1. Saarland
  2. Saarlouis

Einzelhandel Kreis Saarlouis Corona-Pandemie Dillingen Lebach

Stimmen aus dem Kreis Saarlouis : Für Einzelhändler „geht’s ums nackte Überleben“

„Die neuen Bestimmungen für den Einzelhandel verbessern natürlich die Situation unserer Geschäftsleute nicht“, sagt Harald Feit, Vorsitzender des Saarlouiser Verbandes: „Die Neuregelungen schaffen neue Probleme, so müssen die Geschäfte jetzt wieder anfangen, Kunden zu zählen.

Bei kleineren Läden ist das noch überschaubar, größere Geschäfte und Märkte müssen jedoch eigens Mitarbeiter dafür abstellen.“

Diskutiert wurde mancherorts in der Republik die Idee, die Geschäfte auch an den kommenden drei Adventssonntagen öffnen zu lassen. Diese Überlegung wird vom Saarlouiser Verband unterstützt. „Auch wenn wir dafür in den sozialen Medien viel Kritik einstecken mussten“, berichtet Feit: „Den Kritikern muss ich jedoch entgegenhalten, dass die Einzelhändler das nicht aus Profit-Gier tun, für sie geht’s ums nackte Überleben. Wenn jetzt auch noch das Weihnachtsgeschäft wegbricht, wird’s für viele ganz, ganz schwer.“

Feit zeigt zwar grundsätzlich Verständnis für die Maßnahmen, da die Eindämmung der Pandemie Vorrang vor allem habe, mit einer Entscheidung kann er sich aber nicht abfinden: „Die Gastronomie zu schließen, war und ist ein Fehler.“ Die Wirte hätten ausgeklügelte Hygienekonzepte umgesetzt. „Die Schließung bedroht nicht nur die Existenz vieler Gastronomen, sie schadet auch dem Einzelhandel. Man spürt, dass viele Kunden lieber gleich ganz zu Hause bleiben, wenn sie das Erlebnis Einkaufen und Genießen nicht miteinander verbinden können. Durch die Wieder-Öffnung der Gastronomie hätte auch der Einzelhandel spürbar Wind unter die Flügel bekommen.“

„Durch die neuen verschärften Hygienemaßnahmen wird es im Einzelhandel weitere massive Umsatzeinbußen geben, die viele nun endgültig nicht mehr kompensieren können“, befürchtet Joachim Johannes, Vorsitzender des Dillinger Verbandes für Handel, Industrie und Handwerk (VHIH). „Der Einzelhandel ist wie kein anderer Wirtschaftszweig seit Beginn von Corona massiv unter Druck geraten.“ Schon durch den ersten Lockdown seien viele Kunden, gerade der Textil-Branche, zum Onlinehandel abgewandert. In den Sommermonaten habe es eine leichte Besserung gegeben, durch den neuen Teil-Lockdown seien die Bemühungen der Händler wieder zunichte gemacht worden. „Nach den Einbußen seit März hoffte der Einzelhandel auf die traditionelle umsatzstarke Vorweihnachtszeit.“

Mit Blick auf die kleinen Einzelhändler sagt er, dass für diese die Hygienemaßnahmen jetzt schon eine hohe Belastung seien – und die Öffnung an Sonntagen würde dies nicht verbessern.

Jennifer Mahl, Co-Vorsitzende des Lebacher Verkehrsvereins, hält weitere Sonntagsöffnungen im Teil-Lockdown für nicht angebracht: „Viele Branchen müssen geschlossen bleiben, und Gastronomen nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahr. Das wäre weder gerecht noch nachvollziehbar.“ Man solle auch an das durch die Situation belastete Personal denken. Zudem finde sie die regulären Öffnungszeiten völlig ausreichend für die Weihnachtseinkäufe.

„Ich finde, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem der Konsum nicht weiter künstlich gesteigert werden kann“, sagt sie. Und plädiert: „Zurück zum echten Fachgeschäft!“ Massen- und Billigware gebe es bei den Onlinehändlern zuhauf. Die inhabergeführten Läden müssten jetzt die Chance nutzen, sich durch regionale und nachhaltige Produkte abzuheben.