| 19:12 Uhr

Ein Konzept mit besonderem Charme

Ein Beispiel für ein modernes Biomasse-Zentrum: Die Anlage des Sydeme in Morsbach (Nähe Forbach). Foto: PR
Ein Beispiel für ein modernes Biomasse-Zentrum: Die Anlage des Sydeme in Morsbach (Nähe Forbach). Foto: PR FOTO: PR
Ensdorf. In Ensdorf soll bis 2020 ein Biomasse-Zentrum entstehen, um hier künftig Strom, Wärme und Kompost aus den Bioabfällen der saarländischen Haushalte herzustellen. Gemeinsam mit der Saarbrücker Zeitung informiert der Entsorgungsverband Saar (EVS) derzeit über den Standort und natürlich auch darüber, wie ein solches Biomasse-Zentrum funktioniert. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Michael Brück haben die beiden EVS-Geschäftsführer Michael Philippi und Georg Jungmann noch einmal einige wichtige Fragen rund um die Biomasse beantwortet.


Herr Philippi, Herr Jungmann, warum wird künftig das Biogut innerhalb des Saarlandes verwertet?

Georg Jungmann : Es ist das erklärte Ziel der Landesregierung, die Wertschöpfung für das Material künftig im Land zu halten. Die moderne Anlage steht für einen in sich geschlossen Stoffkreislauf , bei dem - und das macht den besonderen Charme des Konzeptes aus - etwas, das wir als Abfall entsorgen, zu Energie und Kompost umgewandelt wird. Die Bürgerinnen und Bürger sehen das Ergebnis ganz direkt, wenn sie mit dem hier entstehenden Saar-Kompost ihren Garten düngen. Das macht alles richtig Sinn, ist rundum durchdacht und entspricht genau dem, was ein modernes Verwertungskonzept ausmacht.

Der EVS hat intensiv nach einem geeigneten Standort für sein Biomasse-Zentrum gesucht. Ein Grund dafür war, dass gleich mehrere Kriterien passen mussten. Dazu gehörte auch ein Abstand von mindestens 500 Metern zur nächsten Wohnbebauung. Warum wurde bei der Auswahl besonders auf dieses Kriterium so viel Wert gelegt?



Michael Philippi : Laut Bundesimmissionsschutzgesetz müssen entsprechende Anlagen einen Abstand von mindestens 300 Metern zur Bebauung einhalten. So soll sichergestellt werden, dass die Bürger keinen Geruchs- und Lärmbelästigungen ausgesetzt sind. Wir haben quasi noch "eins draufgepackt", um ganz sicher gehen zu können, dass die Bürgerinnen und Bürger keinerlei Beeinträchtigung erfahren.

Die Idee, aus Bioabfällen Strom, Wärme und Kompost zu gewinnen, ist ja eigentlich lobenswert. Das System funktioniert aber nur, wenn die Anzahl der Störstoffe im Bioabfall so gering wie möglich ist. Was kann man von Seiten des EVS tun, um die Störstoffe niedrig zu halten? Müssen hier auch die Bürger stärker aufgeklärt werden?

Jungmann: Das ist auf jeden Fall ein Thema, mit dem wir an die Bürger herantreten müssen. Nur, wenn die Biotonnen keine Störstoffe - wie Plastiktüten, Verpackungen, Metall oder Glas - enthalten, läuft die Verarbeitung reibungslos und es kann Qualitätskompost entstehen. Es muss unbedingt sauberes Material in die Anlage gegeben werden, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Das Aussortieren und die getrennte Entsorgung der Störstoffe kostet außerdem viel Geld, das über den Gebührenhaushalt beglichen werden muss.

Wie viele Biomasse-Zentren könnten im Saarland effizient betrieben werden, ohne beispielsweise Biogut aus anderen Bundesländern aufnehmen zu müssen?

Philippi: Das EVS Biomasse-Zentrum in Ensdorf wird eine zentrale Anlage für den saarländischen Bioabfall aus der Biotonne, das so genannte Biogut. Sie soll so ausgelegt sein, dass sie mit dem saarländischen Biogut ausgelastet sein wird. Wir gehen nicht davon aus, dass wir weitere Großanlagen für das Biogut bauen müssen. Umgekehrt erwarten wir auch nicht, dass wir Biogut von außerhalb des Saarlandes benötigen werden, um die Anlage auszulasten. Das EVS Biomasse-Zentrum soll schlichtweg eine Rundum-Lösung für die Saarländerinnen und Saarländer werden.

Michael Philippi. Foto: EVS
Michael Philippi. Foto: EVS FOTO: EVS
Georg Jungmann. Foto: EVS
Georg Jungmann. Foto: EVS FOTO: EVS