Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Dillingen war in Stadthalle

Bürgermeisterwahl : Innenstadt, Parken, Polizei als heiße Themen

Die drei Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Dillingen, Berg, Hoffmann und Lorenz, stellten sich den Fragen der Bürger.

Innenstadt, Innenstadt und wieder Innenstadt: Bei der SZ-Podiumsdiskussion vor der Bürgermeisterwahl in Dillingen drehte es sich überwiegend um deren Situation und Weiterentwicklung. Völlig zu Recht meldete sich deshalb Walter Klein, Vorsitzender der CDU Diefflen, irgendwann mit der Frage, was denn die Kandidaten mit den übrigen Stadtteilen vorhätten.

Doch zunächst zur Innenstadt: Es fehlten „Geschäfte und vor allem ein großes Kaufhaus“, stellte Sylvia Hoffmann (SPD) fest; City-Marketing und VHIH müssten enger zusammenarbeiten. Zudem: „die Leute finden ganz schlecht einen Parkplatz“, die Fußgängerzone werde zu oft von Autos und Radlern befahren; Veranstaltungen brächten den Kaufleuten nichts, „wenn sie nach Geschäftsschluss stattfinden“. Ideen schob sie gleich nach: Den Markt vom Odilienplatz weg verlagern, die Parkfläche dort bewirtschaften, „zu zivilen Preisen, mit Brötchentaste“, und für die Angestellten der Geschäfte und Praxen, die dort zu oft dauerparkten, Ausweichplätze finden.

Anne Nanninga fragte die Kandidaten nach Ideen für die Innenstadt. Foto: Thomas Seeber

Franz-Josef Berg (CDU) war da anderer Meinung: „Ich stelle fest, dass sich in Dillingen in den vergangenen Jahren sehr viel verbessert hat, wir haben viel erreicht, und das trägt Früchte.“ Mit großen städtebaulichen Maßnahmen und dem City-Marketing seien mehrere Ketten angesiedelt worden, „wer mit offenen Augen durch Dillingen geht, sieht das“, betonte Berg. Aber: „So wie in den Achtzigern wird es hier nicht mehr, das hat auch mit dem Online-Handel zu tun.“

Hoffmann erinnerte er daran, dass der Stadtrat kostenfreies Parken beschlossen habe, einen Antrag auf Abschaffung habe es bisher nicht gegeben; im City-Marketing sitze sie übrigens im Aufsichtsrat und hätte sich dort einbringen können. In Saarlouis suche man deutlich länger nach Parkplätzen, meinte Berg, „wir haben hier ein sehr gutes Angebot, und wer einigermaßen ortskundig durch Dillingen fährt, findet einen Parkplatz.“ Freie Dauerparkplätze für 39 Euro im Monat gebe es zudem in der Tiefgarage unter dem Odilienplatz. Ein Parkleitsystem könnte sich Helge Lorenz (FDP) vorstellen; mit Angeboten wie E-Scootern solle man den Leuten „schmackhaft machen, auf das Auto bei kurzen Wegen zu verzichten“.

Winfried Hoffmann aus Dillingen beklagte zugeparkte Gehwege. Foto: Thomas Seeber

Ob es vorgesehen sei, den ÖPNV mit zu hohen Preisen zu verändern, „sodass Menschen das Auto nicht mitbringen“, wollte Werner Schlosser aus Diefflen dazu wissen. Lorenz würde sich „für einen Ringbus einsetzen, zusammen mit der KVS, in allen Stadtteilen“. Berg sieht Dillingen „gut in den ÖPNV eingebunden“, aber auch „das Problem der Preisgestaltung“; so wäre eine Wabe für Dillingen ein Ansatz. „Letzten Endes muss aber der Stadtrat überlegen, ob wir Geld in die Hand nehmen, um den ÖPNV besser zu gestalten.“ Hoffmann ergänzte, manche Wohngebiete wie Pachtener Heide oder Überm Berg würden nicht oft angefahren, „obwohl viele Ältere auf den ÖPNV angewiesen sind“; ein Fahrdienst wäre hier ein Ansatz.

