraktionschef Thomas Wilhelm. Es gehe darum „unserer sozialen Verpflichtung gerecht zu werden“. Auch seine Fraktion sei „gewillt, das Bad Ensdorf vorzubereiten“.

So sah es auch Thomas Jenal, Linke: Alles andere werde geöffnet, dann müsse auch das Schwimmbad aufmachen.

„Die Freien Wähler sehen das leider nicht so emotional“, sagte Roland Masurek. Zu glauben, 700 Menschen mit Security kontrollieren zu können, „halte ich für naiv“. Und der ganze Aufwand für zwei Monate Schwimmbadöffnung. „Die Zeche zahlen wir Ensdorfer Bürger.“ Sinnvoller wäre eine Schließung in diesem Jahr und die Beseitigung wesentlicher Mängel.

Dem schloss sich Manfred Altmaier, CDU, an. Es gebe schon länger „einen Stau an Sanierungsarbeiten“ und Überlegungen, das Bad moderner zu gestalten. Das wäre jetzt machbar, bliebe es geschlossen. „Lassen sie uns in diesem Jahr diese einmalige Chance nutzen.“ „Die CDU-Fraktion ist nicht geschlossen“, sagte Altmaier. Es werde welche geben, die dagegen seien, und welche, „die diesen Blindflug einfach mal“ machen wollten.

Für das Bad habe Ensdorf derzeit nur 60 000 Euro aus Investitionsmitteln des Landes, erwiderte Wilhelmy. Benötigt würden aber etliche Millionen. Auch stehen im Haushalt 2020 keine Mittel für solche Maßnahmen. Die Entscheidung sei mit vielen Unsicherheiten verbunden, sagte CDU-Fraktionschef Volker Greff. „Ich werde für die Öffnung stimmen.“

Mit viel Abstand tagte der Gemeinderat Ensdorf in der Großsporthalle zur Frage: Öffnet das Freibad noch oder nicht? Foto: az

Nach rund einer Stunde Diskussion fiel die Entscheidung zur Öffnung des Ensdorfer Bades – mehrheitlich. Bei acht Nein, vor allem von Seiten der CDU-Fraktion sowie der Freien Wähler. Die Öffnung für die Saison 2020 ist damit nun abhängig von der Entscheidung der Landesregierung.