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Deutschland-Tour
Knapp zehn Minuten großer Radsport

Die besten Radprofis der Welt sind am Samstag durch Dillingen gerast.
Die besten Radprofis der Welt sind am Samstag durch Dillingen gerast. FOTO: Oliver Altmaier/www.oliveraltmaier.de
Dillingen. Dillingen war eine der Stationen bei der Deutschland-Tour. Allzu viele Zuschauer lockte das Spektakel aber nicht an. Von Peter Wilhelm

Rick Zabel tritt kurz an, geht aus dem Windschatten – und zieht ohne große Anstrengung an Oscar Riesebeek vorbei. Auf der Dieffler Straße in Dillingen sichert sich der 24-jährige Profi des Radteams Katusha Alpecin und Sohn des früheren Radstars Erik Zabel den Sieg bei der Sprint-Wertung. Verhaltener Applaus brandet auf, dann ist die siebenköpfige Ausreißergruppe auch schon Richtung Kreisel und Saardom verschwunden. Ihr Vorsprung nach 74 der 177 Kilometer ist beträchtlich.


Bis die Verfolger und das Hauptfeld vorbeikommen, dauert es fast fünf Minuten. Deren Tempo ist eher gemächlich. Kein Wunder: Noch sind 100 Kilometer zu fahren – und die Entscheidung auf dieser Etappe am Samstag wird erst später auf den beiden Runden um die Saarschleife oder auf der schwierigen Schlussrunde durch die Merziger Innenstadt fallen.

Ob sich auch deshalb das Interesse in Dillingen in engen Grenzen hält? Gerade mal zwei Dutzend Zuschauer haben sich gegen 13.30 Uhr an der Sprintwertung versammelt. Während in Merzig bereits am Morgen die ganze Stadt dem Ereignis entgegenfiebert und auf den Beinen oder dem Rad ist, ist in Dillingen von Radsport-Begeisterung wenig zu spüren. Keine Stände, keine Aktionen, kaum Zuschauer. Wer nur auf der Durchreise ist, bekommt bis auf die gesperrten Straßen kaum mit, dass gerade die besten Radprofis der Welt durch die Stadt fahren.



Auch Birgit Levacher und Elmar Radlicki aus Pachten wundern sich. Die beiden sind mit dem Rad zur Sprintwertung gekommen – und enttäuscht. „Ich verstehe nicht, dass sich Stadt und Vereine da nicht mehr engagiert haben und was machen“, sagt Radlicki. „Dabei müsste man doch froh sein, dass man hier im Saarland so etwas zu sehen bekommt“, ergänzt Levacher.

Ähnlich sieht es auch Christian Maurer aus Ensdorf. Auch er ist mit dem Rad unterwegs, dreht eine 40-Kilometer-Runde mit dem Mountainbike über Nalbach, Beckingen und Dillingen zurück nach Ensdorf. Den Stopp bei der Sprint-Wertung hat er ganz bewusst gemacht. „Es ist toll, dass die Tour hier im Saarland vorbeikommt. Und der Sprint könnte interessant werden. Schade, dass so wenig los ist.“

Für Hedi und Karl Sonntag ist es sogar ein richtiges Heimspiel. Sie wohnen in der Pestelstraße, die Tour-Etappe führt fast an ihrem Vorgarten vorbei. Schon lange vor den Fahrern sind sie an der Straße. „Es ist immer schön, wenn man so ein Ereignis vor der Haustür hat“, sagt Karl Sonntag. „Wir freuen uns auch immer, wenn der Firmenlauf ist.“ Und seine Frau ergänzt: „Bloß schade, dass es die Rallye nicht mehr gibt. Das hat mir immer gut gefallen. Da waren wir auch immer dabei.“

Nach knapp zehn Minuten ist alles vorbei, das Feld durch. Birgit Levacher und Elmar Radlicki schwingen sich aufs Rad. „Wir fahren jetzt nach Merzig. Mal gucken, was da los ist.“ Unter anderem wird dort Rick Zabel zu Beginn der Schlussrunde stürzen – nachdem das Feld Tempo gemacht und ihn und die anderen Ausreißer eingeholt hatte.