Auf häufig zugeparkte Rad- und Gehwege machte Winfried Hoffmann aufmerksam: Für Menschen mit Rollstuhl, Rollator, Kinderwagen oder Rad sei dies ein Hindernislauf. Berg gab zu, dass es „ein Problem in vielen Straßen“ sei; Knöllchen würden verteilt, „aber wenn wir hier radikal wären, hätten wir bald einen Verkehrsinfarkt in engen Straßen“. Lorenz stimmte zu, „dass nicht jedes kleine Delikt sofort sanktioniert“ werden solle, man müsse an die Autofahrer appellieren, rücksichtsvoll zu parken. Hoffmann schlug „einseitiges Parken mit Einbahnstraßen“ vor, besonders in Diefflen seien völlig zugeparkte Straßen ein Problem. „Generell würde ich mich mit den Bürgern in einem Wohngebiet zusammensetzen und gemeinsam nach einer Lösung suchen.“

Edwin Reiter wünscht sich mehr Polizei nachts in Pachten. Foto: Thomas Seeber

Auch bei der Sicherheitslage in der Stadt gingen die Meinungen auseinander. Berg hielt fest, dass die Polizeiwache „mit zwei Schichten die ganze Woche über besetzt ist“ und mit mehreren Einheiten. Auch wenn „nachts zugesperrt“ sei, Streifen seien unterwegs. Der private Sicherheitsdienst und die neue Ortspolizeibehörde am Gleisdreieck ergänzten diese. Hoffmann hielt dagegen, dass Dillingen in der Kriminalstatistik seit Jahren auf Platz fünf stehe. „Wenn ich Bürgermeisterin wäre und mein Innenminister bei der SPD hätte mir meine Polizei weggenommen, dem hätte ich den Marsch geblasen“, betonte sie. Fachabteilungen wie die Wasserschutzpolizei seien in Dillingen nicht auf der Straße unterwegs, zudem sei immer noch unbeantwortet, wie viele Kommandos tatsächlich in Dillingen im Einsatz seien. Der private Sicherheitsdienst dürfe „nicht mehr als jeder von uns“; hier sei ein anderes Konzept nötig. Lorenz ergänzte, mehr Beleuchtung an einschlägigen Plätzen wäre außerdem wünschenswert.

Edwin Reiter aus Pachten beklagte, dass am Ökosee und Römerpark nächtliche Gelage stattfänden: „Wo fahren denn Streifenwagen in der Nacht?“ Hoffmann meinte: „Da bleibt nicht viel übrig, als den Sicherheitsdienst hinzuschicken, die Polizei ist ja nicht mehr da.“ Eine Schranke will Lorenz, zudem mehr Blitzer auf „Ein- und Ausgangsstraßen, da könnte man Geld verdienen“. Berg ergänzte, ein mobiles Gerät sei oft im Einsatz, außerdem stationäre Blitzer.

Für sie sei Dillingen „immer noch tot“, meinte Anne Nanninga, wie die Kandidaten das Problem lösen wollten? Berg verwies auf die weiteren Städtebauprojekte, „riesige Chancen“, die auf dem ehemaligen Kaurisch- und DK-Gelände anstehen. „Den großen Wurf macht man nur, wenn man den richtigen Magnet anzieht, der wiederum andere mit sich bringt“, glaubt Lorenz; man müsse sich mehr an Merzig orientieren. Auf die Zugkraft eines großen Geschäfts hofft auch Hoffmann; die nun zusätzlich frei werdenden Flächen sollten zum Teil als sozialer Wohnraum zur Verfügung stehen, mahnte sie an. Bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum fehle in Dillingen, die Situation am Leipziger Ring, wo Sanierung lange versäumt worden sei, habe dazu beigetragen.

Hier erhob Berg Einspruch: Dillingen verfüge über 590 Sozialwohnungen; zwar gebe es „Problemfälle wie den Leipziger Ring“, aber habe der Stadtrat mehrere Jahre die millionenschwere Sanierung vorbereitet und sich um Zuschüsse bemüht.

Letztlich ging es dann aber auch noch um die Stadtteile: Die Ausweitung der Kulturbühne auf Pachten und Diefflen schwebt Lorenz vor, bessere Infrastruktur und „Nahversorgung gehört zu einem guten Wohnviertel dazu“. Die Stadtteile würden alle gleich berücksichtigt, betonte Berg, und zählte einige Maßnahmen auf. Bei der Nahversorgung habe die Verwaltung eingeschränkte Möglichkeiten, „aber wir haben das Telefon in die Hand genommen und uns über Monate bemüht“: Für Diefflen sehe es nun sehr gut aus, dass ein neuer Discounter sich niederlasse, verkündete er. Eine Begegnungsstätte etwa im Stadtteil Überm Berg stellt sich Hoffmann vor, „es gibt sehr viele Ältere, die nicht rauskommen“.

Und wie geht’s aus? Auf „50 plus x“ Prozent hoffen sowohl Berg als auch Hoffmann, Lorenz schlicht „auf eine spannende Wahl“.

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