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Dillingen
Streit um syrische Imker beim Herbstding

Streit um die syrische Imkergruppe aus Dillingen.
Streit um die syrische Imkergruppe aus Dillingen. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Dillingen. Ist eine Flüchtlingsgruppe nicht beim Fest erwünscht? Stadt Dillingen wehrt sich entschieden gegen diese Vorwürfe. Von Nicole Bastong

Zwischen dem Verein ProVoce, der sich in Dillingen in der Flüchtlingshilfe engagiert, und der Stadtverwaltung hat sich ein Disput um das Herbstding entspannt. Matthias Kremer, Vorsitzender des Vereins ProVoce und des Dillinger Imkervereins, hatte über soziale Medien der Stadt vorgeworfen, sie lehne die Teilnahme syrischer Imker am Fest ab – „mit einer fadenscheinigen Begründung“. Der Bienenzuchtverein habe darum gebeten, nachträglich einen Stand an der Ecke Stummstraße/Odilienplatz zu genehmigen, um die syrische Imkergruppe der Bevölkerung vorzustellen. Die Stadt habe dies abgelehnt, da es schon einen Imkerstand gebe. Der Verein beklagte „systematische Ignoranz der städtischen ehrenamtlichen Integrationsarbeit“, der Vorgang sei „nur eines von vielen deprimierenden Erlebnissen, die nicht nur wir Ehrenamtler in dieser Stadt erleben, wenn es nicht nach der parteipolitischen Linie des Rathauses läuft“.


Die Stadtverwaltung wehrte sich in einer Stellungnahme gegen die Vorwürfe. Kremer habe als Vorsitzender des Bienenzuchtvereins einen Stand auf dem Herbstding telefonisch angefragt. „Die Bewerberfrist war seit zwei Monaten abgelaufen, die Standvergaben waren über das Gewerbeamt bereits erfolgt, und der Markt war bis ins Detail geplant“, teilt die Stadt mit. Zudem habe Kremer nicht erwähnt, dass eine syrische Flüchtlingsgruppe oder der Verein ProVoce teilnehmen wolle. „Demnach musste die Sachbearbeiterin davon ausgehen, dass es sich um ein weiteres Imker-Angebot handelt und hat eine Absage erteilt.“

Beim Herbstding sind bereits zwei Imker angemeldet, darunter ein Mitglied des Bienenzuchtvereins Dillingen. „Mit der Absage – auch aus Fairness gegenüber den anderen Bewerbern – erfolgte jedoch gleichzeitig das Angebot an Herrn Kremer, sich für zukünftige Veranstaltungen rechtzeitig zu bewerben und die Arbeit und das Angebot der Imker zu präsentieren“, teilt die Stadt mit.



Kremer vermische willkürlich das Engagement in der Flüchtlingshilfe mit der Absage des Gewerbeamtes aufgrund einer sehr verspäteten Anmeldung. „Aus unserer Sicht ist dieses Verhalten der allgemein guten Integrationsarbeit in unserer Stadt nicht dienlich“, heißt es in der Stellungnahme. Entschieden weist die Stadtverwaltung den Vorwurf zurück, den Kontakt von Flüchtlingen zur Bevölkerung unterbinden zu wollen: „Seit 2015 haben die Stadtverwaltung und die städtischen Gremien gemeinsam mit der Bevölkerung die Herausforderungen der Flüchtlingskrise gut gemeistert. Die Stadt unterstützt im Rahmen ihrer Möglichkeiten Vereine wie ProVoce in ihrer Flüchtlingsarbeit, materiell und finanziell.“

Man habe Kremer angeboten, mit der Integrationsbeauftragten oder auch der Verwaltungsspitze gemeinsam Aktivitäten und Ideen auszuloten, bei denen Flüchtlinge mit den Bürgern in Kontakt kommen können, betont die Stadt. Die Stadtverwaltung habe mit dem Hegering Saarwellingen, der ebenfalls am Herbstding teilnimmt und dort auch einen Informationsstand des Bienensachverständigen des Landkreises Saarlouis präsentiert, vereinbart, die syrischen Imkergruppe in ihr Angebot zu integrieren.

Der Verein ProVoce teilte indes mit, sein Engagement in der Flüchtlingshilfe zu beenden. Der Vorstand habe dies beschlossen. Das Büro in der Hüttenwerkstraße werde zum Jahresende aufgelöst.