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Der Ton wird allmählich schärfer

Der Ton wird allmählich schärfer

Dillingen. Wirtschaftsförderung lautete ein Stichwort bei der zweiten Podiumsdiskussion der beiden Landratskandidaten am Donnerstag in der Dillinger Stadthalle. Diese sei im Kreis noch ausbaufähig, da waren sich Patrik Lauer (SPD) und Thomas Hartz (CDU) auch mal einig. "Wir müssen uns im Bereich der Wirtschaftsförderung genauer aufstellen", forderte Lauer

Dillingen. Wirtschaftsförderung lautete ein Stichwort bei der zweiten Podiumsdiskussion der beiden Landratskandidaten am Donnerstag in der Dillinger Stadthalle. Diese sei im Kreis noch ausbaufähig, da waren sich Patrik Lauer (SPD) und Thomas Hartz (CDU) auch mal einig. "Wir müssen uns im Bereich der Wirtschaftsförderung genauer aufstellen", forderte Lauer. "Es gibt viele Doppelstrukturen, alle machen Wirtschaftsförderung, aber es ist wenig koordiniert." Er setze auf passgenaue Programme. "Aber die Wirtschaftsförderung ist personell nicht gut ausgestattet, das müsste man ändern." Da stimmte Hartz zu: "Der Wirtschaftsförderungsverband Untere Saar muss in Zukunft einen Mehrwert für uns alle schaffen. Aber ein Verband kann nur so gut arbeiten, wie ihm Mittel zur Verfügung stehen. Man muss überlegen, wie man ein Gebilde schafft, das erstens Unternehmen ansiedelt und zweitens diese auch begleitet." Es gebe zur Zeit unterschiedliche Auffassungen darüber, wer überhaupt zuständig ist: Land, Kreis oder Kommunen. Die Wirtschaftsförderung sei ein "Paradebeispiel dafür, wie wir interkommunal zusammenarbeiten können", betonte Hartz.

Beispiele aus den Kommunen

Andreas Krüger, Unternehmer aus Dillingen, wollte von den Kandidaten wissen, welche Möglichkeiten ein Landrat überhaupt zur Wirtschaftsförderung hat und auf welche Erfolge beide in ihren Kommunen verweisen können. "Ich bin überzeugt, ein Landrat kann sehr wichtige Impulse setzen", erklärte Lauer. Seine Gemeinde Nalbach als Null-Emissions-Gemeinde sei ein Paradebeispiel dafür, wie man das regionale Handwerk stärken könne, das sei auch auf Kreisebene möglich. "Das ist ein Kreislauf, bei dem das Geld in der Region bleibt und man gleichzeitig Gutes für die Umwelt tut." Außerdem spielten die "weichen Faktoren" eine Rolle, also ein gutes Umfeld für Investoren, mit Gewerbeflächen, Schulen und einer Umgebung, in der sich Mitarbeiter wohlfühlten. Lauer: "Wir müssen dem Trend entgegenwirken, dass uns die jungen Leute wegrennen, wenn wir nicht vergreisen wollen." Nalbach sei zwar eine Wohngemeinde, habe sich aber trotzdem sehr gut entwickelt, betonte Lauer. "Wir versuchen, aus unseren Möglichkeiten etwas zu machen."

Hartz verwies auf erfolgreiche Ansiedlungen in Ensdorf, wie Bauhaus oder Globus-Drive, die AWO-Werkstatt oder Schaper. Außerdem liefen intensive Verhandlungen mit der RAG und dem Umweltministerium über das Gelände der Tagesanlage, um ein Nachfolgekonzept für den Bergbau zu entwickeln. Hartz: "Ein Landrat muss und kann dafür werben, dass sich Unternehmen gerne ansiedeln. Wir alle müssen für unseren Landkreis werben und den Menschen deutlich machen: Es lohnt sich, ins Saarland zu ziehen."

