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So arbeitet die Dillinger Hütte in Zeiten von Corona weiter

Stillstand ausgeschlossen : Kurzarbeit, keine Azubis und Kantinen zu: So arbeitet die Dillinger Hütte in Zeiten von Corona weiter

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auch bei der Dillinger Hütte. Denn ein Hochofen kann nicht einfach gestoppt werden.

Die aktuelle Corona-Pandemie und ihre Folgen treffen die Wirtschaft bis ins Mark; sie erschüttert alle Branchen und ist auch für gesunde Unternehmen eine harte Probe. Der saarländischen Stahlindustrie aber ging es schon vor der Corona-Krise nicht gut: Einen massiven Verlust von 116 Millionen Euro (EBITDA) musste allein die Dillinger Gruppe (die Dillinger Hütte mit ihren Unternehmen) im Jahr 2019 verzeichnen. Auch wenn Vorstandschef Tim Hartmann beteuert: „Wir glauben an die Zukunft des Stahls, in Deutschland, im Saarland!“, wagt er angesichts der neuen Probleme nur eine verhaltene Prognose für das Ergebnis 2020. Sicher ist derzeit nur: Es wird wieder ein Minus davorstehen.

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: So fand die jährliche Bilanzpressekonferenz der Stahl Holding Saar (SHS), erstmals für Saarstahl und Dillinger gemeinsam, nicht wie üblich im Gästehaus der Dillinger Hütte statt, sondern wurde für die Journalisten als Videokonferenz online gehalten.

Der Hochofen 5 der Dillinger Hütte. Foto: Uwe Braun/Dillinger. Foto: Dillinger/ Uwe Braun/Uwe Braun

Das erste Thema dabei, natürlich: Wie wirkt sich die Corona-Pandemie mit ihren erforderlichen Einschränkungen auf den Arbeitsalltag aus?

Zunächst hatte die SHS schon vor Wochen einen Krisenstab auf Vorstandsebene einberufen, um die Mitarbeiter zu schützen, berichtete Hartmann; eine „Arbeitsgruppe Pandemie“, in der Mitarbeiter vieler Bereiche ebenso wie leitende Funktionen oder Betriebsräte mitwirken, beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit notwendigen organisatorischen und hygienischen Maßnahmen und deren Umsetzung. „Da viele Maßnahmen sehr früh umgesetzt wurden, haben wir bisher eine vergleichsweise geringe Anzahl an Corona-Erkrankten“, sagte Hartmann. Konkrete Zahlen wollte die SHS nicht nennen.

Das Unternehmen hat erneut Kurzarbeit angemeldet. Einige Mitarbeiter arbeiten, auch wegen fehlender Kinderbetreuung, im Homeoffice; in den Verwaltungsbereichen ist das eher möglich. Die über 500 Auszubildenden sind komplett zuhause, die Lehrwerkstätten sind ebenso wie die Berufsschulen derzeit geschlossen. Auch die Kantinen auf dem Werksgelände sind zu, Essen gibt es nur zum Mitnehmen, bestätigte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage: „Der Kontakt untereinander sollte, wie überall, weitestgehend reduziert werden. Das ist nicht überall ohne Weiteres möglich, da muss man kreativ werden.“ So wurden unter anderem Wechselschichten eingerichtet, alle externen Besuchstermine auf ein Minimum reduziert. Die Schichtübergaben erfolgen kontaktlos, also über Telefon, Mail oder klassisch per Notizzettel.

760 Mitarbeiter von Dillinger, bei insgesamt 6160, sind Grenzgänger; Franzosen beziehungsweise Deutsche mit Wohnsitz in Frankreich. Gut die Hälfte davon bleibt derzeit zu Hause, berichtete Hartmann, die übrigen seien für die Produktion unerlässlich, „sie müssen systembedingt weiterarbeiten“.

Denn anders als andere in der Industrie, etwa Ford oder ZF, kann Dillinger die Produktion aus technischen Gründen nicht für einen bestimmten Zeitraum stoppen: Ein Stillstand der Hochöfen wäre mit immensen Kosten verbunden, eine Hochofenreise, also die Betriebsdauer der Öfen, dauert üblicherweise mehrere Jahre, allein das Anheizen nimmt mehrere Monate in Anspruch. „Wir sind derzeit gezwungen, die Produktion zu drosseln“, erklärte Hartmann, das betreffe vor allem die Kokerei und die beiden Hochöfen. „Diese werden an der untersten technisch möglichen Grenze betrieben.“ Im schlechtesten Fall müsse einer der beiden stillgelegt werden.

Dennoch beteuerte Hartmann: „Wir sind zuversichtlich, dass wir diese Krise, die vermutlich noch länger andauern wird, gemeinsam meistern.“