1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Dillingen

Pachtens Spur durch Jahrtausende

Pachtens Spur durch Jahrtausende

Frau Schmidt, welches Ausstellungsstück gefällt Ihnen im Museum am besten?Schmidt: Die tönernen Saugfläschchen für Säuglinge berühren mich immer besonders. Diese Grabbeigaben erzählen ohne Worte von tödlichen Kinderkrankheiten in der Antike und treffen so auch den Nerv der Besucher. In jedem Raum gibt es aber auch Tafeln mit Erklärungen. Die stammen sogar aus Ihrer Feder

 Gertrud Schmidt zeigt Ausstellungsstücke.
Gertrud Schmidt zeigt Ausstellungsstücke.

Frau Schmidt, welches Ausstellungsstück gefällt Ihnen im Museum am besten?Schmidt: Die tönernen Saugfläschchen für Säuglinge berühren mich immer besonders. Diese Grabbeigaben erzählen ohne Worte von tödlichen Kinderkrankheiten in der Antike und treffen so auch den Nerv der Besucher. In jedem Raum gibt es aber auch Tafeln mit Erklärungen. Die stammen sogar aus Ihrer Feder.Schmidt: Es macht den Reiz des Museums aus, die Fülle der Funde so zu präsentieren, dass sie in die Zeit ihrer Entstehung und Verwendung eingeordnet sind: mit Texten, Bildern und Modellen.Woher stammen die Exponate und aus welcher Zeit?Schmidt: An die 90 Prozent der Hauptsammlung sind aus Pachten selbst, entweder aus dem Gräberfeld oder der Siedlung, dem Vicus Contiomagus. Die restlichen Funde stammen aus dem Kreis, etwa aus dem Lebacher Gräberfeld. Schwerpunkt ist die gallo-römische Zeit vom 1. bis 4. Jahrhundert, also der Blütezeit des Vicus hier. Insgesamt erstrecken sich die Funde aber von der Jungsteinzeit bis zur Fränkischen Zeit. Deshalb heißt es Museum der Vor- und Frühgeschichte.Sie gehören selbst zur Vorgeschichte des Museums, nicht?Schmidt: In der Tat war ich Gründungsmitglied des Fördervereins 1987, die ganze Zeit im Vorstand und seit 1989 Geschäftsführerin. Unser erster Vorsitzender war Josef Grohs, bevor Helmut Plewka den Verein 23 Jahre führte. Von mir stammt auch das Konzept der Ausstellung. Das Museum wurde mit einer Sonderausstellung zu Kelten, Römern und Germanen 1990 eröffnet. Die Dauerausstellung ist seit 1992 zu sehen.Was war die größte Herausforderung bei der Einrichtung des Museums?Schmidt: Das Gebäude ist ein südwestdeutsches Quereinhaus, das Wohn- und Wirtschaftsräume unter einem Dach vereinte. Ich wollte auf einem Rundgang die Exponate chronologisch zeigen, aber wir wollten dabei die Struktur des Bauernhauses erhalten. Das war schwierig. Wir haben es aber durchgezogen, die Räume in ihrer Struktur erkennbar zu lassen, so auch beim Bau der Galerie, wo wir die Funktion des Scheunentors bewahren konnten.Was sind Ihre ersten Projekte als Vorsitzende des Fördervereins?Schmidt: Wir organisieren, seit wir die Galerie haben, Sonderausstellungen. Wir wollen ab Herbst zwei Fotoausstellungen im Jahr machen. Ich habe den Vorschlag gemacht, dass wir uns auf Fotos konzentrieren, um uns damit einen Namen zu machen. Was sind Ihre mittelfristigen Ziele?Schmidt: Wir wollen die Ausstellung moderner präsentieren, nicht nur mit Modellen, wie jetzt etwa zur Fußbodenheizung der Römer, arbeiten, sondern auch mit Filmen und Animationen. Dazu bräuchten wir einige Gelder. Mein Ziel ist es, zum 25-jährigen Bestehen des Museums 2015 die Dauerausstellung neu gestaltet zu präsentieren.Zudem verspreche ich mir mehr Aufmerksamkeit für das Museum durch das Projekt "Straße der Römer", das von der Saar-Mosel-Touristik und der Tourismuszentrale Saar vorangetrieben wird. Schließlich liegt Pachten an der Kreuzung der Römerstraßen von Metz nach Mainz und von Trier nach Straßburg.Das Museum für Vor- und Frühgeschichte in der Pachtener Fischerstraße 2 ist sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Gruppen können gesonderte Termine vereinbaren, Telefon (0 68 31) 70 92 12. Der Eintritt ist kostenlos.