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Sonnenschirme aus China kommen im Nachtsprung

Sonnenschirme aus China kommen im Nachtsprung

Im Schritttempo schiebt die schwere Diesellok an diesem kühlen und diesigen Morgen den Containerzug aus Richtung Dillinger Bahnhof auf das Gelände der Spedition Puhl in Beckingen. Sofort beginnt die Entladung mit einem Spezialfahrzeug, denn Zeit ist in der Logistikbranche bares Geld.

Durchgetaktete Transportketten umspannen den Globus und sorgen so für stetige Warenverfügbarkeit.

Ein Großteil der Container wird im Shuttle-Verkehr dann zu dem rund 20 Kilometer entfernten Großumschlagplatz ("Eurohub") des Logistikers Dachser in Überherrn-Altforweiler gebracht. Der Inhalt der Container ist bestimmt für das in Völklingen ansässige Baumarkt-Unternehmen Globus Fachmärkte, das 90 Globus-Baumärkte und Hela-Profizentren betreibt.

Der nächste Sommer und die Gartenparty kommen garantiert. "Derzeit importieren wir unter anderem etwa Sonnenschirme aus einer Fabrik aus der ostchinesischen Küstenstadt Ningbo", berichtet Swen Sauer, Koordinationsleiter Logistik und Import der Globus Fachmärkte. Weiter werden aus China Gartenbaustoffe wie Granit, Elektrowerkzeuge oder Gartengeräte sowie Campingartikel importiert, alles wird bei Dachser zwischengelagert. "Die Container brauchen rund 30 Tage von China bis Rotterdam, dann zwei Tage mit dem Rheinschiff bis Mainz und kommen dann im Nachtsprung mit dem Container-Express per Schiene nach Beckingen und schließlich per Lkw des Express-Betreibers Frankenbach aus Mainz zu Dachser in Überherrn-Altforweiler", beschreibt Sauer den Weg der Waren.

Dort betreibt Dachser für die Globus-Fachmärkte ein Zentrallager und verteilt die importierten Waren für deren 88 Baumärkte in Deutschland und zwei in Luxemburg. "Der neue Schienen-Container-Express kam für uns wie gerufen", sagt Sauer. Zuvor kamen die Container via Bremerhaven und Mannheim und ab dort per Lkw nach Überherrn. Der Express sorge für eine größere Flexibilität und verbessere die Ökobilanz für die Fachmärkte.

Der Rhein-Saar-Mosel-Container-Express wurde vom Hamburger Beratungsunternehmen GOMultimodal im Auftrag des mittelständischen Mainzer Logistik-Unternehmens Frankenbach entwickelt, das direkt am Rhein sitzt und auch Betreiber des Zuges ist. Der Express startete Ende 2014 mit Transporten von Mainz bis zum BahnLog-Gelände Kirkel (von da geht es per Lkw zu den Empfängern) und wurde dann im Regelverkehr im Januar 2016 bis zum Container-Bahnhof der Spedition Puhl in Beckingen verlängert. "Bislang sind wir mit der Akzeptanz sehr zufrieden, es läuft sehr gut", sagt Frankenbach-Projektleiter Reinhard Oswald. "Wir verlagern aufs Jahr gerechnet über 10 000 Lkw-Transporte von der Straße auf die Schiene."

Bislang sind die Fachmärkte der mit Abstand größte Kunde für den Container-Express mit Ziel Beckingen. Weiter sind Container für Unternehmen aus Merzig, Losheim und Trier an Bord, die in Beckingen umgeschlagen werden, erklärt Oswald. "Die Region an der Unteren Saar und Richtung Trier bietet Potenzial und wir hoffen, dass unser Angebot auch aus Beckingen heraus deutlich mehr genutzt wird", sagt der Projektleiter. Denn noch rollen die meisten Container aus Beckingen leer zurück, Zuladungen erfolgen dann in Kirkel. In Beckingen kommen drei Mal pro Woche die Züge aus Mainz am frühen Morgen an. Jeder Zug hat zwischen zehn und 20 Container-Waggons.

Ohne das unternehmerische Engagement und den Wagemut der Speditionsfamilie Puhl gäbe es dieses neue Angebot für die Wirtschaft an der Unteren Saar nicht. Manfred Puhl (64) und sein Sohn Stefan (36) sind Geschäftsführer des mittelständischen Logistikers mit rund 50 Beschäftigten. Nach dem Erwerb des Beckinger Geländes 2003 (dort saß einst eine Autospedition mit Bahnschluss) begannen die Puhls sukzessive den Ausbau des Schienenbereiches mit aktuell einer Umschlagkapazität von jährlich rund 20 000 Containern - neben dem klassischen Speditionsgeschäft mit 35 Lkw und 60 Sattelaufliegern.

Heute liegen fünf Gleise mit 2000 Meter Länge auf dem 75 000-Quadratmeter-Gelände in Beckingen. In diesem Jahr wird in die Erweiterung eines rund 700 Meter langen zusätzlichen Gleises parallel zur Bahnstrecke Saarbrücken-Trier investiert, die bis Ende 2016 fertig sein soll. Schon länger überzeugen die Puhls Ford und DB Schenker Rail Automotive mit ihrem Umschlagplatz und ihrer Flexibilität. Übrigens betreibt Puhl als Pächter auch einen 23 000 Quadratmeter großen Teil des von der DB aufgegebenen Saarbrücker Containerbahnhofs weiter. Zwei Saarländer spielen auf diese Weise erfolgreich im Logistik-Konzert der Großen mit.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Wirtschaft an der Unteren Saar verfügt seit kurzem über eine Anbindung an die großen chinesischen Exporthäfen. Über die Atlantik-Seehäfen in Belgien und den Niederlanden landen die Warencontainer per Binnenschiff über den Rhein und dann über die Schiene auf dem Container-Terminal der Spedition Puhl in Beckingen. ur