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Von Abofallen bis zum Nepp an der Haustür

Von Abofallen bis zum Nepp an der Haustür

Rund 6000 Mal suchten Kunden im vergangenen Jahr Rat bei der Verbraucherzentrale Dillingen. Je früher, desto besser sind die Chancen bei unerwünschten Verträgen und überzogenen Rechnungen, wissen die Berater.

Sex-Hotlines, Abofallen im Internet oder die überzogene Handwerkerrechnung - mit solchen Fällen hat die Verbraucherzentrale Dillingen täglich zu tun. "Aber die Fälle werden immer komplexer" - diese Bilanz zieht Brigitte Paul, Leiterin der Beratungsstelle Dillingen . Immer ausgefeiltere Betrugsmaschen und undurchsichtige Strukturen erforderten einen hohen Arbeitsaufwand für die Berater , sagt Paul: "Oftmals muss man mehrfach nachhaken, bis man an der richtigen Stelle ist."

Rund 6000 Anrufe, Mails und persönliche Anfragen, vorwiegend aus dem Kreis Saarlouis, hat die Beratungsstelle Dillingen 2015 erhalten. Etwa die Hälfte der Anfragen kommt zunächst über das Telefon. 46 Prozent der Ratsuchenden vereinbaren einen persönlichen Beratungstermin.

Ein Großteil der Verbraucheranfragen bezog sich 2015 wie in den Vorjahren auf den Bereich Telefon-, Handy- und Internetanbieter. "Da haben wir es mittlerweile sehr oft mit Drittanbietern zu tun, es ist ein großer Aufwand, herauszufinden, wer überhaupt Ansprechpartner ist", berichtet Paul. Die Mahnungen kämen vielfach von Dienstleistern, der eigentliche Anbieter sitze im Ausland und sei kaum erreichbar.

Typische Fälle seien zum Beispiel sehr hohe Beträge auf der Telefonrechnung, die sich der Kunde nicht erklären könne. Hier rät Paul, nur den unstrittigen Rechnungsbetrag zu überweisen und nicht den kompletten Betrag rückbuchen zu lassen, das führe nur zu weiteren Problemen und Mahnungen. "Es ist schwierig, da als Laie durchzusteigen", weiß sie, "letztlich bleiben viele Verbraucher auf den Kosten sitzen, vor allem wenn sie erst spät Rat suchen."

Je früher man die Verbraucherzentrale kontaktiere, desto besser seien die Chancen, noch finanziellen Schaden abzuwenden, rät sie. "Leider schieben aber viele Leute den Papierkram auf die lange Bank. Oder sie trauen sich nicht, zu uns zu kommen, weil sie sich schämen", weiß Paul, die seit 14 Jahren in Dillingen berät.

Dabei kann die Verbraucherzentrale mit Rat und Tat helfen, die Kosten dafür sind vergleichsweise gering: Ein Beratungsgespräch über 20 Minuten kostet 40 Euro, zusätzlicher Schriftverkehr 25 Euro; Mitglieder der Arbeitskammer, damit auch Minijobber und Azubis, zahlen maximal 15 Euro.

Besonders häufig hatte es die Dillinger Beratungsstelle 2015 mit Abofallen zu tun: Ein falscher Klick im Internet oder eine harmlos aussehende Registrierung auf einer Werbeseite und schon steckt der Verbraucher in einem zweijährigen Abovertrag mit hohen Kosten.

Kaufvertragsrecht (Paul: "Die Discounter arbeiten alle am Gewährleistungsrecht vorbei") und Reiserecht sind weitere Dauerthemen der Berater . Opfer von betrügerischen Haustürgeschäften werden immer noch, selbst für die Berater erstaunlich, viele ältere Menschen. "Nicht alle fliegenden Händler sind unseriös", betont Paul, "aber gerade ältere Alleinstehende sind manchmal zu vertrauensse lig." > weiterer Bericht