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Ein Gipfelsturm der speziellen Art

Ein Gipfelsturm der speziellen Art

Ensdorf. Zu übersehen ist dieser Kunstberg wirklich nicht. Er liegt einfach so in der Landschaft. Von weitem erscheint das noch recht "putzig". Aber aus der Nähe ist zu erkennen, was für Mengen von Gestein und/oder Abraummaterial auf der Bergehalde Ensdorf abgeladen worden sind - und wie sich daraus ein formidabler Hügel bildete

Ensdorf. Zu übersehen ist dieser Kunstberg wirklich nicht. Er liegt einfach so in der Landschaft. Von weitem erscheint das noch recht "putzig". Aber aus der Nähe ist zu erkennen, was für Mengen von Gestein und/oder Abraummaterial auf der Bergehalde Ensdorf abgeladen worden sind - und wie sich daraus ein formidabler Hügel bildete. Stolze 150 Meter Höhe misst die Halde direkt neben der Grube Ensdorf (auch bekannt unter dem Namen Duhamel), 50 Hektar Fläche nimmt sie insgesamt in Anspruch. Wer sich an den Aufstieg macht, der sollte etwas Kondition mitbringen und robustes Gehwerkzeug anhaben. Feste Schuhe, weil der Wanderer zu Beginn seines Marsches zwar glauben könnte, er sei in einem lichten Hangwald, doch beim Blick auf den Boden stets das so genannte taube Gestein sieht, das grau-schwarz ist und ziemlich spitze Brocken enthält. Eine Portion Fitness benötigt in jedem Fall der, der meint, er müsse die Steilstrecke hinauf kraxeln. "Selbst schuld", ruft mir der innere Schweinehund - glücklicherweise lautlos! - zu, als ich keuchend Schritt für Schritt gen Gipfel strebe, weil ich eben diese Route gewählt habe. Später geht es direkt neben einem Metallgitterzaun entlang. Dahinter sorgt ein Förderband von der Grube dafür, dass die Bergehalde weiter wächst und wächst, denn "unten im Tal" wird immer noch Kohle und damit entsprechendes Abraummaterial gefördert. Immerhin: Nach 20 Minuten ist der Aufstieg vollbracht. 330 Meter über Normalnull steht der Halden-Erklimmer nun. Und sieht eine Himmelsleiter, die womöglich davon künden soll, dass der Mensch noch immer weiter und weiter nach oben strebt. Der Ausblick ist einfach fantastisch. Bei gutem Wetter sind bei einer 360-Grad-Drehung die nähere und sogar die fernere Umgebung komplett bestens zu überschauen. Ganz schön klein sieht manches von hier oben aus. Geradezu putzig wirken die Häuser und Gärten in Ensdorf. Doch. Es ist schön hier. Das hat sich gelohnt.Und der Abstieg ist danach fast ein Kinderspiel. Jetzt nehme ich zudem die etwas flachere Strecke. Und schreite beschwingten Schrittes talwärts, wenn man sagen darf. Schnaufend kommen mir zwei Männer entgegen, die später von oben mit einem Gleitschirm hinab segeln wollen. Vor ihrem Vergnügen, das sie bestimmt haben werden, bleibt auch ihnen die körperliche Anstrengung nicht erspart. Dann stehe ich auf einem Plateau und erblicke ein fein säuberlich eingezäuntes Areal mit Weinreben. "Jetzt ein Gläschen Haldenwein, das wäre ziemlich fein", denke ich. Doch den Buschenschenk zum Grubengold gibt es nicht. Vielleicht kommt er ja aber noch im Zuge der weiteren touristischen Nutzung der Bergehalde. Letztlich kann mir das ziemlich egal sein. Das braucht es nicht unbedingt. Wieder unten angekommen, genießt der Wanderer das Gefühl, eine Erstbesteigung der besonderen Art vollbracht zu haben - und mag nicht verhehlen, dass er tief beeindruckt ist von dem, was da im Gefolge des Steinkohleabbaus entstand. Als Wahrzeichen oder gar Denkmal der Industriegeschichte in dieser Region hat es einen eigenen Wert, was immer auch viele Zeitgenossen heutzutage vom Bergbau und seinen Auswirkungen denken mögen.

Auf einen BlickDie Halde Ensdorf ist eine von rund 100 im Saarland, die im Zuge des Steinkohle-Bergbaus entstanden sind. Wer sie besteigen möchte und im Auto anfährt, parkt den Pkw am besten an der Großsporthalle im Ort (Straße Im Sportzentrum). Der Auf- und Abstieg vom Mittelplateau bis zum Gipfel ist allerdings für ältere und gehbehinderte Menschen sowie für Familien mit Kleinkindern und Kinderwagen nicht geeignet. Wer weitere Halden besteigen und sich dabei intensiv mit der regionalen Industriegeschichte auseinandersetzen möchte, der kann das beispielsweise auch auf einem insgesamt 46 Kilometer langen Haldenrundweg durch den Großraum Saarbrücken tun. Weitere Infos dazu sind im Internet unter www.die-region-saarbruecken.de und www.saarkohlenwald.de zu finden. in