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Schulpreis
Gerechte Chancen und ein Wohlfühlklima

 Besuch von den Experten des Deutschen Schulpreises am TWG Dillingen (von links): Schulleiter Herbert Jacob und Stellvertreterin Linda Machwirth empfingen Andrea Preußker, Dr. Angelika Wolters und Axel Weyrauch.
Besuch von den Experten des Deutschen Schulpreises am TWG Dillingen (von links): Schulleiter Herbert Jacob und Stellvertreterin Linda Machwirth empfingen Andrea Preußker, Dr. Angelika Wolters und Axel Weyrauch. FOTO: Thomas Seeber
Dillingen. Die Jury des Deutschen Schulpreises besucht das Technisch-Wissenschaftliche Gymnasium Dillingen. Das TWG steht unter den Top 20. Von Nicole Bastong

Das Technisch-Wissenschaftliche Gymnasium (TWG) Dillingen hat es geschafft: Die Schule kann sich zu den derzeit besten 20 in Deutschland zählen. Denn das TWG steht unter den Top 20 beim Wettbewerb um den Deutschen Schulpreis, der seit 2006 jährlich von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung vergeben wird. Diese renommierte Auszeichnung würdigt besondere pädagogische Leistung und will sie für andere nutzbar machen.


In der vergangenen Woche machten sich die Entscheidungsträger selbst ein Bild in Dillingen: Gemeinsam mit Andrea Preußker von der Robert-Bosch-Stiftung besuchten Prof. Hermann Veith, Dr. Angelika Wolters und Axel Weyrauch, die alle drei der Vorjury angehören sowie Prof. Kurt Reusser, Mitglied der Jury, das Oberstufengymnasium.

Bei dem zweitägigen Schulbesuch nutzen die Experten den ersten Nachmittag für ein Gespräch mit der Schulleitung, einen Schulrundgang und Gespräche mit Elternvertretern und außerschulischen Partnern. Am zweiten Besuchstag werden Unterrichtsstunden und Projekte besucht. Die Experten dürfen dabei selbst auswählen, wo sie unangekündigt hereinschauen. Außerdem stehen Gespräche mit Schüler- und Lehrervertretern an.



Bewertet werden sechs Bereiche: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima und Schule als lernende Institution. „Es geht um das Gesamtbild, nicht um einzelne Projekte“, fasste Preußker zusammen. „Wir wollen sehen: Welche Ausgangslage gibt es an der Schule, und was hat sie daraus gemacht?“

In einem 20-seitigen Bericht werden die Bildungsexperten dann ihren Eindruck vom TWG für die Jury zusammenfassen. Nur wenig wollten sie vorab verraten. „Ich war gespannt auf die Region und auf die Schule“, sagte Wolters. Die Atmosphäre am TWG habe ihr gefallen: „Es geht hier sehr familiär zu“, urteilte sie nach den Gesprächen. „Neben dem Wohlfühlklima gibt es aber auch beste Voraussetzungen dafür, dass die, die hierher kommen, gut lernen können. Die Schule schafft es außerdem, Anschlussperspektiven zu eröffnen“, schilderte sie ihre Eindrücke.

Das TWG leiste einen „wichtigen Beitrag zur Chancengerechtigkeit im Bildungssystem“, betont sie, sie habe dort junge Menschen mit sehr unterschiedlicher Lernbiografie getroffen. Den Ausspruch eines Schülers habe sie sich gemerkt: „Man wird hier als Mensch wahrgenommen, nicht nur als Schüler.“

Ein „sehr engagiertes Kollegium“ hat Weyrauch erlebt, „das Wege gefunden hat, sehr unterschiedlichen Bedürfnissen zu begegnen“. Das werde auch von Schülern und Eltern so wahrgenommen. Am Ende ergebe sich ein gemeinsames Bild, erklärte er: „Jede Schule tickt etwas anders. Das zu verstehen, ist das engere Ziel.“

„Wir sind eine überschaubare Einheit, kein Massenbetrieb. Hier herrscht eine Atmosphäre, in der uns jeder uns Anvertraute viel wert ist“, erklärte Schulleiter Herbert Jacob; die Schule hat 240 Schüler und ein 25-köpfiges Kollegium. Man engagiere sich auch in Bereichen, „von denen Schule oft sagt, sie hätte dort nichts verloren. Aber Erziehen ist auch unsere Aufgabe.“

Positiv aufgefallen ist der Besuchsgruppe etwa das außerunterrichtliche Angebot am Mittwochnachmittag. „Die Schüler sind dabei frei, verschiedene Angebote wahrzunehmen“, schilderte Wolters. Von defizitorientierter Förderung über Freiarbeit bis zu Impulsen zum persönlichen Profil. Wünschen würde sie sich für das TWG: „Mehr Schülerbeteiligung, das kann noch ausgebaut werden. Hier schwirren viele Ideen herum.“

Am TWG, das bereits 2014 unter den Top 50 beim Deutschen Schulpreis stand und 2013 den Saarländischen Schulpreis gewann, steigt nun die Aufregung. Alle Nominierten reisen mit einer Delegation zur Preisverleihung in Berlin, auch das TWG. „Und gewonnen haben wir jetzt schon“, strahlt Schulleiter Jacob: Denn die Top 20 nehmen am Entwicklungsprogramm des Deutschen Schulpreises teil. Über zwei Jahre erhalten sie eine individuelle Prozessbegleitung sowie Seminare und Vernetzungsangebote.