Stadt simuliert Hochwasserkatastrophe

Stadt simuliert Hochwasserkatastrophe

Land unter in Saarbrücken, zumindest theoretisch: Mit Hilfe einer Computersimulation können Mitarbeiter der Stadt sehen, in welchen Straßen das Wasser bei bestimmten Pegelständen der Saar ankommt.

Zehn Jahre liegt eines der letzten schlimmen Hochwasser zurück. 1993 stieg die Saar auf einen Pegel von 9,32 Metern. Tony Poesch vom Vermessungs- und Geoinformationsamt simuliert die Katastrophe auf seinem Computerbildschirm. Er tippt die Zahl in sein Programm, und plötzlich ist halb Saarbrücken blau. Mit seinem Geoinformationssystem kann Poesch Hochwasser simulieren. Die Grundlage ist ein digitales Geländemodell, das 2006 vom Land erstellt wurde. Eine Ebene beschreibt in dem Programm das Wasser, das auf verschiedene Höhen gehoben werden kann. "Die Aussagekraft der Simulation ist schon recht hoch", sagt Poesch, "aber es kann die Realität nicht zu 100 Prozent abdecken." Natürliche Hindernisse und die Wege, die das Wasser möglicherweise durch die Kanalisation nimmt, kann das Programm nicht errechnen. Auch die Beschaffenheit der Böden, wie Wiese oder Asphalt, sind keine Parameter für die Simulation.

Etwa einen Pegel von vier Metern braucht die Saar laut Simulation der Stadt, um im Bereich der Wilhelm-Heinrich-Brücke den angrenzenden Radweg unter Wasser zu setzen. 4,30 Meter, und die Autobahn ist überflutet.

Erstaunlich ist jedoch eines: So hoch wie auf der Simulation der Stadt stieg das Hochwasser 1993 nicht. Das Ausmaß auf dem Bild zeigt etwa die Überflutung bei einem so genannten HQ 100, einem Hochwasser, das nur alle hundert Jahre vorkommt. Das Hochwasser von 1993 gilt stattdessen als 50-Jahr-Ereignis.

Peter Meyer vom Wasser- und Schifffahrtsamt Saarbrücken erklärt wieso: Die Pegelstände werden seit 1993 nicht mehr in der Stadt gemessen, sondern in St. Arnual. Dort könne man im Falle von Hochwasser schneller reagieren, sagt Meyer, da es, wenn man die Fließrichtung der Saar betrachtet, vor der Innenstadt liegt. Nach den neuen Pegelberechnungen in St. Arnual war das Hochwasser 1993 8,24 Meter hoch. Das Simulationssystem der Stadt zeigt also bei Eingabe des alten Pegelstands von 9,32 Metern eine immense Überflutung, die sich aber in dieser Größe gar nicht ereignet hat.

"Ein Jahrhunderthochwasser gab es in Saarbrücken noch nie", sagt Meyer. Aber betrachte er das Intervall von je 23 Jahren der letzten verheerenden Hochwasser in Saarbrücken -1947 (10,62 Meter) und 1970 (9,06 Meter) -, stünde 2016 das nächste an. "Aber darauf wollen wir nicht hoffen", sagt er, "so etwas kann man nicht berechnen."

Nützlich sind die Simulationen der Stadt besonders für das Baudezernat. Es sei "eine große Hilfe, um Maßnahmen vorauszudenken", erklärt Tony Poesch. So können die Stadtplaner herausfinden, wo sie aufgrund von zu großem Hochwasserrisiko Bauverbotszonen einrichten müssen.

Doch die Hochwassersimulation ist nur ein Bruchteil der Arbeit des Vermessungs- und Geoinformationsamts. Auch Lärmsimulationen und 3D-Modelle - "der Sandkasten der Stadtplaner" - kann Poesch konstruieren. Viele der informativen oder auch einfach nur interessanten Daten sollen ab 2014/15 sogar den Bürgern online zur Verfügung stehen, darunter zum Beispiel Baulücken, Baumauskünfte, Bebauungspläne, Denkmäler, historische Karten, Parkzonen oder Wahlbezirke.

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