Trinkwasser in Dillingen: Weniger Keime, weiter Chlorung

Neue Untersuchungsergebnisse : Dillinger Wasser wird weiter gechlort

Laut den Stadtwerken Dillingen liegen zwar weniger Keime vor, eine Entwarnung kann es aber noch nicht geben.

„Es gibt eine deutliche Verbesserung, aber noch keine Entwarnung“: So hat Benedikt Loew, Prokurist der Stadtwerke Dillingen, am Mittwoch den aktuellen Stand in Sachen Trinkwasser-Verkeimung in Dillingen zusammengefasst. Wie berichtet, war vergangenen Freitag bekannt geworden, dass bei Routineuntersuchungen eine mikrobiologische Verkeimung mit Pseudomonas aeruginosa in einem Teil des Trinkwassernetzes der Stadtwerke festgestellt worden war.

Daraufhin waren – unter anderem – mehrere Leitungsabschnitte vom Netz getrennt und desinfiziert worden. Weil die genaue Ursache nicht feststand, wurden weitere Proben genommen. Außerdem wird seit Montag das Wasser in der Innenstadt, Überm Berg und in Pachten vorsorglich gechlort.

Die Ergebnisse der am Montag vor der Chlorung entnommenen Proben gab es am Mittwoch. Laut Stadtwerken wurde nur noch an 5 von 18 untersuchten Stellen eine mikrobiologische Verkeimung des Wassers in geringer Keimzahl im Netzbereich Überm Berg und Pachten nachgewiesen. „Die Ergebnisse zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen der Stadtwerke, nämlich die Desinfektion eines Netzteilbereichs und umfangreiche Netzspülungsmaßnahmen, zu einer deutlichen Reduzierung der Keimzahl geführt haben.“

Es werde nun so lange gechlort, bis es eine einwandfreie Wasserqualität gebe. Diese Maßnahme könne einige Wochen dauern. Die von der Chlorung betroffenen Bereiche sind im Internet auf der Seite www.swd-saar.de ersichtlich.

Um das Desinfektionsmittel in ausreichender Konzentration im gesamten betroffenen Netz zu verteilen, werde weiter gespült, es gebe zudem regelmäßige Kontrolluntersuchungen, hieß es von Seiten des Gesundheitsamtes. Auf dessen Anordnung wurden und werden zudem „sämtliche hygienisch relevanten Einrichtungen, mit besonders schützenswertem Personenkreis (Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Altenpflegeheime)“ im betroffenen Gebiet beprobt.

Wie gelangte Pseudomonas aeruginosa ins Trinkwasser? „Es ist wahrscheinlich, dass nie die Ursache gefunden wird; das ist durch die Chlorung kaum noch möglich“, sagte der Stadtwerke-Prokurist Benedikt Loew. Grundsätzlich, erklärte er, könne der Erreger beispielsweise durch das Neuverlegen einer Leitung, durch eine verschmutzte Hausinstallation oder auch durch einen Rohrbruch ins System eindringen. Letzteres schloss er aus.

Informiert wurden und werden die Bürger ihm zufolge über die Medien und das Infotelefon („da gab es den einen oder anderen verunsicherten Anrufer“). Außerdem sei die Pressemitteilung zur Chlorung auch in Arztpraxen und Apotheken ausgelegt worden. „Wir wurden auch gefragt, warum wir nicht mit Lautsprecherwagen herumgefahren sind“ – damit erreiche man aber ebenso wenig jeden wie mit Flugblättern.

Vor dem Hintergrund der Ereignisse hat derweil die SPD-Stadtratsfraktion Dillingen angeregt, einen Newsletter mit Warnhinweisen einzurichten. In dem Schreiben, das sie auch der Verwaltung und den anderen Fraktionen übermittelt hat, wird von einem Verfahren gesprochen, das auch für andere Städte und Gemeinden „sinnvoll“ sein könnte.

Die SPD skizziert zum einen die Idee, dass die Stadt einen Kurznachrichtendienst einrichtet, „über den auf aktuelle Geschehnisse und Gefahren in der Stadt hingewiesen wird“. Sie regt „in einem ersten Schritt“ eine einseitige SMS an, für die man sich registrieren könne. „Eine preiswerte Alternative für Smartphone-Nutzer wäre ein städtischer Twitter-Account.“ Ein solcher Kurznachrichtendienst ließe sich zeitnah und kostengünstig umsetzen. Mit „deutlichen Kosten“ dagegen sei, Idee zwei, eine Dillingen-App verbunden: „Es wäre weiterhin denkbar, ein solches Informationssystem interessenspezifisch auszuweiten und eine App zu erstellen, die einerseits die oben angesprochenen Nachrichten als aktuelle Neuigkeiten direkt auf dem Bildschirm anzeigen kann und in der andererseits weiter gehende Informationen abrufbar sind.“ Eine App erfordere jedoch eine höhere Personalplanung, da sie aktuell sein müsse. „Für Personen ohne elektronische Vernetzung“ wäre laut SPD ein Multiplikatoren-System denkbar, etwa durch Nachbarschaftshilfe oder Informationen an bestimmte Einrichtungen in der Stadt.

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