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Bergbau-Tradition
„Bewahren und Wissen weitergeben“

Der Gedenkstein steht auf dem Duhamel-Gelände für tödlich verunglückte Bergleute.
Der Gedenkstein steht auf dem Duhamel-Gelände für tödlich verunglückte Bergleute. FOTO: Günter Felten
Ensdorf . Der Bergarbeiter-Verein Ensdorf kann unter anderem die letzte Dampfmaschine im deutschen Bergbau vorweisen. Von Johannes Bodwing

Die Tradition lebt fort, auch wenn der Bergbau im Saarland seit 2012 beendet ist. Einer der Träger dieses besonderen Brauchtums und Wissens ist der Berg- und Hüttenarbeiterverein St. Barbara Ensdorf. „Wir wollen zeigen, dass wir ein Bergmannsverein sind, der noch lebt“, sagte dessen Vorsitzender, Günter Felten, im „Barbarakeller“ in der Straße Am Pfarrgarten in Ensdorf.


Eine Besonderheit des Vereins, erklärte der zweite Vorsitzende, Frank Baumann, sind Mitarbeiter des Kraftwerkes Ensdorf. Vor etwa 25 Jahren hatte der Verein noch 1000 Mitglieder, heute 280. 110 davon Frauen, etwa 30 gehören zum harten Kern der Aktiven. „Ich bin montags in den Bergmannsverein“, sagte Felten, „und gleich im Vorstand gelandet. Seit 40 Jahren ist er Mitglied, seit 20 Vorsitzender.

Es gehe nicht nur darum, Altes zu bewahren, sondern auch Wissen weiter zu geben, meinte er. Dazu biete der Verein seit gut einem Jahr Führungen in der historischen Förderanlage Duhamel an. Zu diesem Ensemble gehören der weithin sichtbare Förderturm, die Maschinenhalle sowie Maschinen. All das ist unter Denkmalschutz. Rund eine Stunde müsse man einplanen, denn „die Leute haben unheimlich viele Fragen“, sagte Felten. Besitzer sei die RAG, aber „wir beleben das Gebäude mit Besuchern“, sagte Baumann. Dort steht noch eine alte Fördermaschine. Die lief von 1918 bis 2012. „Als letzte Dampfmaschine im deutschen Bergbau.“



Weitere Aktivitäten des Vereins sind die Teilnahme an Veranstaltungen in der Gemeinde und bei Vereinen jenseits der deutsch-französischen Grenze. Beim Ensdorfer Weihnachtsmarkt sind sie dabei, im Barbarakeller findet jährlich ein Rosenmontagstreffen mit närrischem Treiben statt. Von den Aktiven sei der Älteste 83 Jahre alt, der Jüngste 47. Die ältesten Mitglieder des Vereins seien derzeit um die 100 Jahre. Pro Jahr gebe es etwa 20 Sterbefälle. Bei Beerdigungen von Vereinsmitgliedern seien sechs Träger in Bergmannstracht mit Fahne und Kerze dabei. „Wir sind noch die Einzigen, die so was machen“, sagte Baumann.

Der große Tag ist natürlich der Barbaratag. Ein Termin, an dem sich der Stolz auf den Beruf mit der Trauer um die Toten vermischen. Denn dieser Knochenjob hat dem Saarland nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. Er hat etwa 800 bis 900 Menschenleben gefordert. Ein Beispiel sind die 20 Opfer der Katastrophe von 1948 auf Duhamel. „Das ist heute fast vergessen“, bedauerte Baumann.

Einen Tag vor Heilig Abend, kurz nach 18 Uhr, war auf der 13. Sohle ein Streckenbrand ausgebrochen. Giftige heiße Brandgase trieben durch die Stollen. Während Bergmänner um ihre Leben liefen, rannte der 17-jährige Knappe Edmund Weber aus Lisdorf von Abbaukammer zu Abbaukammer. Er warnte dort arbeitende Kameraden. Weber erstickte später vor der rettenden Wettertür. Gegen 20 Uhr wurde die gesamte Grubenbelegschaft aus den Stollen geholt.

Rettungsmannschaften mit Atemluftflaschen versuchten, zu Verunglückten vorzudringen. Trotz enormer Hitze konnten sie noch drei Schwer- und vier Leichtverletzte retten. Dabei galt Duhamel als eine der sichersten Gruben im Saarland.

Über 35 Jahre ihres Bestehens hinweg hatte es bis dahin kein Unglück größeren Ausmaßes gegeben. Für die Opfer im saarländischen Bergbau stehe ein Gedenkstein auf Duhamel, erklärte Felten. Der rund 1,8 Meter hohe Granitstein war vormals in Luisenthal, dann kam er auf das mittlere Plateau der Bergehalde Ensdorf. Später wurde er vor dem Maschinenhaus aufgestellt.

Dort wird am Barbaratag, Dienstag, 4. Dezember, zehn Uhr, ein Kranz niedergelegt. Um 10.30 Uhr ist in der Ensdorfer Pfarrkirche St. Marien ein Gottesdienst. Ab 12 Uhr geht die Barbarafeier im Bergmannsheim weiter.