Niedtalbahn soll von Saarbrücken nach Luxemburg fahren

Niedtalbahn : Macht Frankreich den Weg frei für die Niedtalbahn?

Für Patrick Weiten, den Präsidenten des Départements Moselle, hat das Projekt Priorität. Günter Heinrich: „Es geht nicht mehr um das Ob, sondern ums Wie?“

Die Stilllegung der Niedtalstrecke ist bei der Bahn vorerst kein Thema mehr. Zuspruch für eine erneute Aktivierung der Bahnverbindung kommt von Patrick Weiten, dem Präsidenten des Département de la Moselle. Und der CDU-Landtagsabgeordnete Günter Heinrich findet: „Geld ist genug im Pott.“

 Überwiegend positiv aufgenommen wurden diese Äußerungen am Donnerstagabend in der Dillinger Stadthalle von 140 Zuhörern der Veranstaltung „Attraktiver Schienenverkehr nach Luxemburg für Saarland und Lothringen – Realistische Zukunft für die Niedtalbahn!“ von CDU-Landtags-Fraktion, dem ökologisch ausgerichteten Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der „Allianz Pro Schiene“. Elf Redner deckten in eineinhalb Stunden wesentliche Facetten ab, von der wirtschaftlichen Bedeutung der Strecke bis zu Personenbeförderung und Klimaschutz.

Den Anfang machten Günter Heinrich und Werner Ried von Allianz-Pro-Schiene. Es gehe jetzt nicht mehr „um das Ob“, sagte Heinrich, „sondern um das Wie“. Von bis zu einer Milliarde Euro Gesamtkosten sprach Heinrich. Dafür wäre eine Strecke möglich von Saarbrücken über Dillingen und Bouzonville bis Thionville und Luxemburg. Die entlaste das Pendleraufkommen auf Straßen und die derzeitige Bahnverbindung über Saarbrücken und Metz sowie über Trier nach Luxemburg. „Museal“, nannte Ried die aktuelle Streckentechnik. 20 Kilometer zwischen Dillingen und Bouzonville seien noch zu elektrifizieren.

„Ohne die französischen Freunde wird es nicht gehen“, machte Klaus Vornhusen deutlich, Konzernbevollmächtigter der DB für das Saarland. Denn der Großteil des Bahnverkehrs spiele sich jenseits der Grenze ab. Auf deutscher Seite sei eine Nutzen-Kosten-Untersuchung notwendig. Ohne die gäbe es keine Fördermittel. So lange die Diskussion über eine Aktivierung laufe, werde die Bahn aber nicht weiter über eine Stilllegung reden, versprach Vornhusen.

Zusammenarbeit sei nötig, ergänzte Rüdiger Weiß, DB Netz AG. Ein Knackpunkt sei das Stellwerk Hemmersdorf. Ohne Erneuerung werde kein Betrieb mehr möglich sein. Auf 15 Millionen Euro Kosten schätzte Weiß die Sanierung der Bahnbrücke in Niedaltdorf, ein etwa 900 Meter langes Teilstück zwischen Niedaltdorfer und französischer Grenze ist zu erneuern.

Für den Bahnbetrieb im Niedtal gebe das Saarland „viel, viel Geld aus“, sagte Jürgen Meyer vom Wirtschaftsministerium. Mehr als drei Millionen Euro pro Jahr. Doch im Durchschnitt gebe es in Schulzeiten nur 24 Fahrgäste pro Zug, in Ferien seien es 14.  Es werde deshalb lange dauern, bis die Strecke an der Reihe sei. Zudem müsse zwischen Thionville und Metz erheblich investiert werden. Doch die seit 2016 für Lothringen zuständige Verwaltung „der Région Grand Est hat sich bislang nicht dazu geäußert“.

Von derzeit 60 Kilometern Umweg sprach Unternehmer Jörg Michael Fries von BahnLOG. Seine Firma hole bei Forbach Züge an der Grenze ab und fahre auf deutscher Seite weiter. Beispielsweise Kalkzüge für die Dillinger Hütte. In Bouzonville habe BahnLOG ein Logistikzentrum aufgebaut. Fries befürwortete die Aktivierung der Niedtalbahn auch zum Nutzen der gesamten Wirtschaft.

Bisher Endstation: die Niedtalbahn am Bahnhof Niedaltdorf. Foto: Ruppenthal

„Die Franzosen haben bisher blockiert“, fasste Günter Heinrich am Schluss zusammen. Doch Patrick Weiten hatte sich zuvor zu dem Projekt und der erforderlichen Zusammenarbeit bekannt. Es habe „Priorität für die deutsch-französischen Beziehungen“ sowie für die Region Moselle und das Saarland, sagte Weiten.

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