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Ensdorfer Bahnhof unterm Hammer

Ensdorfer Bahnhof unterm Hammer

Wohnen am Bahnsteig – ein Traum für so manchen Eisenbahner? Der könnte in Ensdorf wahr werden. Vorher müsste allerdings einiges in das marode Gebäude investiert werden.

Für Eisenbahnfreunde gibt es ja so allerhand. Fahrten in historischen Zügen, Börsen für Modellbauer, ja ganze Miniatur-Landschaften. Sogar heiraten kann man in Zügen, so zum Beispiel im Ostertal. Für die hartgesottenen Liebhaber gibt's in Ensdorf derzeit aber ein ganz spezielles Angebot. Denn dort wird das Bahnhofs-Gebäude versteigert. Das Mindestgebot liegt bei 10 500 Euro.

Bereits 2007 hat die Deutsche Bahn das Gebäude an einen Investor verkauft, erzählt eine Bahnsprecherin auf SZ-Anfrage. Und zwar an eine Privatgesellschaft mit Sitz in Luxemburg, wie unsere Zeitung von der Auktionsgesellschaft Karhausen, die den Bahnhof aus dem Jahr 1909 im September in Berlin unter den Hammer bringt, erfährt.

Investiert wurde dort in all den Jahren allerdings nicht, erklärt der Ensdorfer Bürgermeister Hartwin Faust . Und so habe man in den vergangenen Jahren viele Scherereien mit dem Eigentümer gehabt. Denn die Fahrgäste müssen, um auf den Bahnsteig zu gelangen, unter dem heruntergekommenen Empfangsgebäude hindurch. Auch im Exposé des Auktionshauses wird kein Hehl um den schlechten Zustand des Gebäudes gemacht. So heißt es dort: "Elektro- und Sanitärausstattung veraltet, Müllablagerungen, Vandalismusschäden, Putzabplatzungen, Mauerwerksrisse, Dach defekt und undicht, massive Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbefall."

Zu dem wenig attraktiven Zustand des Gebäudes kommen dann noch "dinglich gesicherte Wegerechte der Deutschen Bahn" hinzu, erklärt die Bahnsprecherin weiter. Diese sind auch im Grundbuch festgehalten. Das könnte Käufer abschrecken, glaubt Bürgermeister Faust. Der ist ohnehin gespannt, "wer das Gebäude bekommt und was daraus gemacht wird. Wenn da überhaupt was passiert."

Für die Gemeinde sei der Kauf zu keiner Zeit eine Option gewesen, erklärt Faust weiter. Zum einen, weil der Investitionsbedarf - bei ohnehin klammen Kassen - viel zu hoch wäre. Zum anderen, weil die Gemeinde schon andere Pläne hat. Sie plant einen Haltepunkt im Ortszentrum, in Höhe des Marktplatzes. Ein entsprechender Antrag wurde bereits beim Saar-Wirtschaftsministerium gestellt. Relaisiert werden kann das Projekt aber frühestens in 2019. "Denn dann kann unser Antrag erst im Programm Beachtung finden", erklärt Faust.

Wohnen tut übrigens schon jemand in dem Bahnhof. Eine Mieterin, so erklärt Schadenberg vom Auktionshaus. Und "ein Verkauf bricht natürlich kein Mietverhältnis", fügt er an.
Zum Thema:

Das Bahnhofsgebäude in Ensdorf , An der Bahn 8, stammt aus dem Jahr 1909 . Versteigert wird das Gebäude mit 387 m{+2}Wohnfläche am Montag, 22. September, im Auktionshaus Karhausen in Berlin . Beginn ist um 14 Uhr. Das Mindestgebot liegt bei 10 500 Euro. bla