Schiffsname schreibt Geschichte

Knapp 100 Jahre ist er her, der Niedergang des legendären Kreuzers Emden. Marlies Kammer-Emden kramte für uns in alten Kisten und packte die Geschichte ihres Großvaters Wilhelm aus. Er war Soldat auf der Emden und hatte den Krieg überlebt. Sein Name prägte drei Generationen.

Marlies Kammer-Emden trägt einen geschichtsträchtigen Nachnamen. Dessen ist sich die 65-Jährige aus Diefflen bewusst - und stolz darauf. Auch deshalb hat sie sich bei der Heirat dafür entschieden, ihren Mädchennamen zu behalten. Zu verdanken hat sie diesen ihrem Großvater Wilhelm Kammer-Emden, einem Marinesoldaten.

"SMS Emden", das war der Name des berühmten Kreuzers der Deutschen Kaiserlichen Marine . Berühmt deshalb, weil die Emden im Ersten Weltkrieg im Indischen Ozean von sich Hören machte. Sie versenkte auf ihrer Kaperfahrt in zwei Monaten 23 gegnerische Schiffe, schonte dabei aber die Besatzungen. "Deshalb wurde ihr Kapitän, Karl von Müller, selbst vom Kriegsfeind ‚Gentlemen of war' genannt", erklärt Marlies Kammer-Emden.

"Mein Großvater war Heizer und Schwimmmeister auf dem Kreuzer", erzählt sie weiter. Mit gerade mal 21 Jahren hatte sich der gelernte Schlosser zur Marine in Wilhelmshaven gemeldet. "Er wollte zur See fahren und was erleben", meint seine Enkelin. Von dort aus ging es nach Tsingtau in China. Und auf der Emden dann in den Seekrieg auf den Indischen Ozean. Auf dem Kreuzer diente Wilhelm bis zu dessen Untergang am 9. November 1914. Die Emden unterlag an diesem Tag im Gefecht vor den Kokos-Inseln - mitten im Ozean zwischen Australien und Indien - dem australischen Kreuzer Sydney.

"Dem Feinde entgegen"

"Dort enden auch die Einträge in seinem Tagebuch", erzählt die Enkelin und zitiert aus dem Zeitdokument, das sie über all die Jahre aufbewahrt hat: "Es ging dem Feinde entgegen. Zum letzten Male hatte die stolze Emden, der Schrecken der Meere, Anker gelichtet, sie war auf ihrer Todesfahrt."

Im Gefecht starben 136 Mitglieder der 361 Mann starken Besatzung. 50 Mann waren zu dieser Zeit nicht an Bord. Sie sollten auf den Kokos-Inseln eine Funkstation zerstören und überlebten so den Untergang ihres Schiffes. Auf einer wahren Odyssee schlugen sich die Männer, zum Teil auf See, unter anderem aber auch zu Fuß durch die Arabische Wüste, zurück nach Hause.

Der Rest der Mannschaft, rund 200 Mann, geriet in Gefangenschaft . So auch Wilhelm Kammer-Emden. "Er konnte sich schwimmend auf eine kleine Insel retten und wurde dann am nächsten Tag von der Besatzung der Sydney an Bord genommen", erzählt Marlies Kammer-Emden. Fünf Jahre Gefangenschaft im australischen Sydney standen ihm bevor. Erst 1919, mit 27 Jahren, kehrte er in seinen Heimatort Diefflen zurück, lernte später seine Frau Katharina kennen und bekam mit ihr einen Sohn.

"Mein Großvater erzählte mir als Kind viel von seiner Zeit auf der Emden. Darunter war auch viel Seemannsgarn, das hab ich aber erst später verstanden", lacht die 65-jährige Nachkommin. So erinnert sie sich an folgende Schilderungen: "Er erzählte davon, wie er sich schwimmend auf die Insel rettete. Er sei einem Hai begegnet, habe sein Messer gezückt, ihn verwundet und sei dann auf ihm zur Insel geritten." Vor allem die Kinder in der Nachbarschaft begeisterten diese Abenteuer-Geschichten des weit gereisten Seemanns.

Film weckt Erinnerungen

Der Film "Die Männer der Emden", der an Karfreitag erstmals im Fernsehen gezeigt wurde, veranlasste Kammer-Emden wieder in alten Dokumenten des Großvaters, darunter zahlreiche Fotos und Postkarten, zu blättern.

Bleibt noch eine Frage: Wie kam es denn eigentlich zum Nachnamen "Emden", den selbst die Enkelin noch trägt? "Den Namenszusatz konnten die Überlebenden des Kreuzers nach dem Ersten Weltkrieg beantragen und an die Nachfahren weitergeben", erklärt die pensionierte Schulrektorin. Und so käme es, dass in Deutschland "Hunderte mit diesem Namenszusatz" lebten. Nach drei Generationen Kammer-Emden wird der Name nun aussterben, bedauert die Diefflerin: "Ich habe keine Kinder, und das Kind meiner Schwester Sylvia trägt den Nachnamen des Vaters."