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Nach wie vor herrschen Rollenklischees

Nach wie vor herrschen Rollenklischees

Nicht allen Mädchen und Frauen geht es in der Gesellschaft gut. Vorurteile, Sexismus und Rollenklischees sind weit verbreitet. Dies und die Situation weiblicher Flüchtlinge war dieser Tage Messethema in Dillingen.

Vor gut einem Jahr, erzählte Anja Weyrath, stellvertretende Landesgeschäftsführerin beim Paritätischen Bildungswerg Rheinland-Pfalz/Saarland, sei die Idee der Projektmesse "weiblich 2016 - vielfältig und bunt" geboren worden. Die bundesweite Fachmesse für Fachkräfte der Jugendhilfe und Jugendarbeit am Mittwoch in der Dillinger Stadthalle präsentierte sich als bunte Mischung aus Diskussion und Information rund um das Thema professionelle Mädchenarbeit. "Unser Logo war recht schnell gefunden, nicht ganz sicher waren wir allerdings, ob die Messe auch auf ausreichend Interesse stoßen würde", sagte Weyrath.

Es brauchte Extrastühle

Diese Sorge zeigte sich als völlig unbegründet. Schon vor Beginn der Veranstaltung waren alle Plätze belegt, zusätzliche Stühle wurden organisiert. Auch die Info-Stände im Foyer, mehr als 20 Projekte nutzen die Gelegenheit, sich den Fachkräften aus dem Bereich professionelle Mädchenarbeit mit ihren teilweise innovativen Ideen vorzustellen. Große Nachfrage gab es etwa bei Lisa Rettig. Sie hatte den "Mädchenparcours" des Regionalverbands Saarbrücken aufgebaut und kam mit den Besucherinnen ins Gespräch. "Vor allem das Einsortieren der Alltagsgegenstände soll auf die Rollenverteilung aufmerksam machen. Dabei können die Mädchen schauen, wie es bei ihnen zu Hause ist, ob sie es dann später ebenso machen, bleibt ihnen überlassen", erklärte sie.

Hier zog Isolde Schuh aus dem Sozialministerium eine Bierflasche aus der Tüte, sortierte sie im Wohnzimmer ein, ordnete sie den männlichen Bewohnern zu. "Ganz oft werden auch Werkzeuge im Keller einsortiert, für die Mama bleibt höchstens die Waschküche", erzählte Rettig.

Sabine Weißer von der Awo Saarbrücken-Burbach informierte sich über den Mädchenparcours. Sie war als aktives Mitglied im Arbeitskreis Mädchenarbeit, dem Veranstalter der Fachmesse, aber auch als interessierte Besucherin nach Dillingen gekommen. "Auf jeden Fall brauchen wir diese Mädchengruppen. Wir brauchen einen geschützten Raum, in dem wir sie stärken können", erklärte sie.

Junge Mädchen und Frauen stark machen, das war auch ein Thema der Podiumsdiskussion, die den Einstieg in den Tag bildetet. Im Mittelpunkt standen hier vor allem Mädchen mit Migrationshintergrund und weibliche Flüchtlinge . Hier berichtete Eva Schemberg vom Diakonischen Werk von ihren Erfahrungen mit unbegleiteten, weiblichen, minderjährigen Flüchtlingen. "Es ist sehr wichtig, dass diese Mädchen nach ihren teileweise schrecklichen Fluchterfahrungen einen männerfreien Rückzugsort haben", betonte sie. Zwei junge Frauen aus Eritrea berichteten von ihren Erfahrungen in Schule und Sprachkurs. "Es ist sehr schwierig für die Mädchen , sie haben in der Öffentlichkeit keinen Platz. Die Jungen gehen ins Juz oder zum Fußball, aber die Mädchen bleiben außen vor", sagte Schemberg.

Mit Respekt begegnen

Für Sozialministerin Monika Bachmann war eine 17 Jahre alte Schülerin mit türkischen Wurzeln aus einem Filmbeitrag am Mittwochmorgen das Musterbeispiel. "Wir brauchen solche junge Frauen, die die Migrantinnen an die Hand nehmen und ihnen Selbstbewusstsein beibringen. Sie müssen lernen, dass Frauen, aber auch Männer nichts Schlimmes sind. Ich bezweifele, ob es gut ist, extra Räume für Mädchen zu schaffen", sagte sie. Ceyda Keskin vom Interkulturellen Beratungszentrum in Berlin-Neukölln warnte davor, die Frauen in einer Art Opferrolle zu sehen. "Es ist falsch zu denken, wir müssten sie dort rausholen. Viel entscheidender ist es, dass wir ihnen mit Respekt begegnen und uns anhören, was sie wollen".