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Ensdorf: Reptilienmauer als Ausgleichsfläche

Mauerbau : Neues Domizil für Eidechse und Co.

Jugendliche aus dem Freiwilligen ökologischen Jahr haben in Ensdorf eine Reptilienmauer errichtet.

Stein für Stein wuchs in dieser Woche auf der Ausgleichsfläche der Landschaftsagentur Plus an der Landstraße 343 zwischen Ensdorf und Hülzweiler unterhalb des Saarpolygons in beeindruckender Schnelligkeit eine Trockenmauer. Ein Dutzend junger Leute legte dabei ein beachtliches Tempo vor, scheute sich auch nicht, Hände und Kleider schmutzig zu machen und errichtete in kurzer Zeit ein neues Zuhause für Reptilien und andere Tiere. Zwei Tage lang hatten sie zuvor auf dem Gau bei Rammelfangen die notwendigen Steine zusammengesucht.

 Von der guten Laune und dem Feuereifer der jungen Leute ließ sich Umweltstaatssekretär Sebastian Thul gerne anstecken, und er packte tüchtig mit an, um die neue Trockenmauer in Windeseile fertig zu stellen, zumal an diesem Vormittag der Lkw mit den Steinen mit Verspätung an der Naturbaustelle eingetroffen war.

 „Die Steine konnten wir kostenlos bei Einbauschub im Rammelfangen bekommen“, berichtete Jana Meguin, Teamchefin der Aktion und überzeugte FJÖ’lerin. Biologie hat die 19-jährige aus Leidingen schon immer interessiert, und da sie gerne in der Natur unterwegs ist, nutzt sie die Zeit zwischen Schule und Studium gerne zu einem Orientierungsjahr. Beim Transport der Steine hat dann das Umweltministerium die jungen Leute unterstützt. „Unser Ministerium ist nicht nur Aufsichtsbehörde, sondern auch Träger des Freiwilligen Ökologischen Jahres im Saarland“, erklärte dazu Referatsleiter Stefan Scheid. Er ist dabei ebenso Überzeugungstäter wie Lutz Hettrich, Prokurist der Landschaftsagentur Plus und der pädagogische Leiter Günther von Bünau.

 Für das ökologische Projekt in unmittelbarer Nachbarschaft der Bergenhalde Ensdorf wurden insgesamt vier Kubikmeter Natursteine bewegt.  „Uns ist es wichtig, dass die Jugendlichen an ihren Einsatzstellen umfangreiche Einblicke in gelebten Natur- und Umweltschutz bekommen, wobei sie durchaus auch eigene Projekte entwickeln und umsetzen sollen“, betonte Staatssekretär Sebastian Thul. Diese Projekte sind nach seinen Worten immer ein Gewinn für Mensch, Umwelt- und Naturschutz und stellen so auch einen nachhaltigen Erfolg für die FÖJ’ler dar.

 „Mit der Herstellung der Trockenmauer, auch Reptilienmauer genannt, können sich zukünftig Eidechsen, Blindschleichen und vielerlei andere Tiere ansiedeln“, erklärte Lutz Hettrich von der Landschaftsagentur Plus, der auch die fachgemäße Koordinierung und Planung des Mauerbaus übernahm. „Eine Trockenmauer ist ein ganz besonderes Biotop“, erklärte Umweltpädagoge Günther von Bünau, der von der Lüneburger Heide über Bayern und Thüringen vor rund 18 Jahre im Saarland gelandet ist und sich bei seiner Aufgabe ausgesprochen wohl fühlt. „Die Steine werden lose aufeinander gestapelt“, erklärte er die Vorgehensweise, wodurch Ritze und Hohlräume, somit also ideale Rückzugsmöglichkeiten für vielerlei Insekten, Weichtiere und vor allem Reptilien entstehen. Die Steine heizen sich in der Sonne auf, die wechselwarmen Tiere erhöhen ihre Körpertemperatur und gehen im Anschluss auf die Jagd. Die Steine speichern die Sonnenwärme bis in die Nacht hinein, und selbst bei hohen Temperaturen herrscht im Innern der Mauer ein ideales Mikroklima. Seit 2019 können junge Menschen bei der Landschaftsagentur Plus in Ensdorf ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren. „Mit unseren grünen Aktivitäten können wir den jungen Leuten ein breites Spektrum anbieten, das von Renaturierung über ökologische Baubegleitung bis hin zu Artenschutz- und Waldumbaumaßnahmen reicht. Widmete man sich im vergangenen Jahr noch Umweltpädagogikprojekten an Grundschulen, steht in diesem Jahr der Artenschutz im Vordergrund.“  Staatssekretär Sebastian Thul zeigte sich beeindruckt von dem Engagement der Jugendlichen. Nach seinen Worten erfreut sich das Freiwillige ökologische Jahr immer stärkerer Beliebtheit bei jungen Leuten. „Gerade der Umweltbereich bietet eine Vielzahl interessanter Berufsfelder, die viele gar nicht kennen,“ hebt er einen weiteren Nutzen für die jungen Leute hervor. Während eines freiwilligen ökologischen Jahres können so Jugendliche in Tätigkeitsfelder hineinschnuppern, um herauszufinden, ob sich hier für sie eine berufliche Perspektive auftut.

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