Der Ensdorfer Raimund Kläser dichtet in Hochwälder Mundart

Der Ensdorfer Raimund Kläser dichtet in Hochwälder Mundart

Ensdorf. Die Mundart, die der heutige Ensdorfer Raimund Kläser in seiner Kindheit und Jugend in seinem Geburtsort Wadern-Krettnich gelernt und gerne gesprochen hat, gibt es so heute gar nicht mehr. Kläser: "Sie ist verwässert." Deshalb möchte er ein Stück der Sprache bewahren: in einem neu erschienen Gedichtband, der viele Reime in Hochwälder Mundart enthält

Ensdorf. Die Mundart, die der heutige Ensdorfer Raimund Kläser in seiner Kindheit und Jugend in seinem Geburtsort Wadern-Krettnich gelernt und gerne gesprochen hat, gibt es so heute gar nicht mehr. Kläser: "Sie ist verwässert." Deshalb möchte er ein Stück der Sprache bewahren: in einem neu erschienen Gedichtband, der viele Reime in Hochwälder Mundart enthält. "Derrhäem" heißt das Büchlein, das Werke von den 50er Jahren bis heute vereint. Kläser: "Heute schreibe ich nur noch in Hochsprache, mache auch manchmal moderne Gedichte ohne Reim." Dabei drückt er sich in beidem genauso gut und gerne aus: Egal, ob Hochwälder Dialekt oder Hochdeutsch - Hauptsache, die Idee stimmt. Nur dann fließen Verse. Die meisten Eingebungen hat der Dichter in der Natur: Es inspirieren ihn Erlebnisse, die Jahreszeiten, Feste, Landschaften. Er sagt: "Dann sehe oder erlebe ich etwas und meine, dazu musst Du jetzt unbedingt ein Gedicht machen." Meistens fallen ihm gleich Reime ein, die er sich lange Jahre seines Schaffens immer gut gemerkt hat, bis er sie aufschrieb. Heute, erzählt der 74-Jährige "muss ich meine Ideen sofort niederschreiben, sobald ich daheim bin. Per Hand ins Unreine." Die Zettel sammelt Kläser und gießt sie später in ein Ganzes. Dies verdanke er dem inzwischen gestorbenen Hochwälder Mundartdichter Matthias Lang. "Er war mein Vorbild. Er wurde über Veröffentlichungen auf mich aufmerksam und gab den Anstoß, Gedichte und Geschichten zu schreiben." 1958 wurde Kläser Lehrer in Griesborn, wo er bis zur Pensionierung 1997 arbeitete. Im selben Jahr hatte er auch eine Ensdorferin geheiratet, zog zu ihr und lebt bis heute dort. Im Ensdorfer Dialekt aber schreibt er nicht: "Selbst wenn ich wollte: Ich könnte es nicht. Das wäre nicht echt." In Krettnich hingegen, wenn er ältere Menschen trifft, sprudelt die Mundart seiner Kindheit aus ihm heraus. mcs"Derrhäem", Raimund Kläser, Gedichte in Hochwälder Mundart und Hochdeutsch. Für zwölf Euro in der Saarlouiser Buchhandlung "Bock & Seip" erhältlich. "Öm Grombersteck öss Lärwe wei:De Leit doun hacke, darr et klirrt,holln Stock em Stock on Reih em Reihon schmäiß'n de Grombern of de Stra-u.Et geft geschafft, doch aach gerouht,mötnanner vil gesproocht on gesson ön de Gejend aach gelout.So hackt et sich nommo su gudd. "Die ersten beiden Strophen von "Öm Grombersteck": Ein Gedicht von Raimund Kläser

Zur PersonRaimund Kläser ist 1934 in Wadern-Krettnich geboren. Mit 16 schrieb er erstmals für die Familienzeitschrift "Nach der Schicht" eine Kurzgeschichte. 1957 veröffentlichte er erste Gedichte in Hochsprache und Mundart in der Saarbrücker Zeitung. Seine Gedichte erschienen bis in die 70er, seine Vereins-, Kommunal- und Kirchenartikel bis in die 90er; er veröffentlichte unter anderem in den SZ-Lokalteilen Merzig-Wadern und Saarlouis, im Bistumsblatt "Paulinus", im Bergmannskalender, in der Zeitschrift "Schacht und Heim", in Heimatbüchern von Lockweiler-Krettnich und des Kreises Merzig-Wadern. Bis heute ist Kläser freier Mitarbeiter der SZ Saarlouis und der Zeitschrift "Lehrer und Schule heute" des saarländischen Lehrerverbandes. Der Mitautor eines Sammelbandes gab drei eigene Bücher mit Erzählungen und Gedichten heraus. mcs