Plusplus bei der SPD, Plus'chen bei der CDU

Plusplus bei der SPD, Plus'chen bei der CDU

Sonntag war die Wahl, spätestens heute beginnen die ersten Gespräche, mit wem was gehen könnte. Die Parteien gehen mit sehr unterschiedlichen Gefühlen in diese Phase. Am besten geht's der SPD und der CDU.

Die SPD im Landkreis Saarlouis hat am Sonntag auf fast ganzer Linie gewonnen. In einem einzigen Rat werden künftig weniger Sozialdemokraten sitzen - in Nalbach. Nur hier ist auch der Stimmenanteil etwas gesunken. 54,1 Prozent und 15 von 27 Sitzen bedeuten allerdings immer noch einer satte absolute Mehrheit. Nalbach hat übrigens den stärksten Neueinsteiger zu bieten: Politik in Bürgerhand, kurz: PiB. 17,2 Prozent bescheren ihr fünf Sitze im Rat.

Zurück zur SPD. Die bleibt in Lebach bei zehn Sitzen. Gewinnt aber überall sonst: Je ein Mandat mehr im Kreistag, in Bous, Dillingen, Ensdorf, Rehlingen-Siersburg und Schwalbach. Plus zwei heißt es in Schmelz, Wadgassen und Wallerfangen, drei Sitze mehr werden es in Überherrn, und in Saarlouis und Saarwellingen sind es sogar vier.

Gleichauf im Kreistag

Wenn auch im Kreistag etwas über ein Prozent Stimmen fehlen, stärkste Partei zu werden, erobert die SPD diese Position von der CDU doch in Städten und Gemeinden: In Saarlouis, Schmelz und Überherrn. In Saarwellingen, Wadgassen und Wallerfangen behalten die Genossen die Nase vorn, und feiern erneut ihre absoluten Mehrheiten in Nalbach und Rehlingen-Siersburg.

Die CDU kann nirgendwo ohne Partner bestimmen, wo es lang geht. Im Kreistag bleibt sie stärkste Partei, hat aber wie die SPD 14 Sitze. Wie berichtet dürfte hier die schwarz-rote Kooperation eine Neuauflage erfahren. In Bous, Dillingen, Ensdorf, Lebach und Schwalbach bleiben die Christdemokraten stärkste Partei. Am stärksten legen sie zu in Bous (plus 7,5), Ensdorf (+4), Saarwellingen (+5,5) und Schwalbach (+4,5). Minus sieben Prozent sind es in Lebach, wo einige Stimmen an die GUD mit ihren beachtlichen 8,7 Prozent verloren gegangen sein dürften. Bitter ist das Ergebnis in Saarlouis trotz zweier Punkte plus: Jamaika, also CDU, FDP und Grüne, bisher mit 24 von 45 Sitzen kommt nur noch auf 22 Sitze. Das Bündnis könnte sich mit einem Piraten oder einem Stadtverordneten der AfD auf die nötigen 23 Stimmen hieven. Da jedoch diese zunächst keine Fraktion bilden können (dazu sind zwei Mandate nötig), und auch das eine FDP-Mitglied im Rat das nicht kann, würde es recht kompliziert, in den Ausschüssen des Stadtrates ebenfalls Mehrheiten zu erlangen. Das rechnerisch denkbare Rot-rot-grün (24 Sitze) hatte 2009 einen Vorläufer im Kreistag, der scheiterte.

Wenig Aussicht auf Duette

Rot-grün oder Schwarz-gelb hätten nur in zwei der 13 Städte und Gemeinden eine Mehrheit. CDU mit 14 und FDP mit drei also zusammen 17 bei insgesamt 33 Sitzen könnten in Lebach eine Mehrheit zimmern. 15 SPD plus zwei Grüne - ebenfalls 17 - könnten in Wadgassen reichen. Hier kann die SPD außerdem mit Linke oder FDP (ebenfalls je zwei Sitze) auf eine Mehrheit kommen.

