Weihnachtsfeier der Lions Dillingen

Lionsclub Dillingen : „Die Atmosphäre ist dermaßen herrlich“

Die Weihnachtsfeier des Lions Clubs Dillingen erfreute mehr als 260 Bedürftige. Die Anzahl der Gäste ist gestiegen.

Routiniert fahren die Hände durch die nassen Haare und führen eine Strähne mit zwei Fingern zusammen. Dann zückt Camelina Schorn die Schere und kürzt mit einem Schnitt die Spitzen. Regelmäßig zum Friseur gehen, „ein Luxus, den sich viele nicht leisten können“, weiß Schorn, deswegen schneidet sie Bedürftigen bei der zweiten Weihnachtsfeier des Dillinger Lions Clubs kostenlos die Haare. Bei ihr im Salon herrscht Hochbetrieb, zusammen mit drei weiteren Kolleginnen lässt sie die Scheren heiß laufen. „Ich helfe gerne“, sagt Schorn, „es ist für mich selbstverständlich, weil die Menschen mir sehr wichtig sind“.

Schon bei der ersten Weihnachtsfeier hat sie mitgeholfen, unvergessen bleiben ihr die glücklichen Gesichter von Kindern und Erwachsenen, die das Angebot dankend annehmen. Wie sie sind am Sonntagmittag mehr als 50 Helfer des Lions Clubs im Einsatz, auch ihre Familien und die Jugendorganisation „Leo Club Vicus Ferri“ packen mit an, um bei der „Weihnachtsfeier der Begegnung“ in der Römerhalle für Einsame und Bedürftige da zu sein. „Es ist sensationell, wie viele helfen“, sagt der Präsident der Dillinger Lions, Andreas Jung.

Auch Mandy Jacob-Steil und Marius Steil packen mit an – bei der Kleiderbörse, die aus privaten Spenden besteht. Stapelweise liegen die Kleidungsstücke auf den Tischen ausgebreitet, weitere hängen an den Kleiderständern. „Die Kleider wurden grob nach Größe sortiert“, erzählt Marius Steil, „viele suchen für die kalte Zeit jetzt gezielt nach Pullis oder Jacken“.

Auch Kleidung und Schuhe für Kinder gibt es, jeder darf so viel mitnehmen, wie benötigt wird. „Das ist meine Lieblingsaktion“, sagt Mandy Jacob-Steil, „weil wir auch Zeit spenden. Wir haben direkten Kontakt zu den Menschen, denen wir helfen und bekommen so viel zurück“, findet sie.

Ein Eindruck, den auch die Organisatorin der Veranstaltung, Myriam Scherer, teilt. Seit Herbst liefen die Vorbereitungen für die Feier, viele Stunden fließen in das Engagement. „Es gibt unheimlich viel zurück“, berichtet sie, „wir kriegen ganz viel Rück­meldung, auch beim Sozialamt bedanken sich die Menschen“. Die Anzahl der Gäste ist dabei im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Waren es vergangenes Jahr noch 150 Männer, Frauen und Kinder, sitzen am Sonntag mehr als 260 Bedürftige an den Tischen, können sich mit einer warmen Mahlzeit und bei Kaffee und Kuchen stärken.

An jeden verteilen die Lions eine randvoll gefüllt Tüte mit Lebensmitteln. „Eine Frau bedankte sich und meinte, dass sie jetzt für Weihnachten etwas zu essen hat. Das freut uns“, erzählt Scherer. Neben Lebensmitteln verteilen die Ehrenamtler auch eine Tüte mit Hundefutter und Hygieneartikeln, den Kindern überbrachte der Nikolaus eine Tüte mit Süßem.

In der Halle herrscht eine weihnachtliche Stimmung. Während die Kinder basteln und toben, kommen die Menschen untereinander ins Gespräch, verbringen Zeit miteinander. „Uns ist der Dialog wichtig“, sagt Scherer.

„Die Atmosphäre ist dermaßen herrlich“, erzählt ein Gast, der anonym bleiben möchte, „man trifft Leute, die auch bedürftig sind, kriegt leckeres Essen und die Musik ist toll“, findet er, „an Weihnachten geht es nicht darum, teure Gegenstände zu verschenken, sondern füreinander da zu sein“. Vor zwei Jahren verlor er seinen Job, ihm hilft das Angebot der Lions. Sein Ziel? „Raus aus der Bedürftigkeit und selbst helfen.“

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