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Überlebende des NS-Regime berichten vor Schülern

Überlebende des NS-Regime berichten vor Schülern

Homburg/Dillingen. "In Filmen sieht man oft Leute, die im Krieg kämpfen. Die gelten als Helden. Die wahren Helden sind Sie, die überlebt haben und jetzt zu uns Deutschen sprechen", sagt ein junger Mann bei der "Begegnung unter Freunden". Da müssen die sechs Zeitzeugen aus Weißrussland lächeln

Homburg/Dillingen. "In Filmen sieht man oft Leute, die im Krieg kämpfen. Die gelten als Helden. Die wahren Helden sind Sie, die überlebt haben und jetzt zu uns Deutschen sprechen", sagt ein junger Mann bei der "Begegnung unter Freunden". Da müssen die sechs Zeitzeugen aus Weißrussland lächeln. Der KEB-Vorsitzende Horst Ziegler meint: "Ein schöneres Schlusswort hätten wir nicht finden können."Wie immer stand die Begegnung im Oswald-von-Nell-Breuning-Haus in Dillingen mit auf dem Programm. Seit rund 20 Jahren organisiert die KEB zweiwöchige Zeitzeugen-Aufenthalte mit dem spendenfinanzierten Maximilian-Kolbe-Werk (Freiburg). Diese ermöglichen Opfern des Nationalsozialismus in Osteuropa, ihre Geschichte zu erzählen und das Land zu besichtigen, aus dem die Verbrecher kamen.

Auch die drei Frauen und drei Männer im Alter von 72 bis 83 Jahren, die jetzt zu Gast waren, wollten heutige Deutsche und ihre Ansichten kennenlernen.

Zu dem Aufenthalt gehörte ein Besuchsprogramm in der Region. Besonders ernst nahmen die Gäste jedoch die Gespräche mit Schülern der Klassenstufe zehn in der Nikolaus-Großschule Lebach, im Albert-Schweitzer-Gymnasium Dillingen, in den Gemeinschaftsschulen in Saarwellingen und Püttlingen und im Gymnasium am Stefansberg Merzig. Da schilderten sie den Schülern ihre leidvollen Kindheitserinnerungen. Alle erlitten, einfach weil sie Juden waren oder ihre Familien aus politischen Gründen verfolgt waren, Hunger, Kälte, Krankheit. Sie mussten mit ansehen, wie Familienangehörige gedemütigt, gefoltert und ermordet wurden.

Eugeni Chrol berichtete vom KZ Mauthausen: "Ich war in einer Gaskammer und habe nur durch Glück überlebt." Frida Reisman war im Ghetto in Minsk, wo 140 000 Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht waren und täglich Leichen abtransportiert wurden. "Was ich gesehen habe, sollten kein Kind und kein Erwachsener sehen", sagte sie.

Zachar Tarascwitsch war in Auschwitz, wo seine Schwester, sein Bruder und seine Mutter starben. Er war den Experimenten des Doktors Mengele ausgesetzt. Er wurde in ein Kinder-KZ verlegt, wo Kindern Blut für verwundete deutsche Soldaten abgezapft wurde. Wladimir Sawkin war als Kleinkind im KZ in Estland und auf einer Ostseeinsel. Er zeigte das Bild eines Priesters, dem er sein Leben verdanke.

Zoja Oboz gelang als Elfjährige die Flucht aus dem Ghetto in Minsk. Sie schloss sich auf der Flucht Partisanen an, wurde gefangen und gefoltert. "Bis auf eine Cousine hat sonst keiner aus meiner Familie überlebt", sagte sie. Walentina Klos war unter anderem im KZ Majdanek, getrennt von ihrer Mutter, die für den Rest ihres Lebens geisteskrank war. "Man kann nicht alles erzählen", sagte sie. Ihre Zuhörer verstehen das.

Eugeni Chrol sagte: "Wir haben unseren Kindern und Enkeln keinen Hass anerzogen. Deshalb hegen wir keinen Groll gegen die Deutschen." red