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Senioren
Tagsüber unter Leuten, abends wieder heim

Tag der Tagespflege: Landrat Patrik Lauer (Mitte) besuchte mit Kreistagsmitgliedern die Tagespflege St. Franziskus in Dillingen.
Tag der Tagespflege: Landrat Patrik Lauer (Mitte) besuchte mit Kreistagsmitgliedern die Tagespflege St. Franziskus in Dillingen. FOTO: Thomas Seeber
Dillingen/Bous. Ähnlich wie in einer Kita funktioniert die Tagespflege – nur eben für Senioren. Ein Besuch in der Franziskus-Tagespflege Dillingen. Von Nicole Bastong

„Hierher zu kommen, war meine eigene Entscheidung, und die war gut“, sagt Grete Schäfer zufrieden. Die rüstige 82-Jährige lebt in Dillingen, allein, aber in der Nähe ihrer Kinder. Im vergangenen Jahr hat sie sich entschlossen, drei Mal die Woche in die Franziskus-Tagespflege neben dem Saardom zu gehen – und es gefällt ihr außerordentlich gut, betont sie: „Was soll ich auch den ganzen Tag allein daheim? Hier mache ich alles gerne mit.“


In den großen, hellen Räumen der Tagespflege mit dem St.-Klara-Treff ist gerade die Gymnastikrunde zu Ende, bald gibt es Mittagessen für die heute rund 20 Gäste. Anschließend steht die Mittagsruhe an. Ein festes Tagesprogramm hängt am Eingang aus. Am Nachmittag gibt es noch verschiedene Kreativangebote, natürlich bei Kaffee und Kuchen, berichtet die Leiterin Dagmar Groß. „Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück und, ganz wichtig, der ausgiebigen Zeitungslektüre.“

Die Gäste werden morgens um 8 Uhr zu Hause abgeholt und um 16.30 Uhr wieder heimgebracht. Etwa die Hälfte der derzeit 49 angemeldeten Senioren kommt täglich. Die Frauen und Männer, zwischen 65 und 95 Jahren alt, wohnen in Dillingen und den umliegenden Gemeinden. Sie bringen verschiedene Krankheitsbilder mit, ein großer Teil leidet an Demenz in unterschiedlicher Ausprägung.



Landrat Patrik Lauer, der zum fünften Mal mit Kreistagsmitgliedern zu einem Tag der Tagespflege Einrichtungen bereist hatte, lobte „die tolle Atmosphäre“ im Haus. Er betonte die Ziele des Aktionstages: „Zeigen, wie wichtig es ist, dass es Entlastung für pflegende Angehörige gibt“, erklärte Lauer. „Und wir wollen gegen die Vereinsamung der Älteren vorgehen.“ Teilweise herrschten zudem noch völlig falsche Vorstellungen von der Tagespflege und Angehörige hätten ein schlechtes Gewissen, das Angebot zu nutzen.

Zuvor hatte die Gruppe schon das Caritas-Senioren-Haus Bous besucht. Dort stellte die Hausleiterin Andrea Magin die verschiedenen Sparten der Betreuung vor: Kurzzeit- und Tagespflege, vollstationäre Pflege, betreutes Senioren-Wohnen und Hospiz. Die räumliche Nähe der Angebote ermögliche viele soziale Kontakte zwischen den Gästen. Die Bouser Einrichtung bietet zwölf Tagespflegeplätze in einer Gruppe, die gut nachgefragt seien. Kostenlose Schnuppertage dort sind möglich.

Im Landkreis Saarlouis gibt es inzwischen 14 Tagespflegeeinrichtungen mit insgesamt 241 Plätzen. Sie dienen dazu, Alten und Kranken den Heimaufenthalt zu ersparen oder ihn aufzuschieben; gleichzeitig werden sie aus der häuslichen Isolation geholt und zu mehr Eigenständigkeit motiviert und gefördert.

„Hier lernt man noch Leute kennen“, bestätigt Elfriede Montnacher aus Hemmersdorf. Die 90-Jährige kommt gern in die Tagespflege: „Es ist immer volles Programm. Am liebsten mag ich Basteln und Spiele.“ „Die Atmosphäre hier ist wunderbar“, schwärmt auch ihre 88-jährige Tischnachbarin Helmi Becker aus Eimersdorf: „Es waren mehr die Kinder, die die Idee zur Tagespflege hatten. Ich konnte mir darunter vorher nichts vorstellen, aber ich hab mich hier schnell wohlgefühlt. Und abends komme ich ja immer wieder nach Hause.“

Die Dillinger Einrichtung, die es seit 2013 gibt, erfreut sich einer sehr guten Auslastung, betonte Alice Kunz, die ab 1. Mai die Heimleitung übernimmt; hier gebe es derzeit sogar eine Warteliste. Das Erfolgskonzept erklärt sie mit „Beziehungspflege: Die Leute kennen sich untereinander und auch die Pfleger“; die zentrale Lage des Hauses sei ebenfalls ein Faktor, „das Menschliche“ sei hier sehr wichtig und „immer ein offenes Ohr für die Angehörigen“ zu haben.

Die hätten immer noch eine große Hemmschwelle, Tagespflege in Anspruch zu nehmen, bestätigt Leiterin Groß: „Es fällt vielen schwer, ihre Senioren ,wegzugeben’. Dabei kommen die alle gern, viele blühen hier richtig auf.“ Auch die Angst vor hohen Kosten schrecke manche ab: In der Dillinger Einrichtung kostet ein Platz pro Tag 70,18 Euro, mit Fahrt und Essen. Bei einer Bezuschussung durch die Pflegekasse beträgt der Eigenanteil jedoch nur 25 Euro am Tag.