Ensdorf: Podiumsdiskussion mit Bürgermeisterkandidaten im Bergmannsheim

Bürgermeisterwahl : Arbeitsplätze, Wohnraum und der Bahnhof

Die drei Ensdorfer Bürgermeisterkandidaten stellten ihre Programme beim Podium im Bergmannsheim vor.

Wie denn Ensdorf im Jahre 2029 unter ihrer Leitung aussehen würde. Das fragte am Mittwochabend im Bergmannsheim Moderator Oliver Hilt nach fast zwei Stunden die drei Bürgermeisterkandidaten. Zu der Podiumsveranstaltung von Café Stormwind und den Kandidaten waren etwa 250 Zuhörer gekommen.

„Was in zehn Jahren ist, wissen wir alle nicht“, sagte Jörg Wilhelmy, parteiloser Kandidat. Natürlich wolle er dann solide Finanzen haben und eine gute Infrastruktur. Auch wenn er alles versuchen werde, „ich kann Ihnen das Versprechen dafür nicht geben“.

Die Ensdorfer werden dann in die Entscheidungsprozesse mit eingebunden sein, sagte Volker Greff, CDU. Und für die von ihm genannten Ziele werde er sich „mit aller Kraft und all meinen kognitiven Fähigkeiten“ einsetzen.

„Ich bin geistig mit dem Fahrrad durch Ensdorf im Jahre 2029 gefahren“, sagte Dietrich Bickelmann, Grüne. Und zählte mehr als ein Dutzend verschiedene Punkte auf, die dann vorangebracht sein sollten. Die reichten von einer klima­freundlichen Gemeinde über eine direkte Zugverbindung bis Neunkirchen und Luxemburg sowie den Fortbestand des Schwimmbades. Das Ensdorfer Freibad lag allen Dreien am Herzen. „Ich sehe noch Spielraum für ein Kreisbäderkonzept“, sagte Bickelmann. Mit angepassten Gebühren könne „ein bisschen Gerechtigkeit“ erreicht werden zwischen der Finanzsituationen unterschiedlicher Kommunen.

Wilhelmy sprach von 2,1 Millionen Euro für die nötige Sanierung. Allein für den Nichtschwimmerbereich seien 750 000 Euro notwendig. Finanziert werden könne die Badsanierung über ein Bundesprogramm, in dem auch Schwimmbäder gefördert würden. Doch dafür müsse ein größeres Konzept her, beispielsweise mit einer Jugendherberge.

Die Finanzierungsmöglichkeit sah Greff nicht ganz so. Die Idee Jugendherberge sei nicht neu, funktioniere aber nicht, weil das Bad nur wenige Monate geöffnet ist. Deshalb würde er in einem ersten Schritt „das Nichtschwimmerbecken sanieren und das DLRG-Gebäude neu bauen“.

Ein weiteres großes Thema war die Verlagerung des Ensdorfer Bahnhofs zum Marktplatz hin. „Das ist mir ein Herzensanliegen“, sagte Greff, und eine Chance für das Zentrum. Dazu habe er bereits Gespräche mit der DB-Netze geführt und erreicht, dass diese Haltestelle „als eine der zehn prioritären Projekte im Saarland aufgenommen worden ist“. Als Bürgermeister werde er mit dem Wirtschaftsministerium reden, „dass es nicht auf zehn bleibt“.

In einem derzeit leer stehenden ehemaligen Geschäft am Marktplatz kann sich Wilhelmy ein Mehrgenerationenhaus vorstellen. Greff fände dafür den Bereich des alten Pfarrhauses geeigneter. „Wir brauchen ein Mobilitätskonzept“, sagte Bickelmann. Aber auch gute Argumente für einen Bahnanschluss in Ensdorf, um das Zentrum zu stärken.

Bei den wichtigsten Themen lagen die drei Kandidaten dicht beisammen. Unter anderen will jeder neue Arbeitsplätze schaffen, vor allem im Bereich des ehemaligen Kraftwerkes und dem Gelände der Grube Duhamel. Transparenz und Bürgernähe waren ebenso wichtig wie neuer Wohnraum. Bickelmann betonte auch die Aspekte Klimaschutz und Nachhaltigkeit.

Eine Frage aus dem Publikum bezog sich auf Straßenausbaubeiträge. Die „sollten weitgehend vermieden werden“, antwortete Bickelmann. Andererseits „sind die Straßen an vielen Stellen schlecht“. Aber Ensdorf habe nur 450 000 Euro Investitionsvolumen, „dann ist Schluss“. Weil er momentan nicht den Überblick dazu habe, halte er sich „das alles offen, auch wenn es unpopulär ist“.

„Ich halte mir da nichts offen“, sagte Wilhelmy, „Straßenausbaubeiträge kommen nicht in Frage.“ Es solle in Ensdorf gemeinsam darüber geredet werden, meinte Greff, ob solche Beiträge kommen oder nicht. Doch wenn immer nur die Gemeinde bezahle, „dann geht hier nur eine Straße pro Jahr“.

In der rund zweistündigen Veranstaltung im Bergmannsheim präsentierten die drei Kandidaten ihre wichtigsten Vorhaben der Öffentlichkeit: Dietrich Bickelmann, 57, (Grüne), Jörg Wilhelmy, 56, (parteilos) und Volker Greff, 48, (CDU). Bickelmann hat in den letzten Jahren überwiegend Projekt- und Prozessmanagement auch für Verwaltungen gemacht. Greff ist in der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Agentur für Arbeit zuständig für effiziente Verwaltungsstrukturen, Datenverarbeitung und grenzüberschreitende Arbeitsvermittlung. Wilhelmy sprach 37 Jahre Berufserfahrung an. Er ist in dieser Zeit durchgehend in Rathäusern tätig.

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