Die eher traurige Geschichte der FDP ist damit im Grunde erzählt. Ein Mandat (-1) in Dillingen, 1,2 Prozent in Schmelz, 1,6 in Schwalbach, 2,6 in Überherrn und 3,2 Prozent in Wallerfangen, was jeweils nicht für den Einzug in den Rat reicht, sind keineswegs eine Erfolgsbilanz.

Dass der Trend eher zu den großen Parteien SPD und CDU geht, erleben auch die Grünen. Sie gewinnen nur in Rehlingen-Siersburg und Wadgassen über zwei Prozent, sind häufig nahe am Ergebnis 2009 und verlieren in Lebach 2,5, in Saarwellingen knapp drei und in Saarlouis über vier Prozent - sowie einen Sitz, der Jamaika nun fehlt.

Die Linkspartei verliert auf breiter Front. Häufig liegen ihre Verluste recht nah an den Gewinnen der SPD. Hier könnte eine Rückwanderung stattgefunden haben. Vor fünf Jahren hatte die Linke kräftig abgeräumt und überwiegend zweistellige Stimmenanteile geholt. Das gelingt ihr nur noch in Bous (11,37) und in Schwalbach (10,1 Prozent). Besonders heftig sind die Verluste im Kreistag, wo die Partei von 13,0 auf 6,6 Prozent fast auf die Hälfte abrutscht.

Die AfD holt im Kreistag mit 5,0 Prozent, im Stadtrat Saarlouis mit 3,7 und Stadtrat Lebach mit 4,7 Prozent jeweils einen Sitz. Schafft dies also überall, wo sie antritt.

Freie Wähler recht stabil

Dies gilt auch für die Freien Wähler (mit Ausnahme der einen Saarlouiser Gruppe) und die ÖBL in Dillingen, die zwei Sitze verteidigt. Zwei Sitze holt die FWG in Saarlouis (4,8 Prozent), vier die Saarwellinger (12,6). 6,5 Prozent bringen in Schmelz der FWG zwei Sitze, 7,7 der FW/FBLS in Schwalbach und 7,0 Prozent der FW in Wallerfangen bringen auch zwei Sitze, einen gewinnt die FWG Wadgassen mit 4,0 Prozent. In Wadgassen kommt es wohl erstmals überhaupt bei Kommunalwahlen im Kreis Saarlouis zu einer Nachzählung der Stimmen. Beantragt habe sie der Spitzenkandidat der CDU für den Ortsrat Schaffhausen, Dr. Martin Emmerich, bestätigte gestern Bürgermeister Sebastian Greiber auf Anfrage. Emmerich ist suspekt, dass die FDP mit nur gut 25 Stimmen mehr als nötig einen (ihren einzigen) Sitz im Ortsrat bekommen habe. Also nachzählen!

Aufs Nachzählen verzichtet großmütig die SPD Friedrichweiler. In Friedrichweiler bekam die CDU mit nur zehn Stimmen mehr als nötig einen Sitz im Ortsrat. Ihren einzigen, um genau zu sein. Zehn Stimmen weniger für die CDU, und alle Sitze im Ortsrat wären an die SPD gegangen. Die Wahlbeteiligung variiert. Dillingen mit glatten 45 und Bous mit 46,9 Prozent sind die Schlusslichter. An der Spitze liegen Rehlingen-Siersburg, 60,8, und Nalbach, 60,5. Das sind die beiden Gemeinden, in denen die SPD ihre absolute Mehrheit verteidigt hat. Da in Schmelz bei 59,5 Prozent die SPD über fünf Punkte zulegt und die CDU überholt - jetzt 42,4 zu 41,9 - scheint die Faustformel: "Je Wahlbeteiligung, desto SPD" bestätigt. In Lebach verliert die SPD zwar bei 59,7 Prozent Beteiligung, hier war aber vor fünf Jahren die Linke nicht am Start. Fast überall sind um die fünf Prozent weniger Menschen zur Wahl gegangen. Saarlouis liegt mit 48 nach 50,5 Prozent sehr gut. Schmelz (72,8) und Rehlingen-Siersburg (71,3) hatten 2009 viel mehr Wähler - unschwer zu erklären: Hier war auch Bürgermeisterwahl.

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