Knall war im ganzen Landkreis zu hören Video zeigt Sprengung – Filteranlage am Kraftwerk Ensdorf ist Geschichte

Ensdorf · Auf dem Kraftwerksgelände in Ensdorf soll die Chip-Fabrik von Wolfspeed entstehen. Die Sprengung der Filteranlage heute war ein erster Schritt auf dem Weg dorthin. Der spektakuläre Einsatz in Bildern.

Der Einsatz in Bildern: Filteranlage am Kraftwerk Ensdorf gesprengt​
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Spektakuläre Bilder – Filteranlage am Kraftwerk Ensdorf gesprengt

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Foto: Ruppenthal

Der Knall war unüberhörbar: Am Sonntagvormittag rumste es in Ensdorf mächtig. Und der Knall war auch noch in den Nachbargemeinden Bous, Wadgassen und Saarlouis deutlich vernehmbar. Nach monatelangen Vorbereitungen wurde am Sonntagvormittag das 55 Meter hohe Filtergebäude im Kraftwerk Ensdorf gesprengt. Und alles lief wie am Schnürchen und ohne jegliche Probleme. Sicherheitshalber war die Umgebung rund ums Kraftwerk weiträumig abgesperrt worden.

Sprengung am Kraftwerk Ensdorf erfolgt zwei Minuten früher als geplant

Um 11.13 Uhr gab Sprengmeister Michael Schneider, ein absoluter Meister seines Fachs, zwei Minuten früher als ursprünglich geplant das Kommando, nachdem er sich per Funk über den ordnungsgemäßen Ablauf der unmittelbaren Sprengvorbereitungen vergewissert hatte. „Drei – zwei – eins – Sprengung“ - laut und vernehmlich zählte er rückwärts und gab das Kommando, damit auch alle bereitstehenden Kamerateams und Fotografen diesen besonderen Moment nicht verpassen konnten.

Es knallte mächtig - dann herrschte ein Moment Ruhe, und es dauerte einige kurze Sekunden, bis sich das mächtige Gebäude zunächst ganz langsam zur Seite neigte, dann immer schneller werdend Richtung Boden sauste und mit einem mächtigen Krachen in einer immer größer werdenden Staubwolke verschwand.

Ruhig und sachlich verkündete Michael Schneider nur kurze Momente später das erfolgreiche Ende der Sprengung. Knapp 500 Meter weiter vorne türmte sich inzwischen staubfrei ein mächtiger Berg aus Stahl und Beton auf.

Einer der erfahrensten Sprengmeister Deutschlands

Hohes Lob aus berufenem Munde: Kraftwerksleiter Dr. Klaus Blug, zusammen mit VSE-Vorstandschef Dr. Hanno Dornseifer und zahlreichen anderen Zuschauern aus Verwaltung und Behörden, aufmerksamer Beobachter der Sprengung, zeigte sich mit dem problemlosen Ablauf hochzufrieden.

Er hatte auch nichts anderes erwartet, wurde die Niederlegung des ehemaligen Filtergebäudes, wie es im Fachjargon heißt, doch von einem der erfahrensten Sprengmeister Deutschlands durchgeführt.

Michael Schneider hat sein Handwerk untertage im ostdeutschen Bergbau erlernt und war nach der Wende an einer Vielzahl großer und prominenter Sprengungen beteiligt. Auch im Saarland war er bereits aktiv, als seinerzeit die SR-Sendetürme bei Heusweiler gesprengt wurden.

Wie die Sprengung vorbereitet wurde

Wie Dr. Klaus Blug erläuterte, waren vor der Sprengung im Ensdorfer Kraftwerk die sieben Hauptstützen fachgerecht vorgeschwächt worden, indem Fachleute sie mit Schweißbrennern eingekerpt hatten. Danach wurden an die 15 Schneidladungen angebracht, die nach der Zündung dann die mächtigen Stahlträger in Bruchteilen von Sekunden komplett durchtrennten. Dadurch wurde zudem sichergestellt, dass der Gebäudekomplex exakt in die vorgegebene Fallrichtung stürzte. Voraussichtlich im Frühjahr sollen nun die großen Schornsteine und der Kühlturm abgerissen werden. Der Rückbau des ehemaligen Kohlekraftwerks wurde notwendig, um Platz für die Ansiedlung neuer moderner Industriebetriebe zu schaffen, unter anderem für den amerikanischen Chiphersteller Wolfspeed.

Eine weitere Sprengung gab es übrigens zeitgleich nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt am lothringischen Kohlekraftwerk Emile Huchet im französischen Carling. Vor den Augen zahlreicher Schaulustiger, für die man in sicherer Entfernung eigens zwei Sichtbereiche geschaffen hatte, stürzte der 120 Meter hohe Kühlturm wie geplant innerhalb weniger Sekunden in sich zusammen.

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