„Der Kuchen ist bestellt“

Margareta Schwarz kann auf ein 100-jähriges Leben zurückblicken. Gerne erinnert sie sich an viele liebe Menschen. Der schwerste Schicksalsschlag war, als sie 1996 ihren Sohn verlor.

"Wenn man 100 Jahre alt wird, dann geht einem so viel durch den Kopf, vor allem nachts. Ich glaube, weil ich immer denke, kann mein Hirn gar nicht rosten", erklärt Margareta Schwarz und lacht. Die Bewohnerin des Seniorenhauses St. Augustin in Ensdorf feiert am 4. Dezember ihren 100. Geburtstag. "Im Kopf bin ich absolut klar, doch meine Beine wollen nicht mehr so", sagt sie. Dennoch, mit ihrem Rollator versucht sie jeden Tag ein bisschen Bewegung in den Alltag zu bringen. "Auch die Angebote hier im Haus sind schön, wir basteln, singen oder machen Sport im Sitzkreis, langweilig wird mir nie", sagt die Witwe, die seit zwei Jahren im Dachgeschoss mit herrlichem Ausblick auf die Bergehalde wohnt.

Wenn sie über ihre 100 Lebensjahre, die am 4. Dezember 1916 in Honzrath begannen, nachdenkt, fallen ihr sofort die vielen lieben Menschen ein, von denen sie sich verabschieden musste. Allen voran von ihrem Sohn Gerd, der 1996 im Alter von 55 Jahren starb. "Wenn die Eltern sterben, ist das der Lauf der Dinge, aber das eigene Kind, das war der schwerste Schicksalsschlag in meinem Leben", sagt sie.

Ein großer Verlust bedeutete die Nachricht vom Tod ihres Mannes Josef. "Genau am 26. Oktober 1943, am vierten Hochzeitstag, habe ich erfahren, dass er gefallen ist", erinnert sie sich. Damals war sie gerade mal 27 Jahre alt. "Ich habe nicht mehr geheiratet, bin bei meinen Eltern untergekommen, habe dort im Laden geholfen".

Heute kümmern sich ihre Neffen und ihre Enkelin liebevoll um sie, werden auch am Geburtstag mit ihr feiern. "Ganz ehrlich, ich wäre schon froh, wenn der Geburtstag vorbei wäre. Ich kann gar nicht mehr schlafen, es geht mir so viel durch den Kopf", sagt sie. "Der Kuchen ist bestellt, der Bürgermeister hat sich angesagt und sogar der Landrat. Aber mal ganz ehrlich, 100 Jahre, das ist doch keine Zahl, wo man noch lebt", sagt Margareta Schwarz, die seit mehr als 80 Jahren in Ensdorf lebt.