Schnitzer Zegadlo eröffnet deutsch-polnische Kulturtage in Dillingen-Pachten

Kostenpflichtiger Inhalt: Internationaler Austausch : Geschichten aus einem Stück Lindenholz

Mit einer Skulpturen-Ausstellung im Museum Pachten beginnen am Sonntag die deutsch-polnischen Kulturtage.

Frisch, originell und handwerklich meisterhaft, so kommen die Skulpturen in den grauen November, die der polnische Künstler Eugeniusz Zegadlo jetzt ind MUseum Pachten bringt. Seine farbig gefassten Figuren aus Lindenholz bilden das Zentrum der deutsch-polnischen Kulturtage 2019.

  Zegadlo ist mit dem Werden solcher Skulpturen in polnischer Tradition aufgewachsen. Er stammt aus einer Familie mit vielen Schnitzern aus der bedeutenden traditionellen polnischen Volkskunst. Seine Werke, auch die seines Vaters, stehen in einigen Volkskundemuseen. Bräuche, Legenden, Mythen, Tierwelt, Geschichten aus der Bibel, das Dorfleben liefern ihm Motive und setzen seine Inspiration in Gang.

Die meist aus einem einzigen Stück Holz gearbeiteten Skulpturen scheinen aus einer untergegangenen, heilen Welt zu stammen. Manche dieser Werke aus einem Stück erzählen ganze Geschichten. Das Publikum der vielen Ausstellungen von Zegadlo mag sie.

Die Ausstellung beginnt am Sonntag, 10. November, und endet am 22. Dezember, mit einem Konzert. Während dieser Zeit finden vor den Skulpturen Kulturveranstaltungen statt.

Hans Bollinger ist der Kopf des Vereins Begenungen auf der Grenze mit Sitz in Gersheim im Bliesgau. Foto: Jörg Illing

Diese deutsch-polnischen Kulturtage sind die dritten dieser Art: Organisiert vom Tandem aus dem Verein „Begegnungen auf der Grenze“ im Bliesgau und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Saar. Diese Kulturtage stehen im Zeichen des zehnjährigen Bestehens einer Partnerschaft des Saarlandes mit der Woiwodschaft Podkarpackie, sagt der Vorsitzende des Begegnungsvereins, Hans Bollinger. Die langjährige Partnerschaft des Kreises Saarlouis und des polnischen Kreises Bochnia brachte den Landkreis Saarlouis als Mitveranstalter ins Spiel. Zuerst ganz vordergründig: „Jürgen Pohl, wfus-Geschäftsführer, hat mich gefragt, ob man den Holzschnitzer Eugeniusz Zegadlo nicht mal hier zeigen könnte“, erinnert sich Bollinger.

Den Landkreis Saarlouis und Polen verbindet eine lange Freundschaft, sagt Landrat Patrik Lauer, Schirmherr dieser Kulturtage. „Mit unserem polnischen Partnerschaftslandkreis Bochnia herrscht ein reger Austausch, regelmäßig finden gegenseitige Besuche statt. Passend dazu bringen die deutsch-polnischen Kulturtage zum Jahresende ein tolles Kultur-Highlight in die Region, das angereichert mit Kunst, Musik und Literatur echte Erlebnisse verspricht. Ich danke allen Engagierten und Künstlern, die rund um die Kulturtage im Einsatz sind und für uns schöne Gelegenheiten schaffen, um die Freundschaft nach Polen auch im Kulturbereich auszuleben.“

 Eine der Stärken von Bollingers Begegnungs-Verein, der eigentlich trinational ist, weil er auch die französische Nachbarschaft des Bliesgaus umfasst, ist die lange Gästeliste: „Wir hatten schon Georges Moustaki, Hannes Wader, Konstantin Wecker hier, zwei Mal den Schriftsteller Andrzej Szczypiorski und auch Olga Tokarczuk, bevor sie den Nobelpreis für Literatur bekam.“

 An diesem Sonntag, 11 Uhr, werden die deutsch-polnischen Kulturtage im Pachtener Museum eröffnet. Dr. Jürgen Ecker wird eine Laudatio auf  Zegadlo halten. Jacek Telus, Sänger, Poet, Gitarrist singt Vertonungen  von Gedichten polnischer Schriftsteller.

In dem Museum liest am Donnerstag, 28. November, 19 Uhr, die polnische Schriftstellerin Martyna Bunda aus Danzig, aufgewachsen in den Kaschuben. Sie stellt ihren von Bernhard Hartmann übersetzten Roman „Das Glück der kalten Tage“ vor, nominiert für den höchsten polnischen Literaturpreis Nike.

In denselben Räumen spricht am Donnerstag, 5. Dezember, 19 Uhr, der Historiker an der Pädagogischen Universität Krakau, Prof. Marek Wilczynski. Er gehört zu den Initiatoren des 1992 gegründeten deutsch-polnischen Zentrums in Krakau.  Wilczynski gibt seinem Vortrag in Pachten den durchaus heiteren Titel „Deutsch und Polen. Nicht nur schwierige Nachbarschaft“.

Es folgt am Dienstag, 10. Dezember, 19 Uhr, Iwona Wiemer mit dem Beitrag „Deutsche Frauen auf dem polnischen Thron“. „Es wird ein heiterer, interessanter Abend“, verspricht Bollinger. Sachverhalt: Viele polnische Könige und andere Vertreter des Hochadels heirateten im Lauf der Geschichte deutsche Frauen, oft unter kuriosen Umständen. Iwona Wiemer lebt im Saarland.

Kurz vor Weihnachten, am Sonntag, 22. Dezember, laden die Veranstalter zum Abschluss der Ausstellung in Pachten ein. Zu hören sein wird Karczmarze, eine polnische Folkgruppe. Sie hat das Ziel, Musik aus der Karpatengrenzregion zu fördern. Aber ihr Repertoire umfasst auch zum Beispiel lemkische, ukrainische, slawische, ungarische und polnische Musik.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Ausnahme: die Finissage am 22. Dezember. Karten kosten zehn/acht Euro an der Abendkasse oder bei Hans.Bollinger@t-online.de; Öffnungszeiten der Ausstellung: sonntags 15 bis 18 Uhr.

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