Spontane Hilfe für gehbehinderten Jungen

Spontane Hilfe für gehbehinderten Jungen

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Dillingen. Der Verein "Hilfe für Einzelschicksale International" unter Leitung von Mohammed Ghodstinat aus Dillingen betreut zurzeit den zwölfjährigen Phub Dorji aus Bhutan, der gemeinsam mit seiner 25-jährigen Schwester Sonam nach Deutschland gereist ist. Der kleine Junge ist von Geburt an gehbehindert. Die Diagnose lautet Klumpfuß. Für seine Familie ist die Behandlung zu teuer, aber durch den Verein kamen bereits genug Spenden zusammen, um die 10 000 Euro teure Operation zum Richten des Fußes zu finanzieren. Für die Krankengymnastik im Anschluss an die Operation fehlt jedoch das Geld. Deshalb sammelt der Verein Spenden.Den Kontakt zum Verein hat der Südwest-Rundfunk-Reporter Roland Kleinkopf, hergestellt. Er ist Phub bei seiner Reise durch Bhutan begegnet. Dort lebt Phub mit seinem arbeitslosen Vater und seiner 68-jährigen Mutter. Phub hat neben Sonam noch zwei weitere Schwestern im Alter von 18 und 27 Jahren, und einen 16-jährigen Bruder. Gemeinsam lebt die siebenköpfige Familie in einer Region tief im Himalaya - außerhalb der Hauptstadt Timbu. Seiner Behinderung zum Trotz nahm der Junge jeden Morgen einen drei Kilometer langen Schulweg durch das oftmals unwegsame Gelände des Himalayas auf sich. Schließlich will er Englisch, Mathematik, Sozialkunde, aber vor allem Dzongkha, die Schrift der Mönche, lernen. Er weiß, dass er einmal Mönch werden will. Denn er liebt es, Dzongkha zu schreiben.

"Als ich den kleinen Jungen, der unbeholfen den Berg hoch stolperte, sah, wusste ich, dass ich helfen will", sagt Roland Kleinkopf. Also hat er die Sache in die Hand genommen und alles organisiert. Er hat in Deutschland einen Orthopäden für die Operation gefunden, eine Hilfsorganisation gefunden, Papiere für Phub und seine Schwester ausstellen lassen und die Anreise veranlasst.

Am Freitag, 28. Januar, sind die Geschwister in Deutschland eingetroffen. Phub hat ein wenig Angst vor der Operation, aber eigentlich blicken er und seine Schwester mit Freude und Erleichterung auf die kommenden Monate.

Spenden an: Kontonummer: 224 507 772, Bankleitzahl: 593 501 10 bei der Kreissparkasse Saarlouis. Weitere Informationen erteilt Mohammed Ghodstinat unter Telefon (0 68 31) 70 14 20.

Meinung

Hilfst du mir oder nicht?

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Man mag darüber streiten, ob Hilfe nur für Einzelfälle gerecht ist oder nicht. Immer wieder wird das in Frage gestellt. Wäre es nicht besser, Mühe und Aufwand für strukturelle Verbesserungen einzusetzen? Die Frage stellt sich so lange, bis ein Mensch, gar ein kleiner Mensch wie hier, vor einem sitzt: Hilfst du mir oder nicht?

Klar doch - das sagen immer wieder und immer neu viele Menschen. Und bringen ordentlich was auf die Beine, damit einem Menschen aus seiner Not geholfen wird.

Das ist der ewig junge Anfang von Menschlichkeit. Menschen, die sich nicht verschließen, die andere vernetzen, um gemeinsam zu helfen, die sind auch bereit, hinzuschauen: Kann man ungerechte wirtschaftliche Strukturen in der Welt verändern? Und wie?

Und so stößt die Not eines einzelnen Menschen, die von anderen einzelnen Menschen wahrgenommen wird, eben auch das Ganze an. Das verschleißt sich offenbar nicht.

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