Umfrage: „Ein Sommer ohne das Bad ist kein Sommer“

Umfrage : „Ein Sommer ohne das Bad ist kein Sommer“

Seit 80 Jahren können sich die Ensdorfer an heißen Sommertagen in ihrem Freibad abkühlen. Auch Gäste von Außerhalb finden das Bad großartig.

An Marlies Huberty kommt am Samstagnachmittag niemand vorbei. Sie ist seit zwölf Jahren an der Kasse des Ensdorfer Freibades für die Eintrittskarten zuständig und hat es, wie sie betont, fast ausschließlich mit gut gelaunten Menschen zu tun, „die sich auf ein paar schöne Stunden freuen“. Während viele Gäste eine Tageskarte lösen, werden andere von ihr durchgewinkt – Saisonkarten-Inhaber. „Viele sind seit Jahren Stammgäste, man kennt sich, macht sich Sorgen, wenn sie mal nicht kommen“, erzählt Huberty. Die mag besonders die Frühschicht, zieht vor dem Heimweg nach getaner Arbeit gerne selbst ein paar Bahnen. „Das Ensdorfer Freibad bietet so viel Platz und ist einfach schön“, schwärmt sie.

Seit Jahrzehnten sind die fünf Damen, die auf ihrer Bank unweit des Sprungturms Platz genommen haben, Stammgäste in Ensdorf. Ob als Kinder, später als Mütter oder jetzt als Großmütter, ein Sommer ohne Ensdorfer Freibad, das können sie sich nicht vorstellen. Allen voran Christel Becker, die in diesem Jahr ebenfalls ihren 80. Geburtstag feiert. „Ich habe als Kind hier schwimmen gelernt, und ich glaube, fast alle Ensdorfer können wegen des Bads schwimmen“, sagt sie.

Becker kann sich noch gut an die Erzählungen ihres Vaters erinnern. „Er war Bergmann und ist mit den Kameraden nach der Schicht zum Freibad und hat mitgeholfen“, erzählt sie. Mit einem Spaten bewaffnet haben die Männer vor gut 80 Jahren das riesige Becken ausgehoben. „Mein Vater hatte so viele Stunden geleistet, dass er für sich und seine Familie eine lebenslange Eintrittskarte bekam“, berichtet die fitte Seniorin. Die Karte hat zwar ihre Gültigkeit nach dem Krieg verloren, doch Christel Becker hält ihrem Schwimmbad die Treue.

So wie auch Christel Urig, die gleich um die Ecke wohnt. „Man kann hier, egal, wie viel Betrieb ist, immer ungestört seine Bahnen ziehen“, lobt sie. „Wir kommen schon am ersten geöffneten Tag, waren auch bei 15 Grad im Wasser“, erzählt Jutta Hiery, die ebenfalls zur Frauenclique gehört. Zum Schwimmen gehört, das verrät Monika Bartel, auch ein bisschen Spaß dazu. „Ab und zu trinken wir mal ein Fläschchen Crémant, heute haben wir dazu einen frisch gebackenen Apfelkuchen gegessen“, sagt sie. Um den Spaß auf die Spitze zu trieben, verrät Maria Stojkovski, wird auch mal die Rutsche aufgesucht oder ein Sprung vom drei Meter Brett gewagt. „Man kennt sich hier einfach“, sagt Bartel.

Ein Stückchen weiter auf der Wiese hat ihre Tochter Susanne Bartel-Groll ihre Decke ausgebreitet. Sie wohnt mittlerweile in Saarlouis, doch das Ensdorfer Freibad ist ihr heilig. „Es ist das schönste und das größte, ein Sommer ohne das Ensdorfer Freibad ist für mich unvorstellbar“, sagt sie.

Ein dickes Lob hat sie für die Gemeindeverwaltung. „In diesem Jahr wurde wieder einiges gemacht, und ich finde es perfekt so, wie es ist“. Während sie einen schattigen Platz bevorzugt, hat es Katharina Otto und Christina Rossi in die Sonne gezogen. Die beiden jungen Damen kommen am Wochenende extra aus Kirkel-Limbach nach Ensdorf. „Man liegt nicht so eng aufeinander, und wenn man ins Wasser geht, dann ist das so wie im Meer“, schwärmt Katharina. Von den beiden jungen Frauen, die den ganzen Tag über im Ensdorfer Bad verbringen, gibt es ein großes Lob an den Kiosk. „Die Currywurst ist richtig gut“, sagt Christina.

Ein bisschen müde sind am späten Nachmittag die vier Mädels, die auf dem Baumstamm im Kinderbereich sitzen. „Ich war heute fünf Mal im Wasser“, berichtet die sieben Jahre alte Sophie-Charlotte aus Ensdorf. Sie hat inzwischen ihren Bikini gegen das Sommerkleid getauscht, bald geht es heim. „Wir sind am Wochenende oft mit den Familien im Ensdorfer Freibad“, sagt Papa Gerrit Leiher, zugezogener Ensdorfer. Das Schwimmbad hat längst sein Herz erobert. „Das muss unbedingt erhalten bleiben, auch vor dem Hintergrund der Bäderschließungen“, sagt er. Ebenfalls schon als Kind in Ensdorfer Freibad unterwegs war Thomas Rupp aus Ensdorf, sein Opa war beim Bau mit von der Partie. Ihm fehlt ein bisschen das Eisengitter, auf dem er als Kind gerne gesessen hat „Ich habe viele Veränderungen miterlebt, das Schwimmbad ist klasse. Vor allem die Präsenz der Schwimmmeister möchte ich in diesem Jahr besonders loben“, sagt er.

Diese Damen haben seit Kindertagen ihren Spaß im Freibad (von links): Jutta Hiery, Maria Stojkovski, Christel Becker, Monika Bartel und Christel Urig. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Gerrit Leiher (links) und Thomas Rupp sind mit ihren Familien oft und gerne im Ensdorfer Freibad zu Gast. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Sie sind müde nach einem langen Tag im Freibad (von rechts): Sophie-Charlotte, Merle, Clea-Marie und Noelle. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Katharina Otto (links) und Christina Rossi kommen am Wochenende zum Baden aus Kirkel-Limbach nach Ensdorf. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Marlies Huberty sitzt bereits seit zwölf Jahren an der Kasse. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel
Für Susanne Bartel-Groll gehört das Bad einfach zum Sommer. Foto: Merkel Carolin/Carolin Merkel

Übrigens: Für alle Interviewpartner stand am Samstag fest: Sie werden bei den Feierlichkeiten kräftig auf den 80. Geburtstag ihres Lieblingsschwimmbades anstoßen.