Schuhhaus Theobald in Dillingen schließt

Kostenpflichtiger Inhalt: Geschäft schließt : Online-Handel ist der Tod der Schuhgeschäfte

Auch das traditionsreiche Schuhhaus Theobald am Odilienplatz in Dillingen schließt. Inhaber Guido Hertweck erklärt die Gründe.

„Schuhhandel ist meine Passion“, sagt Guido Hertweck mit Überzeugung. Deshalb fällt es ihm und seiner Frau Bärbel auch nicht leicht, ihr Traditionsgeschäft Schuhhaus Theobald in Dillingen endgültig zu schließen. „Mit schwerem Herzen sagen wir, Adieu’“, betont Hertweck; am Samstag endet der sechswöchige Räumungsverkauf.

Mit dem Geschäft schließt eine Dillinger Institution in bester Lage. Das Schuhhaus Theobald wurde in Fraulautern gegründet, 1983 eröffnete Horst Theobald die Filiale am Odilienplatz; sie wurde mit der Zeit zum Hauptgeschäft. 1994 vergrößerte er die Ladenfläche. Im Februar 2003 übernahm Guido Hertweck das traditionsreiche Geschäft, er modernisierte es abermals 2006.

Die Philosophie, die der Gründer Theobald gesetzt hatte, hält Hertweck hoch: Der Kunde steht mit seinen Wünschen und Fragen im Mittelpunkt. „Respekt, vertrauensvolles Miteinander und familiäres Flair“ machten die besondere Atmosphäre im Laden aus, betont Hertweck: „Das war mir und meinem Team immer wichtig, und das sagen auch unsere vielen Stammkunden.“ Die Kombination von Fachwissen und Kundennähe macht ein gutes Geschäft aus, ist sich Hertweck sicher. Von vielen Dillingern kennt der aus dem Badischen Zugezogene inzwischen „den Namen – und auch die Familiengeschichten“, lacht er. Denn in seinem Laden blieb immer Zeit für ein Schwätzchen.

Gute Kunden hatte das Schuhhaus, sagt Hertweck, „nur leider immer weniger“. Ein Grund: Der wachsende Internethandel, der Fachgeschäfte um ihre Existenz bringt. Für die Stammkunden, gerade die älteren, tue es ihm leid: „Da stehen manche entsetzt im Laden und fragen: ,Wo soll ich denn jetzt meine Schuhe kaufen?’“, erzählt der Verkäufer. „Denn die bestellen ja eben nicht im Internet.“ Nun gibt es im ganzen Landkreis Saarlouis nur noch zwei inhabergeführte Schuhgeschäfte: Bernarding in Schmelz und Grüll in Ittersdorf; ansonsten orthopädische Angebote und die großen Ketten.

Dass er sein Geschäft schließen muss, befürchtete Hertweck schon länger: „Seit etwa zehn Jahren merkt man: Es kommen keine jungen Kunden mehr nach“, erzählt der 55-Jährige. „Gerade im Kinderschuhbereich ist der Umsatz plötzlich eingebrochen.“ Einen Teil habe der Händler abfedern können, indem er ebenfalls einen Internetshop einrichtete. „Aber bei einer Rücklaufquote von 80 Prozent verdienen Sie daran wenig“, erklärt er: Viele Kunden schickten die Schuhe zurück, es kostet sie schließlich nichts. Ein Kuriosum am Internetshop: Versendet hat Hertweck seine Schuhe einerseits europaweit, andererseits bestellten auch Leute online, „die nur eine Straße weiter wohnen“.

Aber, auch hier stellt der gelernte Einzelhandelskaufmann einen Wandel fest: „Die Leute nehmen sich im Alltag keine Zeit mehr zum Einkaufen.“ Das habe sich auch in den Online-Bestellungen gespiegelt: „Die meisten kamen am Sonntag, bei Regenwetter.“ Auch eine „Verschiebung der Werte“ beklagt der Schuhhändler: Ein gutes Paar Schuhe koste eben Geld, „wir arbeiten mit hochwertigen Produkten, und auch die Hersteller sollen fair bezahlt werden“, erklärt Hertweck. Doch nicht viele Kunden seien bereit, dafür auch zu bezahlen. Doch wer nicht vor Ort einkauft, wird die Struktur des Handels nicht erhalten können, betont er: „Darüber muss sich jeder Einzelne klar sein.“

„Wir haben lange in dieser Stadt gekämpft, gegen das Ausbluten der Fachgeschäfte“, bedauert Hertweck, „aber nun, wo noch die lange Umgestaltung des Odilienplatzes ansteht, ziehen wir die Reißleine.“ Für seine zuletzt sieben Angestellten hätten sich neue Chancen ergeben, zeigt er sich erleichtert. Sein eigener Weg wird ihn und seine Frau wieder weit aus dem Saarland heraus führen, verrät er, genaueres noch nicht. „Ich bin quasi im Schuhkarton geboren, mein Vater hat schon Schuhe verkauft“, sagt Hertweck, aufgeben wird er „seine Liebe zu diesem Produkt“ sicher nicht.