Ganz Roden rosa streichen?  "Dem gesunden Aufwachsen steht einiges im Wege"

Kreis Saarlouis. Dem Weltkindertag widmet die Stadt Saarlouis am heutigen Samstag ein großes Familienfest und einen interkulturellen Nachmittag unter dem Motto "Zusammen halten - Zukunft gestalten"

Kreis Saarlouis. Dem Weltkindertag widmet die Stadt Saarlouis am heutigen Samstag ein großes Familienfest und einen interkulturellen Nachmittag unter dem Motto "Zusammen halten - Zukunft gestalten". Aber was wäre, wenn nicht die Stadt, sondern die Kinder selbst ihre Zukunft gestalten würden? Was würde sich an ihrem Heimatort ändern, wenn sie "Kanzler, Kaiser, König oder Königin" wären?

Die dreijährige Leonie König hat schon einen Vorschlag: Sie will, dass die vereinzelt dastehenden Spielgeräte in Saarlouis "viel größer sind und überall in der ganzen Stadt" stehen."

Philipp Kudikov (Fotos: Kallenbrunnen), fünf, aus Saarlouis-Steinrausch würde einen neuen Spielplatz bauen. Auf dem Steinrausch gibt es zwar schon zwei, aber da seien viele Geräte kaputt, auch seine geliebte Seilbahn und die Reifenschaukel seien schon lange nicht mehr benutzbar.

Alessandro Boschet würde Altersbegrenzungen für alle Plätze zum Spielen durchsetzen. Der Achtjährige aus Schwalbach "mag Spielplätze, die nur Kinder bis 14 Jahre benutzen dürfen", sagt er, "weil da nicht so viel Flaschen und Glasscherben 'rumliegen."

Das kennt auch Chiara Müller, zehn, aus Biringen. Sie schlägt vor: "Ich würde den Jugendtreff in Biringen woanders veranstalten, nicht direkt am Kinderspielplatz, weil zu den Treffs Jugendliche bis 18 Jahre kommen. Und dann liegt auf dem Spielplatz am nächsten Tag immer alles voll mit Flaschen und Zigaretten."

Nick Kurtz saust mit seinem Cityroller durch die Französische Straße in Saarlouis. Das macht Spaß und geht zu Hause nicht so gut: Für Saarfels wünscht er sich breitere Straßen, "damit ich da ein bisschen mehr rollern kann." Und in Saarlouis? "Hier sollte es mehr Spielstraßen geben, wo Autos langsamer fahren und Kinder Platz haben."

Die zehnjährige Lena Backes wünscht sich mehr Tiere, am liebsten gleich einen Zoo für Saarlouis. "Mit Löwen, Giraffen und Elefanten." Außerdem würde sie Autofahrer zügeln und ein niedrigeres Tempolimit festlegen: "Die Autos hier fahren so schnell, manchmal habe ich richtig Angst, über die Straße zu laufen."

Niclas Müller aus Heusweiler ist fünf Jahre alt und hat auch eine Verbesserungsidee: "Ich würde eine Rutsche bauen, die bis in den Himmel geht, und einen Fahrstuhl, sonst muss man ja so viele Stufen hoch." Ansonsten findet er in Heusweiler alles super. Im Gegensatz zu seiner Schwester Lisa, neun. Die stören die vielen Baustellen im Heimatort. "Die sind schon so lange da, sind laut und nerven."

Selina Müller, zehn, wünscht sich einen Reiterhof nach Heusweiler. "Weil ich eine Pferdenärrin bin!", sagt sie. Zurzeit muss ihre Mutter regelmäßig den weiten Weg nach Püttlingen auf sich nehmen, um die Tochter zum Reiten zu bringen.

Die elfjährige Michelle Speicher würde Ensdorf vom Müll befreien. "Gerade an Bushaltestellen und im Park liegt haufenweise Müll. Und die vielen Hundehaufen stören ebenfalls." Außerdem seien dringend Reparaturen an den Spielplätzen notwendig: "An der Kletterwand sind sogar schon Schrauben locker. Das ist doch gefährlich!"

Laureta Bohrmann, drei, findet ihren Heimatort Roden offenbar viel zu grau. "Wenn ich Königin wäre, würde ich da alles rosa streichen!", sagt sie entschlossen.

Einen großen rosa Spielplatz mit Giraffen und Elefanten wird die Stadt Saarlouis heute nicht bieten, dafür ein Aktionsprogramm mit Kreativangeboten, Bilderbuchkino, Spiel- und Bewegungsspaß von 14 bis 21 Uhr auf dem kleinen Markt.Welche Probleme haben Kinder im Landkreis Saarlouis?

Pasker-Dahy: Aus unserer Sicht gibt es auch im Landkreis Saarlouis Kinder, die unter sehr schwierigen Bedingungen aufwachsen müssen. Arbeitslosigkeit, Armut und Verschuldung und mitunter auch ein schwieriges Wohnumfeld prägen ihren Alltag. Damit eng verbunden spielt die persönliche Situation der Erziehenden eine zentrale Rolle. Wenn Eltern körperlich oder seelisch überfordert sind, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern gestört ist oder familiäre Konflikte hinzukommen, steht dem gesunden Aufwachsen schnell einiges im Wege.

Was muss sich ändern?

Pasker-Dahy: Unserer Meinung nach haben Kinder in unserer Gesellschaft immer noch nicht den Stellenwert, den sie verdienen und brauchen. Der Weltkindertag ist ein guter Anlass, erneut zu betonen und zu fordern, dass die Würde und die Rechte von Kindern endlich einen gleichberechtigten Platz erhalten. Kinder dürfen nicht nur als Anhängsel von Familien und als Objekte elterlicher Entscheidungen gesehen werden. Die wachsende Kluft zwischen Kindern, die gesund, abgesichert und gefördert aufwachsen, und solchen, deren Alltag durch Hoffnungslosigkeit, Mangel und Ausschluss geprägt ist, muss geschlossen werden.

Was kann der Einzelne tun?

Pasker-Dahy: Wer die Arbeit des Kinderschutzbundes unterstützen möchte, kann sich mit uns in Verbindung setzen, wir freuen uns über weitere ehrenamtliche Mitstreiter.

Kontakt: Deutscher Kinderschutzbund Untere Saar e.V., Hinterstraße 17 in 66763 Dillingen, Telefon (0 68 31) 97 24 21 oder 97 24 22.

Hintergrund

Der Kinderschutzbund Untere Saar e.V. versteht sich als Lobby für Kinder und engagiert sich seit vielen Jahren für Familien in Saarlouis und Dillingen. Erster Vorsitzender ist Claus Ehehalt.

Schwerpunkte liegen auf der Sozialpädagogischen Familienhilfe und der Kinderkrippe Regenbogen. Außerdem bietet der Verein Elternkurse und -abende, Beratung und individuelle Einzelfallhilfe für Erziehende. Ergänzend ist im Jugendhaus das Projekt Ufer (Unterstützung für Eltern mit Kindern bis sechs Jahre) des Landesverbandes des Kinderschutzbundes untergebracht. nic