Ideen und Visionen

Moderator Mathias Winters wollte wissen, welche Ideen die beiden Kandidaten für die drei großen Flächen im Landkreis, nämlich auf dem Lisdorfer Berg, dem Kasernengelände in Saarlouis und dem Grubengelände in Ensdorf, haben. Ohne sich auf eines der drei Gelände festzulegen, schlug Lauer vor, eine Hochschulfakultät in den Landkreis zu holen, um "jungen Menschen ein Studium in der Heimat zu ermöglichen". Er könne sich eine Auto-Uni sehr gut vorstellen, angedockt zum Beispiel an den Supplier-Park in Saarwellingen, um an Elektro-Autos zu forschen.

Als zweite Idee schwebe Lauer "ein Zentrum für Energieeffizienz" vor, ähnlich dem Umweltcampus in Birkenfeld. "Das ist nicht so abwegig, und es wäre wichtig, eine Forschungeinrichtung in den Landkreis zu holen, auch um sich von anderen Landkreisen abzuheben."

Hartz verwies darauf, dass ein Landrat hier nur Ideengeber sein könne, aber nicht entscheide. Für die Tagesanlage in Ensdorf gebe es bereits "konkrete Überlegungen" mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), um dort das Thema Energieeffizienz zu erforschen.

Leiharbeit und Rente mit 67?

Timo Brücker von den Jusos Dillingen fragte: "Wie wollen die Kandidaten dem Fachkräftemangel entgegenwirken, und wie stehen sie zu Leiharbeit?" Hartz erklärte: "Wir müssen gerade Jugendliche, die es nicht so einfach haben, heranführen an die Unternehmen. Leiharbeit kann ein guter und wichtiger Weg sein, um jemand wieder in Arbeit zu bringen. Eine zeitliche Begrenzung wäre aber eine Möglichkeit."

Lauer forderte hingegen: "Wir müssen deutlich mehr im Bildungsbereich tun. Auch junge Menschen aus bildungsfernen Schichten müssen eine echte Chance bekommen. Dafür können wir sehr viel tun: In jeder Stadt sollte es an jeder Schulform mindestens eine Ganztagsschule geben." Zeitarbeit unterbreche die Erwerbsbiografien, sagte Lauer: "Die Welle von Altersarmut und die vielen Aufstocker sind eine Schande für unser Land."

Lars Desgranges interessierte die Einstellung der Kandidaten zur Rente mit 67. Auch hier gingen die Ansichten weit auseinander: Während für Lauer die Rente mit 67 "derzeit absolut kein Modell" sei, führt für Hartz "kein Weg daran vorbei".

Aufgeheizte Stimmung im Saal, als Matthias Fries von der Jungen Union, eine Stellungnahme zum Slogan auf den Wahlplakaten "Landrat Lauer" verlangte. Lauer bezeichne sich fälschlicherweise schon als Landrat, das sei "ein Schlag ins Gesicht der Wähler". Lauer reagierte gelassen: "Kraft und Können verkörpert eine politische Gleichung. Wer was will, kriegt den Landrat Lauer." Hartz kommentierte schlicht: "Ich führe einen Wahlkampf für mich, nicht gegen Lauer."

Karin Adams-Altmeyer meldete sich als Mitarbeiterin des Landkreises zu Wort und wollte von jedem drei gute Gründe hören, warum die rund 800 Bediensteten einen von beiden als zukünftigen Chef wählen sollten. Hartz erklärte: "Erstens: Weil ich für Ideen stehe und für den Landkreis. Zweitens: Weil nicht der Landrat die Arbeit leistet, sondern die Mitarbeiter. Ich vertraue auf die Mitarbeiter, und ich kann animieren, motivieren und Ansprechpartner sein. Und drittens: Ich möchte Sympathien rüberbringen, nicht nur bei den Wählern, auch bei den Mitarbeitern."

Lauer fasste sich etwas kürzer: "Erstens: Ich bin ein Teamspieler. Zweitens: Ich bin es gewohnt, meinen Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen. Und drittens: Ich garantiere, mit mir wird es nie langweilig."