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EVS: Biomasse-Zentrum kommt nicht nach Ensdorf

Energiewende : Biomasse-Zentrum kommt nicht nach Ensdorf

Wo früher Kohle verstromt wurde, wollte der Entsorgungsverband Saar grüne Energie gewinnen. Findet er einen neuen Standort?

All das, was die Saarländer an Biomüll in grüne Tonnen werfen und an Grüngutsammelstellen abgeben, sollte vom kommenden Jahrzehnt an im geplanten EVS Biomasse-Zentrum in Ensdorf in Strom, Wärme und qualitativ hochwertigen Kompost („Saarkompost“) verwandelt werden. Doch die eigentlich prima in die Ära der Energiewende passenden Pläne des Entsorgungsverbandes Saar (EVS) sind plötzlich erst mal kräftig ins Wanken geraten: Vor einigen Tagen, am 8. April, teilte der EVS in einer lapidaren Pressemeldung mit, das Biomasse-Zentrum könne nach intensiven Verhandlungen mit dem Energiebetreiber VSE nicht wie ursprünglich geplant auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks in Ensdorf gebaut werden. Nun muss sich der EVS einen neuen Standort für das Biomasse-Zentrum suchen und, wo immer es gebaut werden soll, dürften erst einmal wieder Ängste anliegender Bewohner um möglichen Gestank, Lärm und Verkehrsbelästigung entflammen. Dazu ist die Diskussion in vielen Kommunen um die oft teurer gewordene Grünschnitt-Entsorgung noch in vollem Gange.

Zur Frage der Saarbrücker Zeitung, wie es bei Standortsuche und Planung nun konkret weitergehen soll, wollten sich die EVS-Geschäftsführer Georg Jungmann (CDU) und Michael Philippi (SPD) zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht äußern. Unternehmenssprecherin Marianne Lehmann verwies auf die kurze Presseerklärung, in der EVS-Geschäftsführer Philippi mit dem Satz zitiert wird: „Das Ergebnis der Verhandlungen (mit der VSE, Anm. d. Red.) bedeutet keineswegs das Aus für das EVS Biomasse-Zentrum.“ Doch: Wo nun, wann und in welcher Größe? Ehe die Entscheidung der EVS-Verbandsversammlung seinerzeit auf Ensdorf fiel, war zuletzt als Alternative nur noch ein Gelände am Abfallwirtschaftszentrum in Neunkirchen im Gespräch. Vorausgegangen bei der Standortsuche war ein vom EVS in Auftrag gegebenes Gutachten des renommierten Witzenhausen-Instituts für Abfall, Umwelt und Energie. Doch auch dessen Geschäftsführer, Michael Kern und Thomas Raussen, wollten sich auf SZ-Anfrage nicht äußern. Das gehe nur in Abstimmung mit dem EVS, hieß es.

„Anders als ursprünglich angenommen, kann die VSE dem EVS das angebotene Grundstück nicht in einem für das Projekt notwendigen Zeitrahmen und nur zu Kosten zur Verfügung stellen, die gegenüber dem Gebührenzahler nicht vertretbar sind“, heißt es in der EVS-Presseerklärung. Alleine die Diskussion über die Fläche auf dem VSE-Kraftwerksgelände kostete nun fast ein Jahr. Noch im Oktober 2018 hatten EVS-Geschäftsführer Jungmann und Philippi betont, das auf bis zu 40 Millionen Euro veranschlagte Biomasse-Zentrum in Ensdorf, das nach der Probephase im Frühjahr 2022 in Regelbetrieb gehen sollte, befände sich voll im Kosten- und Zeitplan. Befürchtungen der anliegenden Bevölkerung um Gestank, Lärm und Verkehr im Zusammenhang mit der Anlage (6000 bis 8000 Fahrzeugtransporte pro Jahr) waren in mehreren Informationsveranstaltungen für die Bürger vom EVS weitgehend ausgeräumt worden. So hatte der Entsorgungsverband den Abstand der geplanten Anlage zur Ortsbebauung von den gesetzlich vorgeschriebenen 300 Metern auf 500 Meter fast verdoppelt und die Nutzung der Autobahn für die Transportfahrzeuge vorgegeben. Die Biogut-Verarbeitung sollte zudem zwecks Lärmeindämmung und Geruchsbelästigung in geschlossenen Hallen erfolgen.

Laut EVS-Presseerklärung konnte in dem wegen der Geländediskussion verlorenen Jahr „diese Zeit (...) zur Klärung technischer Details genutzt werden“. So hätten intensive Prüfungen eine „neue Anlagenkonzeption“ mit „deutlich geringerem Platzbedarf“ ergeben. Es solle weiterhin neben dem Biogut aus der Biotonne auch ein Teil des über die kommunalen Sammelstellen zusammenkommenden Grüngutes im künftigen Biomasse-Zentrum verarbeitet werden. Zwischenzeitlich sei jedoch absehbar, dass durch die neue Anlagenkonzeption deutlich weniger Grüngut mitverarbeitet und somit auch weniger Platz vorgehalten werden müsse. „Durch den geringeren Platzbedarf rücken Standorte ins Blickfeld, die im Rahmen der damaligen Standortsuche außen vor gelassen werden mussten“, wird EVS-Geschäftsführer Jungmann in der Presseerklärung zitiert: „Es gibt jetzt durchaus relevante Standortalternativen im Saarland, deren Eignung wir in den nächsten Wochen intensiv überprüfen werden. Über das Ergebnis werden wir die Öffentlichkeit umfassend informieren“.